Es dauerte bis 02:45 Uhr (20:45 Uhr MESZ) in der Nacht, ehe nach dem Formel-1-Qualifying in Singapur die Startaufstellung für das Rennen feststand. Denn erst zu dieser Uhrzeit veröffentlichten die Stewards in der letzten Untersuchung des Tages eine Entscheidung. Diese hatte ursprünglich wie ein eindeutiger Fall ausgesehen, wurde dann aber zu einem echten Marathon.
Am Ende von Q2 stand Nico Hülkenberg nämlich am Ausgang von Kurve 5 Carlos Sainz im Weg. Der Williams-Fahrer musste vom Gas gehen, was eigentlich nach klarem Impeding aussah - also dem Blockieren eines anderen Fahrers auf einer Push-Runde. Die Formel-1-Stewards stellten auch in ihrer Begründung unzweifelhaft fest, dass der Tatbestand vorlag.
Hülkenberg blockiert Sainz: Deshalb bekommt der Audi-Fahrer keine Strafe
Doch das Problem in dem Fall war der Zeitpunkt. Denn an der Audi-Boxenmauer war man der Auffassung, dass Sainz die Linie bereits nach dem Ablauf der Zeit überfahren hatte und tatsächlich vertraten auch die Williams-Ingenieure diese Ansicht, wie Sainz via Funk mitgeteilt wurde. Nur der Spanier hatte keine karierte Flagge gesehen, zweifelte deshalb an der Ansicht seines Teams und blieb bis Kurve 5 auf dem Gas.
Tatsächlich hatte Sainz recht, denn die roten Lichter auf der Startampel änderten erst ihre Farbe, nachdem er schon die Ziellinie passiert hatte. Der Grund, warum beide F1-Mannschaften anderer Ansicht waren, lag am Timing-System. Sowohl Audi als auch Williams setzen auf RaceWatch. Das ist eine in der Formel 1 weit verbreitete Software, die nicht nur die Informationen des klassischen Live-Timings wiedergibt, sondern aus diesem auch noch zusätzliche Daten herauszieht und weitere Informationen beinhaltet.
Im Formel-1-Qualifying von Singapur gab es offenbar zwischenzeitlich ein Synchronisationsproblem zwischen RaceWatch und der offiziellen Zeitnahme, wie nach der Session festgestellt wurde. Dieses Problem legten die Stewards zugunsten von Audi als außergewöhnlichen mildernden Umstand aus und verzichteten auf eine Strafe. "Da die Datenquelle, auf die sich das Team gestützt hatte, der offizielle Zeitnehmer war, war es nicht unangemessen, dass sich das Team darauf verlassen hatte", heißt es in der Begründung.
Der Prozess, dieses Synchronisationsproblem festzustellen, war auch der Grund, warum die Untersuchung so viel Zeit in Anspruch nahm. Bereits um 23 Uhr (17 Uhr mitteleuropäischer Zeit) waren Sainz und Hülkenberg mit jeweils einem Teamvertreter zur offiziellen Anhörung vorgeladen worden. Aber nachdem die Probleme mit der Zeitnahme offenkundig wurden, stattete Hülkenberg den F1-Rennkommissaren später noch einen zweiten Besuch ab, der bis 0:49 Uhr (18:49 MESZ) andauerte.
RaceWatch wird in der Formel 1 nicht nur als Livetiming verwendet, sondern findet auch noch viele weitere Anwendungsbereiche. Die FIA nutzt die Software beispielsweise, um Track-Limit-Verstöße zu erkennen; die Stewards verwenden sie für Ermittlungen bei Zwischenfällen. Neben dem offiziellen Livetiming ist RaceWatch auch mit über 120 Kameras rund um die Strecke und mit über 300 Sensoren pro Auto verbunden, und kann so etwa für das Messen von Reifendaten oder der Benzinflussmenge eingesetzt werden.
Hülkenberg behält Startplatz 11: Holt er in Singapur erneut Formel-1-Punkte?
Für die Startaufstellung beim Formel-1-Rennen in Singapur bedeutet der Freispruch, dass Nico Hülkenberg seinen zehnten Startplatz behalten darf. Keine unwichtige Mitteilung, denn auf dem Kurs im Stadtstaat ist Überholen äußerst schwierig und auch am Start lassen sich auf dem gerade einmal 250 Meter langen Weg bis zum ersten Bremspunkt nur schwer viele Plätze aufholen. Als Zehnter ist der Routinier in der idealen Position.
Punkte gab es für Hülkenberg und Audi an diesem Formel-1-Wochenende übrigens schon. Im Sprint landete der Emmericher auf der siebten Position. Wie es dazu kam und was er dazu zu sagen hat, könnt ihr in diesem Artikel herausfinden:



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