Es ist das Duell, über das im Moment die gesamte Formel 1-Welt spricht: Kimi Antonelli versus George Russell. In Kanada zeigten die beiden Mercedes-Teamkollegen ein packendes, 30 Runden langes Rad-an-Rad-Duell, das jäh durch einen technischen Defekt an Russells Boliden beendet wurde.

Vor dem Monaco GP führt Antonelli die Weltmeisterschaft nun mit 43 Punkten Vorsprung an - und dieses Polster will er unter allen Umständen verteidigen. "Ich bin so, wie ihr mich seht, und ich möchte meine Art nicht ändern. Aber auf der Rennstrecke ist das natürlich eine ganz andere Sache: Das Engelsgesicht gibt es nur abseits der Strecke. Denn die F1 ist ein Becken voller Haie, und entweder man frisst oder man wird gefressen", erklärte der 19-Jährige gegenüber der Gazzetta dello Sport.

Genau aus diesem Grund war der Start in seine Saison wichtig, um der Konkurrenz eine klare Botschaft zu senden. "Ich weiß, dass sie mich jetzt mit Respekt betrachten, weil ich gezeigt habe, wozu ich fähig bin. Ich versuche, eine klare Botschaft zu senden, weil ich vorne bleiben will, das ist das Ziel", so Antonelli, der am Wochenende mit dem prestigeträchtigen Trofeo Bandini ausgezeichnet wurde.

Neuer Mercedes-Krieg? Danner: Antonelli hatte Riesenschwein! (27:33 Min.)

F1-Saison 2016: Hamilton-Rosberg-Drama soll sich nicht wiederholen

Erlebt die Formel 1 2026 also eine Neuauflage vom berüchtigten Krieg der Sterne? Laut Antonelli ist die Antwort ein klares Nein. "Der Kampf mit Russell wird hart, aber wir wollen keine harten Auseinandersetzungen, die das Team in Schwierigkeiten bringen", betonte der Italiener. Über das interne Mercedes-Duell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg 2016 hat er sich mit Toto Wolff ausführlich ausgetauscht.

"Toto hat mir das Schöne, aber auch das Schlechte erzählt, was wir auf keinen Fall wiederholen dürfen. Denn das Team hat immer Priorität", so Antonelli. Bereits nach dem Kanada-Sprint, bei dem es erstmals zwischen den beiden Mercedes-Piloten hitzig geworden war, nahm sich Teamchef Toto Wolff seine Schützlinge zur Brust. Trotz der Explosivität des internen Duells hat er aber nicht vor, die beiden an die Kette zu legen.

Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve wanrt den neuen Mercedes-Star vor dem großen Einbruch.

"Wir sagen jungen Fahrern, die vom Kart in die Junioren-Formelklassen kommen, dass sie egoistisch sein müssen. Und dann wird man plötzlich in ein F1-Team versetzt und dann sagt dir jemand, dass du jetzt ein Teamplayer sein musst. Das kann man einem Fahrer nicht abgewöhnen, und ich würde es niemals einem Fahrer abgewöhnen wollen", so Wolff in Kanada.

Kimi Antonelli und Max Verstappen scherzen miteinander
Verstehen sich blendend: Antonelli und Verstappen, Foto: IMAGO/DeFodi Images

Antonelli & Russell: Keine best friends

Dass das Management dieses internen Fights sein Leben am Kommandostand deutlich härter macht, nimmt Toto Wolff bewusst in Kauf - ebenso wie die Tatsache, dass die Harmonie zwischen seinen Piloten im Titelkampf spürbare Risse bekommen wird. "Wird die Beziehung eine andere sein, wenn sie um eine Meisterschaft fahren? Auf jeden Fall, das ist zu erwarten. Aber es ist ja nicht so, dass wir es uns gemütlich machen und abends zusammen Karaoke singen gehen. Also ist es okay", meinte Wolff.

Auch Antonelli betont, dass er mit George Russell nicht zwingend "Best Friends" sein muss. Er pflegt seine engsten Freundschaften ohnehin mit anderen Fahrern im Paddock - allen voran mit Weltmeister Max Verstappen. "Mit ihm habe ich mich schon immer sehr gut verstanden. Wir reden über GT, über die F1, aber auch über das Privatleben, über unsere Sachen … letztendlich sind wir abseits des Fahrerlagers ganz normale Jungs", sagt Antonelli.

Mit MotoGP-Pilot Marco Bezzecchi pflegt er eine enge Freundschaft. Es verbindet sie nicht nur die gemeinsame italienische Heimat, sondern auch ein aktuelles Erfolgsgefühl. Antonelli war in Mugello live vor Ort, als Aprilia mit einem Doppelsieg eine Machtdemonstration zeigte. Bei der emotionalen Umarmung im Parc Fermé schwärmte Antonelli: "Du bist beeindruckend, wirklich beeindruckend."