Formel 1 / Kolumne

Mark Sutton: Am richtigen Ort

Mark Sutton hat bei den ersten beiden Saison-Rennen viel erlebt; Interessantes und Skurriles. In seiner Kolumne erzählt der F1-Fotograf von beidem.
von Mark Sutton

Motorsport-Magazin.com - Eine neue Saison, ein neuer Start. Es war schon aufregend, nach Australien zu kommen. Ich habe mich auf gutes Wetter gefreut, wir waren aber überrascht, dass es so heiß war. Das war für uns schon ein kleiner Schock, denn in England hatte es zwischen null und zehn Grad. Auch bei den Tests in Spanien hatte es nur zwischen 15 und 20 Grad, also waren die 40 Grad in Melbourne doch etwas viel. Deswegen machten sich auch einige Leute Sorgen, vor allem natürlich die Teams.

Wer ist wer? - Foto: Sutton

Es war aber großartig, alle Teams in ihren neuen Farben zu sehen. Auch die neuen Autos waren zum ersten Mal in ihrer Aufmachung für das Rennen zu sehen und alle waren bereit, loszulegen. Es war schön, die Boxengasse rauf und runter zu marschieren und zu sehen, wie die Betriebsamkeit losging und die neuen Designs zu begutachten. Denn bei den Launches und den Tests haben die Teams die Autos ja nur in nicht ganz fertigen Versionen. In Australien waren wirklich die neusten Aero-Pakete drauf und auch die Designs waren fertig. Da machte es schon Spaß, die Autos noch einmal genauer zu betrachten und zu schauen, was sich seit den Präsentationen verändert hat.

Was sich neben der Strecke so ereignet hat, war aber auch recht lustig. Wie üblich kamen während des Wochenendes ein paar Berühmtheiten an der Strecke vorbei. Darunter auch Kelly Osbourne. Wir machten ein paar Bilder von ihr und wussten, dass der berühmte britische DJ Carl Cox auch da war, der ein guter Bekannter von ihr ist und bei der Red Bull Party vor dem Wochenende aufgelegt hatte. Nun war da ein dunkelhäutiger Mann mit ihr unterwegs und wir dachten, dass wäre Cox und so haben wir das auch bei der Bildbeschreibung auf der Website angegeben. Dann kam aber plötzlich noch ein dunkelhäutiger Typ in den Paddock, der ein gelbes T-Shirt anhatte und dann waren wir etwas verwirrt. Wer war denn nun Carl Cox? Der bei Kelly Ousbourne oder der andere? Also mussten wir einen Fotografen zu dem Typen mit dem gelben Shirt schicken, damit wir herausfanden, wer er war. Es war dann recht lustig, als wir herausfanden, dass der mit dem gelben T-Shirt Cox war und der bei Kelly war ihr Bodyguard.

Nur damit kommt man rein, nur damit weiß man oft, wer das eigentlich ist... - Foto: Sutton

Manchmal ist es eben doch recht schwierig, aber auch amüsant, die richtigen Namen für die Leute auf den Bildern herauszufinden. Das ist auch Teil des Fotografen-Berufs. Viele Fotografen machen es so, dass sie Nahaufnahmen der Paddock-Pässe machen, damit sie die Bildbeschriftung richtig haben. Mittlerweile kann man sogar auf der Kamera den Namen als Audio aufnehmen und es sich danach wieder abspielen, um sicher zu gehen.

Besonders viel Spaß schienen die Leute aber mit den neuen Outfits der Honda-Mitarbeiter zu haben. Ihre grünen Hosen sahen doch ein wenig "alarmierend" aus. Sie haben diesen grünen Weg eingeschlagen, was auch von uns allen Zustimmung fand, aber die Wahl der Teamkleidung war dann doch etwas zu auffällig für den Paddock. Es wurde viel darüber gesprochen, aber das wollen sie ja eigentlich auch. Sie wollen, dass man über sie und ihre Kampagne für die Umwelt spricht. Dass ich nun darüber schreibe, liegt wahrscheinlich genau in ihrer Absicht. Ich weiß nur nicht, ob das Design ihres Autos im Fernsehen funktioniert. Es soll ein grüner Planet sein, wobei es aber nur schwer zu erkennen ist, dass es wirklich ein Planet ist.

Am Eingang des Paddock gab es während des Wochenendes auch ein paar interessante Momente. Dort warten immer rund 50 Leute auf einer kleinen Tribüne, um Autogramme zu bekommen. Die Fahrer gehen auch meistens dorthin und unterschreiben. An einem Tag verließen die Fahrer gerade den Paddock und Fernando Alonso und Lewis Hamilton kamen genau gleichzeitig zu dieser Tribüne. Einer begann links mit dem Autogramme schreiben, der andere rechts. Einige von uns dachten gleich: "Verdammt, die werden sich in der Mitte treffen. Das wird ein gutes Bild."

