Formel 1 / Rennbericht

Deutschland jagt Hamilton - Australien GP

Chaos pur in Australien: Hamilton siegt, Heidfeld und Rosberg auf dem Podium und nur sieben Fahrer im Ziel. Das ist die Bilanz des Australien GP.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Die Saison 2008 begann mit einem actiongeladenen Grand Prix und einem unumstrittenen Sieger. Lewis Hamilton holte sich nach der ersten Pole des Jahres auch den ersten Sieg. Bereits am Start setzte sich Hamilton gegen Robert Kubica durch, danach führte er das Rennen relativ ungefährdet an, bis ihn ein vorgezogener Boxenstopp vor der dritten Safety Car-Phase rettete - denn während Hamilton vor der Neutralisierung tankte, musste sein Teamkollege Heikki Kovalainen hinter ihm während der SC-Phase tanken und verlor so viele Plätze.

"Ich bin am Start gut weggekommen. Die erste Kurve war ziemlich eng, aber ich konnte dann Raum zwischen mich und meine Verfolger bringen", sagte der strahlende Sieger. "Ich musste aufpassen und durfte nicht zu viel riskieren, musste vernünftig bleiben und meine Pace gehen." Die Safety Car Phase konnte er zu seinen Gunsten nutzen. "Es war wichtig, sich aus allem Ärger rauszuhalten. Das Rennen war ähnlich wie mein erster Sieg in Montreal, damals gab es vier Safety Car-Phasen - daran habe ich während des Rennens gedacht. Das Auto lief phänomenal, es war ein Traum es zu fahren - auch im Vergleich zum letzten Jahr."

Felipe Massa landete früh in der Mauer, später rollte er aus. - Foto: Sutton

Statt Kovalainen stand Nick Heidfeld als Zweiter auf dem Podium. Der Deutsche kämpfte zu Beginn des Hitzerennens mit einer ständig laufenden Trinkflasche, ließ sich davon aber nicht beeindrucken und fuhr das erste Podium der Saison ein. "Ich hatte viel Wheelspin am Start, da ist Nico vorbei, aber den Platz, den ich am Start verloren habe, habe ich später beim Boxenstopp zurück gewonnen. Die Crew hat super gearbeitet. Danach hatte ich bei den weiteren Stopps im Hinblick auf die Safety Car-Phasen viel Glück."

Neben ihm stand noch ein weiterer Deutscher auf dem Podium: Nico Rosberg profitierte vom Boxenstoppchaos bei Kovalainen und Fernando Alonso sowie einem verkorksten Rennen von Kimi Räikkönen und Rubens Barrichello. "Es ist unglaublich, in der F1 auf dem Podium zu stehen - es ist schon so lange her", sagte er. Hamilton erinnerte sich zumindest an das letzte gemeinsame Podium mit Rosberg: "Das ist acht Jahre her, damals aber noch in Kartzeiten."

Für Kimi Räikkönen begannen die Probleme schon im Qualifying. Der Finne musste im Mittelfeld starten, nachdem sein Auto im Qualifying mit einem Defekt liegen geblieben war. Im Rennen katapultierte er sich am Start auf Position 8 nach vorne, hing dann mit schwerem Auto und weichen Reifen lange hinter dem Honda von Rubens Barrichello. Kurz vor der zweiten SC-Phase hatte er Glück: Räikkönen war schon auf dem Weg in die Boxeneinfahrt, als ihm das Team funkte, dass das Safety Car ausrückte - wäre er in die Box gekommen, hätte er eine Strafe bekommen, da die Boxengasse zu Beginn einer SC-Phase geschlossen wird.

Das Feld lichtete sich schnell. - Foto: Sutton

Doch dann machte Kimi den entscheidenden Fehler: nach dem Re-Start griff er Kovalainen an, ging sogar an ihm vorbei, konnte aber nicht mehr bremsen und rutschte ins Kiesbett, schrammte sogar an der Mauer entlang. Nach seinem folgenden einzigen Boxenstopp fand er sich am Ende des Feldes wieder. Zwar kämpfte er sich noch einmal bis in die Punkteränge nach vorne, doch dann beendete ein technischer Defekt einen für ihn ebenso chaotischen wie enttäuschenden Auftakt-GP.

