Kimi Antonelli avanciert mit seinem Sieg in Japan zum neuen Shooting Start der Formel 1. Der Erfolg war für den Mercedes-Fahrer an diesem Sonntag jedoch alles andere als ein Selbstläufer. Von der Pole Position erwischte er einen absoluten Horror-Start, der Gedanken an einen Sieg in weite Ferne rücken ließ. Der neue WM-Leader erwartet für diese Fehlleistung nicht weniger als eine Geißelung von Teamchef Toto Wolff. Seinen Triumph verdankt er vor allem dem für ihn glücklichen Safety Car durch den heftigen Unfall von Oliver Bearman.

"Er [Toto Wolff] freut sich ganz bestimmt, aber er wird mir für den Start auch in den Arsch treten. Und das verdiene ich auch", sagt Kimi Antonelli nach dem Rennen im Gespräch mit Jenson Button bei Sky Sports F1. Der Italiener fand sich nach seiner überzeugenden Pole Position vom Vortag im Rennen bereits nach wenigen Metern in einer gänzlich anderen Lage wieder. Nach der ersten Kurve lag er nur noch auf Platz sechs.

"Ich hatte beim Start die Finger nicht richtig an der Kupplung platziert. Das führte dazu, dass ich die Kupplung mehr kommen ließ, als ich sollte", erklärt der 19-Jährige, der beim unmittelbaren Erlöschen der Startampel zunächst gut wegzukommen schien. Nach wenigen Metern führte sein Lapsus an der Kupplung jedoch zu massivem Wheelspin. "Die Reifen waren auch etwas kälter und ich habe den verfügbaren Grip einfach überzogen. Die Reaktion war gut aber dann wurde ich sofort überholt."

"Der Start war verkorkst, aber diese Kinder lernen in der Fahrschule ja auch nur mit Automatik. Wir müssen ihnen noch beibringen, wie man die Kupplung langsam kommen lässt und nicht zu schnell", konnte Toto Wolff die Sache bei Sky Sports F1 schon wieder mit Humor sehen. Tatsächlich war aber nicht nur Teenager Kimi Antonelli betroffen. George Russell rutschte von der zweiten auf die vierte Position ab.

"Wir geben ihnen da nicht die einfachsten Tools. Unsere Starts waren bisher durchschnittlich und das müssen wir verbessern", stellt Wolff klar. Einen Teil der Verantwortung sieht er beim Start in Suzuka dennoch bei Antonelli: "In dem Fall hatte der Fahrer einen massiven Einfluss darauf, dass das Auto nicht wegkam. Wheelspin sieht gut aus, ist aber nicht schnell!"

Wütender Kimi Antonelli sieht Formel-1-Sieg entschwinden

Für Kimi Antonelli begann nach diesem Rückschlag ein anderes Rennen. "Ich kann es gar nicht sagen. Ich war sehr wütend", erklärt er seine erste Reaktion. Während George Russell sich einen Gegner nach dem anderen vorknöpfte und mit Oscar Piastri um den Sieg fuhr, steckte er im Verkehr fest. Zwischenzeitlich hatte er Charles Leclerc in der Schikane bereits für Platz vier überholt, doch auf der Start-und-Zielgeraden nutzte der Ferrari-Fahrer den Overtake für einen Konter.

"An Charles vorbeizukommen war schwierig, da wir zwei völlig unterschiedliche Deployments hatten. Es war schwer, die richtige Stelle für ein Überholmanöver auszumachen", so Antonelli, der zu diesem Zeitpunkt nur noch eine "eventuelle" Siegchance sah. Sein Glück war der Kommandostand von McLaren, der Lando Norris in Runde 17 als ersten Fahrer zum Boxenstopp holte. Ferrari reagierte daraufhin mit Leclerc. "Als er in die Box fuhr, war unsere Pace gleich viel besser."

Zweiter Formel-1-Sieg von Kimi Antonelli nicht nur Safety-Car-Glück

Der Game Changer folgte für ihn wenige Runden später - und zwar auf Kosten des Teamkollegen. George Russell hatte durch die Pitstops der Konkurrenz zwischenzeitlich die Führung übernommen, gefolgt von Antonelli. In Runde 22 kam er seinerseits zum Reifenwechsel. Wenige Sekunden später ereignete sich der kontroverse Unfall von Oliver Bearman in der Spoon Curve. Die Rennleitung reagierte mit dem Safety Car, wodurch Antonelli günstig stoppen konnte und beim Restart in Führung lag.

"Ich hatte mit dem Safety Car einfach Glück. Ich weiß nicht, wie es ohne ausgegangen wäre. Es wäre auf jeden Fall schwerer geworden", so Antonelli, der nach 52 Runden die Zielflagge mit 14 Sekunden Vorsprung auf Oscar Piastri sah. "Es war wirklich schön. Im zweiten Stint fühlte ich mich mit dem Auto sehr gut"."

Toto Wolff will die Siegfahrt auch deshalb nicht allein dem Glück zuschreiben: "Er hat sich im Rennen nach vorne gearbeitet, als es darauf ankam. Er war wirklich schnell und wir waren in der Lage, seinen Stint um eine Runde zu verlängern. Das hat dazu geführt, dass George's Rennen in die Binsen ging, und das hat den Unterschied gemacht."

Kimi Antonelli mahnt nach Formel-1-Siegen: Muss an Schwäche arbeiten

In der Weltmeisterschaft führt Kimi Antonelli nach drei von 22 Rennen jetzt mit 72 Punkten. George Russell steht bei 63 Zählern. Dass es ihm nach dem Premierensieg in Shanghai gleich wieder gelang, verleiht seinem Selbstvertrauen weiteres Momentum. "Das hat mir viel Last von den Schultern genommen. Ich bin entspannter und weiß um mein Potenzial, was sehr hilft. Ich fühle mich jedes Mal besser, wenn ich ins Auto steige", sagt er.

Doch anstatt jetzt an den WM-Titel zu denken, will er sich in den kommenden Wochen lieber mit seinen Starts beschäfitgen. "Ich kann ein paar Clutch Drops üben und ein besseres Gefühl dafür bekommen. Das ist dieses Jahr definitiv die Schwäche. Ich muss das verbessern, denn das kann dir hier ganz leicht einen Sieg bescheren oder dich einen kosten", mahnt der mit 19 Jahren, 7 Monate und 4 Tagen jüngste WM-Leader der Formel-1-Historie.