Formel 1 / Hintergrund

Sie fahren wieder - Australien GP

Endlich wieder Formel 1. Keine Tests, keine Verschleierungstaktiken, echtes Racing - klare Kräfteverhältnisse. Ein Sieger.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Das erste Rennwochenende der Saison ist immer die Stunde der Wahrheit. Erst dann zeigt sich, wer wo steht respektive fährt. In Australien geht die Zeit der Spekulationen endlich zu Ende. Alle warten ungeduldig auf den Auftakt in Melbourne. "Ich kann den Saisonstart kaum noch erwarten", ist einer der häufigsten Sätze dieser Zeit. Gleich nach dem, was Stefano Domenicali exemplarisch für seine Zunft betont: "Wie immer müssen wir vorsichtig sein, wenn wir die Ergebnisse der Wintertests analysieren." Sprich: noch ist nicht klar, wer geblufft hat, wer wirklich schnell ist und wer nur Vorstandsrunden gefahren ist. Das erfahren wir erst in Melbourne.

Ich bin mir sicher, dass die Zuverlässigkeit in diesem Jahr den Unterschied ausmachen wird.
Kimi Räikkönen

"Egal wie, unser Auto scheint gut zu sein", lässt sich Kimi Räikkönen, ganz der Iceman, von solchen Spekulationen nicht beeindrucken. Wie gut der Ferrari ist, wird auch er erst - Sie ahnen es - in Melbourne sagen können. "Aber ich bin mir sicher, dass die Zuverlässigkeit in diesem Jahr den Unterschied ausmachen wird", sagt er. Im letzten Jahr war die Standfestigkeit die Achillesferse der Scuderia. Das gleiche redeten sich die Konkurrenten und Experten auch bei den Wintertests ein. Ob es wirklich so ist? Genau: abwarten und Melbourne anschauen.

Dort hat Kimi ein klares Ziel: er will seinen Vorjahressieg wiederholen. "Es ist immer besser, zu führen, als aufholen zu müssen." Schließlich hat man nicht jedes Jahr so ein Glück wie Kimi im Schlussspurt 2007. Die härteste Konkurrenz, so viel lässt sich trotz der Winterungewissheit sagen, fährt erneut in Silbern. "Mein Ziel ist der Sieg beim Saisonauftakt", kündigt Lewis Hamilton an. "Ob das gelingt, werden wir sehen." In Melbourne natürlich.

Sein Teamkollege Heikki Kovalainen geht es langsamer an. "Ich möchte ins Ziel kommen und mich im Verlauf des Jahres immer weiter steigern." Sein Boss Martin Whitmarsh traut ihm mehr zu. "Lewis und Heikki wollen in diesem Jahr beide Weltmeister werden", sagt er. "Lewis gehört diesmal zu den Favoriten, eine Folge seiner guten Ergebnisse 2007. Heikki hat sich im Team sehr gut eingelebt, er kommt mit allen gut aus und er hat die Fähigkeit, Rennen zu gewinnen."

Silber jagt Rot oder Rot jagt Silber? - Foto: Sutton

Die gleiche Fähigkeit schreibt Mario Theissen seinen Fahrern zu. "Unsere ambitionierte Zielsetzung für 2008 ist unverändert: Wir wollen in diesem Jahr die Lücke zur Spitze schließen und unser erstes Rennen gewinnen." Jetzt muss nur noch das Auto mitspielen. Bei den ersten Tests weigerte es sich noch, die Balance stimmte nicht. "Wir haben uns vom Roll-out in Valencia bis zum abschließenden Test in Barcelona gesteigert", hofft Nick Heidfeld auf das Beste. Wo man stehe, sehe man selbstverständlich erst in Melbourne. Mit einem Sieg aus eigener Kraft dürfte es allerdings noch nichts werden. Aber: "Im australischen Herbst kann es schon mal regnen," Dann wäre ein Überraschungssieg für den Regenfreund Heidfeld vielleicht im Bereich des Möglichen.

An den gleichen Strohhalm klammert sich Ex-Champion Fernando Alonso, der zurück bei Renault noch keine Wunder erwartet. "Ein Podium oder Sieg wird schwierig", gesteht er, "aber man weiß ja nie, es können viele Dinge passieren. Vielleicht regnet es, vielleicht gibt es Mischbedingungen und man kann für eine Überraschung sorgen." Wann immer sich eine Möglichkeit bieten sollte, Alonso wird bereit sein.

Unsere ambitionierte Zielsetzung für 2008 ist unverändert: Wir wollen in diesem Jahr die Lücke zur Spitze schließen und unser erstes Rennen gewinnen.
Mario Theissen

Aber nicht nur er. Auch Nico Rosberg und Williams bekamen etliches Lob nach den guten Wintertests. "Manche Leute glauben, dass wir nicht mit den Herstellerteams mithalten können", sagt Rosberg, "aber das ist nicht der Fall - wir können mithalten." Ferrari und McLaren sieht er vorerst allerdings außer Reichweite. Dahinter liegt das super enge Mittelfeld mit BMW Sauber, Renault, Williams, Red Bull und womöglich Toyota. "Unser Ziel muss es sein, in die Punkte zu kommen und um die Top-6 zu kämpfen", sagt Pascal Vasselon. "Aufgrund der Fakten ist das ein realistisches Ziel."

Viele Ziele, viele Vorhersagen, nur eine Wahrheit. Die gibt es aber erst in Melbourne. Am besten zog sich Red Bull aus der Affäre: sie sagten gar nichts, verschickten keine Vorschaustatements, sondern nur zwei Bilder ihres Autos. Wichtig ist eben auf der Strecke.


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