Das Chaos im Park

Schon am Start in die neue Saison krachte es. Am Ende des Feldes kamen sich Piquet, Glock und Fisichella in die Quere. Der Italiener lieferte die erste Flugeinlage des Rennens mitten ins Kiesbett - das Aus für ihn. Wenige Meter weiter vorne der nächste Unfall: Felipe Massa dreht sich im Duell mit Heikki Kovalainen und landete in der Mauer. Nach einem Reparaturstopp für einen neuen Frontflügel ging es für ihn weiter - vorerst. Der nächste Zwischenfall ereignete sich ebenfalls noch in der ersten Runde: Nakajima, Webber und Davidson kamen sich zu nahe, für den Australier und den Super Aguri-Piloten war das Rennen vorbei - so auch für Sebastian Vettel, der mit Jenson Button unliebsame Bekanntschaft machte.

Fisichella kam nur bis in die erste Kurve. - Foto: Sutton

Während die meisten der Betroffenen ihre havarierten Autos an die Box schleppten, ging das Safety Car zum ersten Mal raus. Kurz darauf kam Massa zum zweiten Stopp, um seinen Ferrari nachzutanken - beim Reparaturstopp war dies nicht erlaubt. Den nächsten Boxenstopp erlebte Massa nicht mehr. Bei einem Angriff auf David Coulthard kollidierten die beiden - der Schotte schied sofort aus, Massa rollte etwas später am Streckenrand aus. Sein Motor sei einfach ausgegangen. Die Bergung von Coulthards beschädigtem Red Bull rief die zweite Safety Car-Phase hervor.

"Felipe hatte das schnellere Auto", sagte Coulthard. "Er musste nach vorne, kam aber mit zu viel Tempo von hinten, er hätte anders fahren können. Felipe ist verantwortlich." Allerdings beklagte sich Coulthard nicht nur über den Angriff des Brasilianers: "Die Rückspiegel sind nicht gut, sie sind zu weit draußen, es ist nichts zu sehen. Die Teams wollen das aus Aerogründen, aber für mich ist das Blödsinn. Das sagt jeder Fahrer."

Timo Glock halfen die Rückspiegel nichts. In Runde 43 kam er von der Bahn ab, kämpfte sich zurück, flog jedoch über zwei Bodenwellen, von denen die zweite das Auto so aushebelte, dass bei der Landung die Aufhängung brach. Der Toyota drehte sich und schlug in der Mauer ein. Glock blieb unverletzt, das Safety Car rückte zum dritten Mal aus. Noch bevor das Rennen wieder freigegeben war, rauschte Nakajima ins Heck von Kubica, wonach der Pole ausfiel. Nakajima ging mit einem neuen Frontflügel wieder ins Rennen - als einer von sieben Fahrern, die die Zielflagge sahen. Unglücksrabe Sebastien Bourdais fiel zwei Runden vor Schluss mit einem technischen Defekt aus, wurde jedoch noch als Achter gewertet - für ihn nur einschwacher Trost, denn vorher lag er in seinem Debütrennen auf Platz 4.

Sebastien Bourdais scheiterte an der Technik. - Foto: Sutton

Hinter dem Podesttrio Hamilton, Heidfeld und Rosberg erkämpfte sich Fernando Alonso Platz 4 vor Heikki Kovalainen. Die beiden wechselten in der vorletzten Runde zweimal die Positionen, doch letztlich setzte sich der Spanier knapp gegen den Finnen durch. Der Pechvogel des Rennens war Rubens Barrichello. Er erhielt eine 10 Sekunden Stop-and-Go-Strafe für einen Boxenstopp zu Beginn der dritten Safety Car-Phase, wurde vom Lollipopmann zu früh losgeschickt, so dass er den Tankschlauch herausriss, und überfuhr bei der Boxenausfahrt eine rote Boxengassenampel, was ihm nach Rennende eine Disqualifkation einbrachte. Ohne den Boxenärger hätte er sogar auf dem Podium stehen können. Durch seine Disqualifikation rücken Kazuki Nakajima, Sebastien Bourdais und Kimi Räikkönen je einen Platz auf. Ferrari-Pilot Räikkönen erhält somit trotz seines Ausfalls noch einen WM-Zähler.


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