McLaren Mercedes ging als großer Favorit in das siebte Qualifying der Saison. Wer sollte den Silbernen die Pole wegschnappen? Keiner. Blieb noch die Frage zu klären: Alonso oder Hamilton? Die Antwort gab es erst mit der letzten Zieldurchfahrt nach Ablaufen der Zeit: Lewis Hamilton startet zum zweiten Mal in seiner Karriere von der Pole Position. "Ich bin selbst überrascht", strahlte der WM-Führende. "Zu Beginn des Qualifying hatte ich noch nicht das beste Setup und ich hatte Fernando schneller erwartet." Deshalb wusste Hamilton, dass er alles geben musste. "Die letzten Runden waren punktgenau, alles hat geklappt."

Hamilton steht wieder auf Startplatz 1. -, Foto: Sutton
Hamilton steht wieder auf Startplatz 1. -, Foto: Sutton

Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug war das "großer Sport" seiner beiden Fahrer. Denn neben Hamilton startet Fernando Alonso aus der ersten Reihe - zum dritten Mal in Serie. "Diese Konkurrenzfähigkeit ist positiv", freute sich Teamboss Ron Dennis. "Aber leider suchen die Medien immer nur das Negative, erfinden Verschwörungstheorien - sie schauen nicht auf das Positive", klagte er. "Das ist unser größtes Problem - wie wir mit den Medien fertig werden können." Die Konkurrenz hatte man in Indy erneut im Griff, auch wenn Fernando Alonso nicht ganz zufrieden war. "Das Qualifying ist nicht optimal verlaufen", sagte er. "Ich war in allen Sessions schnell, nur nicht als es in Q3 darauf ankam. Aber ich war das ganze Wochenende sehr gut und das gibt mir genügend Selbstbewusstsein. Im dritten Qualifying können viele Faktoren verantwortlich sein, ich bin zuversichtlich. Wir können gut abschneiden." Möglicherweise auch, weil Alonso etwas mehr Sprit im Tank hat. Andererseits machte er im Qualifying auch einige Fehler, immer wieder blieb ihm ein Rad stehen.

Die zweite Reihe ist ganz in Rot gehüllt: Felipe Massa startet vor Kimi Räikkönen. "Wir sind ein bisschen dichter dran, aber das reicht nicht", gab sich Massa angriffslustig. "Ich will ganz vorne stehen, nicht nur näher kommen." Dennoch: "Die 2. Reihe ist hier keine Katastrophe. McLaren wird sehr stark sein, das ist keine Überraschung. Deshalb müssen wir fighten bis zum letzten Meter."

In Reihe drei weicht der Farbcode erstmals ab: Nick Heidfeld hält die BMW-Fahnen als Fünfter hoch, aber neben ihm steht nicht Rookie Sebastian Vettel, sondern Heikki Kovalainen. Vettel startet dahinter von Rang 7 in seinen ersten Formel 1 Grand Prix. "Das war sehr gut. Sebastian hat seine Vorgabe komplett umgesetzt", analysierte Mario Theissen. "Er war ohne Fehler unterwegs, immer konzentriert und nicht verkrampft. Platz 7 ist ein optimales Ergebnis für ihn. Er steht auf einem Startplatz für den es im Endergebnis Punkte geben würde, wenn er den einen oder anderen Punkt mitnehmen würde, wäre das ein toller Einstand."

Das sieht auch Vettel so. "Es war sehr aufregend", so Vettel, der sich vor der Qualifikation noch einmal hingelegt hatte. "Ein bisschen mehr wäre vielleicht noch drin gewesen, aber schauen wir mal. Die schlimmste Nacht habe ich jetzt hinter mir, das war der Donnerstag auf Freitag, jetzt ist alles ein bisschen ruhiger, nachdem es bislang so gut gelaufen ist." Nur bei Nick Heidfeld lief es heute nicht ganz optimal. "Es wäre mehr drin gewesen, wir sind nicht ganz zufrieden", betonte Theissen. "Nick war auf Kurs auf P3 - vor den Ferrari, hat dann aber im letzten Sektor 4 Zehntel verloren." Deswegen landete er nur auf Platz 5. "Jetzt müssen wir versuchen am Start zumindest einen Ferrari zu bekommen. Das kann Nick schaffen."

Nur die beiden BMW Sauber-Piloten schafften den Sprung unter die Top10. Die anderen drei Deutschen scheiterten schon zuvor. Ralf Schumacher und Nico Rosberg gelang immerhin der Sprung in die zweite Session. Dort war jedoch als 12. und 14. Schluss. "Die Top-10 waren heute nicht möglich", sagte Rosberg. "Gestern hat sich das Auto noch besser angefühlt, aber ich hatte schon heute Morgen erste Schwierigkeiten." Selbst das gewonnene Teamduell freut ihn nicht. "Die Plätze 14 und 17 sind ein Desaster. Mit der Strategie kann man vielleicht noch etwas machen, aber es wird schwierig; andererseits kamen letztes Jahr auch nur acht Autos ins Ziel."

Ralf Schumacher verpasste den Sprung in die Top10. -, Foto: Sutton
Ralf Schumacher verpasste den Sprung in die Top10. -, Foto: Sutton

Darauf baut vielleicht auch Ralf Schumacher. "Punkte könnten drin sein", sagte er. "Die letzte Woche war für mich nicht repräsentativ. Ich bin ein bisschen stärker als gestern und relativ zufrieden." Auf der letzten Runde ließ er seine Flügeleinstellungen leicht verändern, bekam dadurch aber mehr Übersteuern. "Deshalb war meine letzte Runde nicht optimal."

Adrian Sutil schied erwartungsgemäß in der ersten Session aus. Sein Spyker ist noch immer zu langsam. Ein kleiner Trost: Sutil war wieder schneller als sein Teamkollege Christijan Albers und geht als 21. ins Rennen. "Es war nicht einfach, ich hatte kleine Verkehrsprobleme und Graining - es wäre mehr drin gewesen", sagte er hinterher.

Sehr viel verärgerter über sein Ausscheiden war Alex Wurz. "Ich bin sehr grantig", raunzte der Österreicher. "Der 1. Run war okay, ich habe mich wohl gefühlt. Im 2. Run war das Auto völlig anders, wir müssen schauen, was da los war." Wurz schied als 17. bereits in Session 1 aus. Wie in Montreal muss er von weit hinten ins Rennen gehen.

Das Qualifying im Überblick

1. Session
Zwischenfälle: Abflug Coulthard, konnte aber weiterfahren
ausgeschieden: Wurz, Sato, Liuzzi, Speed, Sutil, Albers
Top-6: Alonso, Heidfeld, Hamilton, Vettel, Massa, Räikkönen
Überraschungen: BMW wieder vor Ferrari; Wurz wieder raus; Toyota in letzter Sekunde drin
2. Session
Zwischenfälle: keine
ausgeschieden: Coulthard, Schumacher, Button, Rosberg, Barrichello, Davidson
Top-6: Alonso, Hamilton, Räikkönen, Massa, Heidfeld, Kovalainen
Überraschungen: Webber in Top10; kein Williams dabei; beide Honda ausgeschieden
3. Session
Zwischenfälle: keine
Top-6: Hamilton, Alonso, Massa, Räikkönen, Heidfeld, Kovalainen