Alte Bekannte in Melbourne. - Foto: Sutton

Wir haben also darauf gewartet, bis das passiert, andere haben währenddessen gar nicht mitbekommen, was los war und ich habe sie einfach aus dem Weg räumen müssen. Letztendlich ist es dann ein nettes Foto geworden, als sie sich in der Mitte trafen. Sie haben sich die Arme um die Schultern gelegt und Lewis tat so, als würde er auf Fernandos Shirt unterschreiben. Es war recht lustig, als sie da aufeinander trafen und miteinander ein wenig lachten. Das zeigte, dass es unter den Fahrern abseits des Fahrens und des Stresses doch auch so etwas wie Kameradschaft gibt. Sie haben schon auch eine gute Zeit miteinander, wenn sie nicht gegeneinander fahren.

Etwas Ähnliches zeigte sich am Mittwoch, als die Fahrer ihre Streckenbesichtigung machten. In Melbourne geschieht das immer am Mittwoch, weil am Donnerstag bereits die ganzen Rahmenserien unterwegs sind. Anthony Davidson und Takuma Sato sind auf die Strecke und ich habe sie bis zur ersten Kurve begleitet und habe verschiedene Einstellungen probiert; von unten, von oben, mit einer langen Linse und so weiter. Irgendwann meinte Davidson dann zu mir: "Gehst du die ganze Runde mit?" Ich meinte dazu, dass es keinen Sinn machen würde, die ganze Runde mitzugehen. Er entgegnete: "Du könntest den Unfall verpassen." Ich wunderte mich, welchen Unfall er meinen könnte und Anthony sagte nur: "Ich könnte über einen Kerb stürzen."

Eigentlich wäre ich ja gerne mitgegangen, aber ich wollte auch auf die anderen Fahrer warten. Fünf Minuten später kam Fernando Alonso vorbei. Deswegen sind die ganzen Bilder auch rund um die erste Kurve entstanden. Es hätte auch nicht wirklich Sinn gemacht, um den ganzen Kurs zu gehen, weil ich alle Fahrer erwischen wollte. Vielleicht wenn es Lewis gewesen wäre und er zum allerersten Mal die Strecke besichtig hätte, dann wäre ich mitgegangen. Man will aber eben alle Fahrer fotografieren und das geht nicht, wenn man mit zwei um die Strecke spaziert. Und Anthony ist glaube ich auch nicht gestürzt.

Ant und die gefährlichen Kerbs. - Foto: Sutton

Bei Super Aguri war die Stimmung ohnehin bestens, nachdem die ganzen finanziellen Sorgen durch Magma ein wenig ausgeräumt waren. Zwar wird die finanzielle Situation momentan noch geprüft, aber ich habe keinen Zweifel, dass alles durchgehen wird. Für das Team und die Fahrer war es aber eine große Erleichterung und sie werden durch diese große Investition sicher profitieren. Es kann sicher nicht schlechter werden, als es war und die Zukunft wird rosiger aussehen. Dieses Jahr werden sie zwar mehr oder weniger abschreiben können, aber im kommenden Jahr haben sie durchaus ein paar Möglichkeiten, wenn ein neues Chassis kommt und der Windkanal Fortschritte macht. Bei Force India wird es ähnlich sein. Sie haben jetzt eine große Investition, wollen ein paar gute Ergebnisse, wollen positives Feedback und im Qualifying auch einmal in Q2 vorkommen. Das sind ihre Ziele.

Bei einem Rennen wie in Australien hätten sie eigentlich auch nur durchkommen müssen und hätten ein schönes Ergebnis feiern können. Doch wie bei uns Fotografen kommt es nur darauf an, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Beispielsweise war da Ron Dennis, der aus dem Paddock kam und ein paar Autogramme schrieb. Dann war da dieser eine Typ, der dieses Dokument hatte, auf dem stand: "Ferrari 2008. Vertrauliche Dokumente". Er wollte, dass Dennis darauf unterschreibt, und Ron hat es sich nur angesehen und gelacht. Nach dem Rennen war Ron wieder unterwegs und Paul Stoddart stand gerade bei dem Mann mit den Dokumenten und ließ ein paar Bilder damit machen. Dennis ging nur vorbei und lachte wieder. Unterschrieben hat er aber nicht. Das war einfach diese Keckheit der Australier und es war auch nett, dass Ron es mit Humor genommen hat.

Neue Dokumente für Ron. - Foto: Sutton

Und dann war da noch die Sache mit David Coulthard. An jedem Wochenende hat Red Bull die Formula Unas im Fahrerlager. Neben dem Erlebnis Formel 1 werden sie über das Wochenende auch danach beurteilt wie sie sich verhalten und die Beste gewinnt. Sie wissen aber nicht, wer die Juroren sind, also ist es schon einmal angenehm, dass sie einfach zu jedem nett sind. Am Samstagabend hatten sie eine Fragestunde mit David und die zweite Frage war: "Was war das Peinlichste, das du je gemacht hast?" David dachte ein wenig nach und gab dann trocken zurück: "Zu früh zu kommen." Und das vor zehn Mädchen. Die sind gleich in Gelächter ausgebrochen, aber David blieb total ernst. Es war wie bei einer Comedy-Show.

Ihr Mark Sutton


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