Auch nach dem Update der Formel-1-Motorregeln vor Miami zeigten sich viele Fahrer skeptisch mit der aktuellen Power-Unit-Generation. Einige kritisierten bereits am Donnerstag, dass die gesetzten Schritte nicht ausreichend seien, und man mindestens für die restliche Saison wohl mit dem suboptimalen Paket leben müsse.

Doch wie schon an den ersten drei Grand-Prix-Wochenenden der F1-Saison verhallt die allgemeine Kritik am Regelpaket unter den Verantwortlichen größtenteils ungehört. Ganz im Stile von Stefano Domenicali, der im April in einer Reihe denkwürdiger Interviews betonte, dass er keine Probleme in der Formel 1 sehe, stimmen auch mehrere Teambosse in diesen Tenor ein.

Ferrari- und Audi-Teamchefs auf Linie mit dem Formel-1-Boss

Ferrari-Teamboss Fred Vasseur und Audi-Leiter Mattia Binotto stellten der F1-Generation trotz der anhaltenden Kritik von Seiten zahlreicher Fahrer und Fans ein gutes Zeugnis aus. "Insgesamt, wenn man sich die Rennen anschaut, dann boten diese für die Fans eine großartige Show. Wir hatten seit dem ersten Rennen viele Überholmanöver und enge Kämpfe, was nicht selbstverständlich ist, wenn man eine solche Diskrepanz beim Reglement aufweist", sagte Binotto.

"Unseren Fahrern gefällt das derzeitige Format", führt der Italiener als Gegenbeweis gegen den Konsens unter den Piloten an. Die beiden Audi-Fahrer zeigten sich in der bisherigen Saison tatsächlich vorwiegend positiv gegenüber dem aktuellen Reglement und teilten damit die politische Linie ihrer Marke, die sich bei den Verhandlungen über die Motor-Regeln in den letzten Jahren maßgeblich für das jetzige Paket mit einer beinahe 50/50-Verteilung zwischen Verbrenner und Elektro ausgesprochen haben soll.

Bei Ferrari befanden sich die Fahrer bisher durchaus auf einer kritischeren Linie. Vor allem, was die Qualifying-Probleme in den ersten drei Rennen anging, die mit den Adaptionen des Aprils gestoppt oder zumindest beschnitten sein sollen. Dem Renngeschehen gegenüber hatte sich Lewis Hamilton aufgeschlossen gezeigt, genauso wie nun auch sein Teamchef, der behauptet: "Wir hatten gute Rennen mit vielen Überholmanövern."

Fred Vasseur: Racing "Überhaupt nicht künstlich" - DRS war viel schlimmer

Fred Vasseur rezitierte die Formel-1-Linie in Bezug auf das exzessive Energie-Management, das für eine Reihe teils kurios anmutender Rennszenen verantwortlich war. "Manche haben das Gefühl, dass es zu künstlich ist. Aber für mich ist es viel weniger künstlich als DRS", so der Franzose. "DRS war ein Knopfdruck, heute ist es Energie-Management und dieses kommt von den Fahrern und vom Team. Es ist überhaupt nicht künstlich."

Williams-Teamchef James Vowles, der ebenfalls in der Pressekonferenz anwesend war, sorgte für den einzigen vorsichtigen Misston bei diesem Thema, indem er offen zugab: "Das ist meine persönliche Meinung, aber ich hätte schon gerne V8 zurück. Ich vermisse diese Tage." Als Teamboss eines Kundenrennstalls fällt diese Feststellung aber auch einfacher. Ansonsten zeigte er sich einer Meinung mit seinen beiden Amtskollegen: "Ich denke, wir haben immer noch ein großartiges Produkt."

Formel-1-Fahrer gegen das Reglement: Binotto meldet Zweifel an

Das Argument, dass die aktuelle Formel-1-Generation die Fahrer nicht mehr am Limit fahren lässt, will Mattia Binotto mit Verweis auf einen Punkt der Vergangenheit auch nicht gelten lassen: "Ich denke, in der Vergangenheit hatten wir viel Benzinsparen, auch da sind sie nicht voll am Limit gefahren."

"Es ist anders als in der Vergangenheit. Die Fahrer müssen sich anpassen und ein anderer Fahrstil ist erforderlich. Aber es ist noch immer die Formel 1 und es ist noch immer eine Challenge. Es ist noch immer ein Rennen, der Kampf auf der Strecke und der Kampf um die schnellste Runde im Qualifying", führte Binotto aus. Er meldete auch Zweifel an dem Umstand an, dass der Großteil der Fahrer kritisch eingestellt sei. Vasseur erinnert deshalb an den letzten Regelumbruch: "Einige waren sehr laut bei den Regeln von 2022, andere weniger. Das war bei jedem neuen Reglement noch so."

Update-Schlacht in Miami! Stürzen Ferrari & McLaren Mercedes? (21:08 Min.)