Offiziell hat Aston Martin noch nicht bekanntgegeben, wie lange Lance Stroll in der Formel 1 fehlen wird. Das Team verkündete am vergangenen Wochenende in Barcelona am Samstag den Rückzug des Kanadiers, der an den Folgen einer Handverletzung leidet, die er sich vor dem Saisonstart 2023 zugezogen hatte.
Vorher hatte er noch am Qualifying teilgenommen, wo er in Q2 ausgeschieden war. Laut Aston Martin plagt sich Stroll schon seit sechs Wochen mit Handschmerzen herum. Er wird erneut eine Operation an seinem Handgelenk vornehmen lassen, ehe er auf seine Rückkehr hinarbeiten will. Ein Start bei seinem Heimrennen in Kanada in weniger als zwei Wochen erscheint da fraglich - vielleicht sogar darüber hinaus. Doch wer könnte den F1-Stammfahrer bei Aston Martin ersetzen? Hier die Kandidaten:
Felipe Drugovich: Endlich ein Formel-1-Debüt?
Der logischste Kandidat für das Cockpit wäre der Brasilianer Felipe Drugovich. Drugovich gewann 2022 in seiner dritten Saison die Formel 2 und übernahm anschließend den Job als Test- und Ersatzfahrer für Aston Martin. Zu einem Rennstart kam er in der Königsklasse seitdem noch nicht, stand aber schon sechsmal im FP1 für die britische Mannschaft am Start. Am nähesten kam er einem Premieren-GP bisher zum Saisonstart 2023, als er bei den Testfahrten für Lance Stroll eingesprungen war. Damals hatte sich Stroll das rechte Handgelenk gebrochen, war aber bis zum Formel-1-Saisonstart wieder fit geworden. Also genau jene Verletzung, die ihn nun wieder einholt.
Drugovich wäre eigentlich am Wochenende des Kanada-GPs in Le Mans im Einsatz. Beim 24-Stunden-Rennen an der Sarthe ist er im Aufgebot von Whelen-Cadillac in der Hypercar-Klasse vorgesehen. Doch gegenüber dem brasilianischen Nachrichtenportal 'Band' betonte Drugovich, dass er die Formel 1 Le Mans vorziehen würde. Er hätte wohl auch gar keine Wahl, denn wie man in Barcelona aus dem Formel-1-Paddock hörte, soll Drugovich vertraglich dazu verpflichtet sein, Aston Martin Priorität einzuräumen.
Stoffel Vandoorne: Comeback an der Seite von Fernando Alonso?
Stoffel Vandoorne kennt im Gegensatz zu Felipe Drugovich die Formel 1 schon. In zwei Jahren bei McLaren als Teamkollege von Fernando Alonso (und einem Ersatzauftritt anstelle Stelle des Spaniers) hatte der Belgier allerdings wenig zu lachen. Über die Formel E und den Langstrecken-Sport konnte er seinen Ruf wieder etwas sanieren.
Vandoorne steht genauso wie Drugovich als Test- und Ersatzfahrer bei Aston Martin unter Vertrag. Als Pluspunkt spricht für ihn die Formel-1-Erfahrung, die er bereits mitbringt. Allerdings steht auch ihm Le Mans im Weg, denn Vandoorne geht dort für Peugeot an den Start. Ob er auch eine Prioritäts-Klausel in seinem Aston-Martin-Vertrag hat, ist nicht bekannt. Vandoorne hätte durch einen Nichtantritt in Le Mans allerdings mehr zu verlieren als Drugovich, denn er geht in der WEC als Stammfahrer für die Franzosen an den Start.
Valtteri Bottas: Leihgabe von Motorlieferant Mercedes?
Falls die Wahl bei Aston Martin aus welchen Gründen auch immer weder auf Drugovich noch auf Vandoorne fällt, müsste sich des Team von Lawrence Stroll extern umschauen. Denn Jak Crawford als einziger nennenswerter Nachwuchs-Fahrer verfügt genauso wenig über eine Super-Lizenz wie Simulatorpilot Daniel Juncadella, der ohnehin mangels Formel-Erfahrung aus der jüngeren Vergangenheit kaum ein veritabler Anwärter wäre.
Valtteri Bottas sticht bei den potenziellen Kandidaten, die derzeit nicht direkt mit Aston Martin in Verbindung stehen, ins Auge. Der Finne ist bei Mercedes als Ersatzfahrer mit an Bord und in dieser Funktion sowieso bei jedem Formel-1-Rennen im Paddock. Über den Motorlieferanten von Aston Martin würde also eine direkte Verbindung nach Silverstone bestehen. Bottas bringt Erfahrung mit und ist eine gestandene Größe in der Königsklasse. Man würde mit ihm wohl kaum Gefahr laufen, eine Fehlbesetzung ins Team zu holen, würde aber gleichzeitig einen Mangel an Vertrauen in die eigenen Reservisten eingestehen.

Sergio Perez: Rückkehr an alte Wirkungsstätte?
Begeben wir uns in der Liste an potenziellen Ersatzkandidaten für Lance Stroll in etwas obskurere Gefilde. Dass Sergio Perez einspringen würde, erscheint unwahrscheinlicher als die vorher genannten Kandidaten. Vor allem, da er sich in den letzten Monaten im F1-Paddok rar gemacht hat, nicht einmal in Miami trat er entgegen vorheriger Spekulationen in Erscheinung.
Allerdings würden auch einige Punkte für ihn sprechen. Perez verfügt genauso wie Bottas über sehr viel Erfahrung in der Formel 1 und er hat auch keine anderen (Renn)-Termine, die ihm für eine Rückkehr im Weg stehen können. In Silverstone ist er ein alter Bekannter, fuhr er doch von 2014 bis 2020 für Force India beziehungsweise Racing Point. Sein fahrerisches Ansehen wurde auch durch die bisherigen Auftritte seiner Nachfolger bei Red Bull wieder aufpoliert.
An diesem Punkt hört es allerdings auch schon auf mit den Pluspunkten, denn sofern Perez für Aston Martin überhaupt auf der Liste steht, ist wohl eine sehr bedeutende Frage, ob der Mexikaner überhaupt in die Formel 1 zurückwill - vor allem als Notfall-Reserve. Er selbst verschrieb sich im Winter einer sechsmonatigen Bedenkpause in der Königsklasse, soll sich aber bereits mit Cadillac in Gesprächen befinden.
Chance für Mick Schumacher? Oder Nyck de Vries?
Neben Perez gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer Außenseiter-Kandidaten, die das Aston-Martin-Cockpit wohl mit Handkuss nehmen wurden, darunter auch Mick Schumacher. Der ehemalige Haas-Pilot würde zwei Jahre F1-Erfahrung mitbringen, also mehr als zum Beispiel Drugovich, und er hält sich beständig in den Gesprächen um eine F1-Rückkehr, zuletzt brachten ihn Gerüchte mit Alpine in Verbindung. Auch bei Cadillac hat er schon angeklopft.
Schumacher steht allerdings als Alpine-Fahrer in der WEC Le Mans im Weg, genauso wie auch Nyck de Vries, der nach seinem gescheiterten Racing-Bulls-Abenteuer wieder aus dem Scheinwerferlicht der Formel 1 verschwunden ist und beim 24-Stunden-Rennen an der Sarthe mit Toyota praktisch automatisch zu den Favoriten zählt. Das trifft gemessen an den bisherigen Saisonergebnissen in der Langstrecken-WM 2025 übrigens auch auf Schumacher zu.



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