Formel E

Formel-E-Rookie Nyck de Vries trauert Formel 1 nicht hinterher

Als Formel-2-Champion in die Formel E: Mercedes-Rookie Nyck de Vries hat sich mit seiner neuen sportlichen Heimat anstelle der Formel 1 abgefunden.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Formel E statt Formel 1: Nyck de Vries' Karriere im Motorsport hat wieder einmal eine überraschende Wendung genommen. Nach seinem Titelgewinn in der FIA Formel 2 hätte es den 24-Jährigen eigentlich in Richtung der Formel 1 ziehen müssen. Doch mangels finanzieller Unterstützung musste de Vries umdenken - und fand ein neues sportliches Zuhause bei Formel-E-Neueinsteiger Mercedes-Benz.

Anstelle von de Vries stieg der Zweitplatzierte in der F2-Meisterschaft, Nicholas Latifi, in die Königsklasse des Motorsports auf. Der Kanadier ersetzt ab der Saison 2020 den Polen Robert Kubica bei Williams. In der Formel 2 war Latifi, der auf 98 Rennen in der GP2/F2 zurückblickt, dem gleichaltrigen de Vries (insgesamt 67 Rennen) deutlich unterlegen.

Der verpassten Formel-1-Chance will de Vries nun aber nicht hinterhertrauern. "Ich akzeptiere das und habe kein schlechtes Gefühl", sagte der Niederländer bei der FIA-Gala in Paris. "Unterschiedliche Dinge spielen eine Rolle dabei, um es in die F1 zu schaffen. Einfach nur abzuliefern, ist nicht genug. Ich akzeptiere das."

Neid über Latifis Aufstieg, der ohne einige Millionen Sponsorengelder aus dem Elternhaus wohl schwieriger geworden wäre, wollte de Vries nicht aufkommen lassen: "Ich freue mich für ihn, dass er diese Möglichkeit erhält. Er ist auch eine gute Saison gefahren und Zweiter geworden. Er verdient diese Chance."

De Vries selbst will sich nun in der Formel E mit den Silberpfeilen beweisen. Beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien überquerte er die Ziellinie in beiden Rennen auf dem sechsten Platz. Wegen einer nachträglichen 5-Sekunden-Strafe in Folge eines Handhabungsfehlers (FIA-Handbuch nicht befolgt) fiel er im zweiten Lauf auf den 16. Rang zurück.

"Ich habe eine neue Möglichkeit in der Formel E mit Mercedes-Benz bekommen und bin darüber, ehrlich gesagt, sehr glücklich und dankbar", sagte der amtierende Formel-2-Champion. "Ich möchte hier eine Erfolgsgeschichte schreiben und werde alles dafür geben."

De Vries, der von 2010 bis Ende 2018 von McLaren unterstützt wurde, fand auf Umwegen in die Formel E, nämlich über den Simulator des Formel-1-Teams von Mercedes. Was kaum bekannt war: De Vries unterstützt die Silberpfeile seit Jahresbeginn mit Einsätzen im Simulator.

Eine Rolle, die in der Vergangenheit auch Pascal Wehrlein, Maximilian Günther oder der heutige Williams-Pilot George Russell einnahmen. Die Möglichkeit, eines der Cockpits für das neu geschaffene Formel-E-Programm zu ergattern, reifte im Mai dieses Jahres rund um den Monaco Grand Prix nach Gesprächen mit Teamchef Ian James.

De Vries belegt nach den ersten beiden Rennen der Saison 2019/20 den neunten Platz in der Meisterschaft. Mercedes führt das Team-Klassement vor Virgin und BMW. Das dritte Saisonrennen steigt am 18. Januar 2020 in Santiago de Chile.


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