Das erste Wochenende der neuen Formel-1-Regeln ist geschlagen und Australien hinterlässt einiges an Gesprächsbedarf. F1-Experte Christian Danner sieht die Dinge nach einem teils turbulenten, teils problematischen Rennen in Melbourne von zwei Seiten. Es ist nicht alles schlecht, aber fast alles muss nachjustiert werden.
Action hat die Formel 1 in den ersten Runden des Rennens schließlich zuhauf geliefert, erinnert Danner im 'AvD Motorsport Magazin'. Nur entsprachen die bei genauerer Betrachtung sehr gut seinen Voraussagen zu diesem neuen Reglement. Bei dem hatte er vor der Saison die technischen Voraussetzungen erst einmal als "merkwürdig und seltsam" eingeschätzt.
"Der Umgang damit, was wir auf der Rennstrecke gezeigt bekommen, der ist überhaupt nicht merkwürdig und gar nicht seltsam, sondern genau das, was man von einem professionellen Formel-1-Fahrer und einem dazugehörigen Team erwarten kann", urteilt Danner jetzt nach Australien. Doch es gibt Probleme.
F1-Experte Christian Danner sieht Überhol-Taktieren wie in der Formel E
"Das waren keine echten Überholmanöver", stellt Danner unmissverständlich klar. "Das waren Überholmanöver, wie wir sie aus der Formel E kennen." Gerade in Sachen Action jetzt nicht unbedingt Weltuntergang, klar: "Ich bin ja ein großer Freund der Formel E. Ich habe unglaublichen Spaß an den Rennen."
Das Problem bei der Formel-E-Methode ist in Danners Augen aber, dass Fahrer und Teams den Großteil des Rennens mit Energie-Taktieren, mit Vorausplanen und so weiter verbringen. Dadurch sind Fahrer an unterschiedlichen Punkten dann schnell und langsam, und man überholt sich dabei in dieser Vorbereitungsphase, aber: "Das sind keine echten Überholmanöver gegen einen Gegner, der sich in irgendeiner Art zur Wehr setzt."
"Und so war es auch in Australien mit der Formel 1", meint Danner. "Wenn da einer kommt und 50 km/h mehr auf dem Tacho hat, dann brauchst du nicht mehr Zick-Zack fahren oder dich irgendwie mit der Linie verteidigen. Vergiss es. Da kannst du nur hoffen, dass du auf der nächsten Geraden wieder vorbeikommst, weil er dann den Batterie-Ladestatus dort, wo er ihn braucht, nicht mehr hat, um die Energie beim nächsten Mal für sich zu verwenden."
Danner: F1-Action nur durch Ingenieure? Probleme lösbar
So stimmt Danner da Fahrern wie Charles Leclerc zu, die nach dem Rennen meinten, dass beim Überholen in Australien gewisse traditionelle Prinzipien verlorengingen, allen voran Mut auf der Bremse. Wenn Fahrer aufgrund unterschiedlicher Batterie-Modi mit 50 km/h Unterschied aneinander vorbeifahren, dann hat das mit diesen Traditionen nichts mehr zu tun.
"Das strategische Element, und da bin ich jetzt ganz ehrlich, ist ein Software-Thema, was die Ingenieure lösen, bevor er überhaupt losfährt", sagt Danner. "Die Fahrer sind da nicht mehr verantwortlich. Die können zwar den Knopf drücken, haben dann gegen Ende der Geraden etwas länger Leistung und können unter Umständen überholen, aber es sind doch die Ingenieure, die sagen, was Sache ist, und die Software, die grundsätzlich da draufgeschrieben ist."
Für Danner genauso nicht ideal ist, dass dadurch überhaupt diese großen Geschwindigkeits-Unterschiede entstehen. "Ja dann auch nicht irgendwie im dritten Gang, sondern meistens ganz am Ende der Geraden im Bereich über 300. Das muss man sich einfach mal vor Augen führen, dass man da wahnsinnig viel Weg in kürzester Zeit zurücklegt. Das gefällt mir auch vom Sicherheitsstandpunkt noch nicht so ganz."
"Ich muss ganz ehrlich sein, ich hoffe sehr, dass die Ingenieure da eine Lösung finden, dass alles einfach nur funktioniert", fasst Danner schließlich zusammen. Dabei gibt er sich aber als klarer Optimist: "Wir alle wissen, wenn dann irgendwann alle diese Software auf einem Niveau haben, wo die Energieeinspeisung und auch das Ernten der Energie in einer Art abläuft, dass nicht mehr große Unterschiede bestehen, dann ist das problematische Element gelöst."
Nicht überall macht sich nach dem ersten Rennen großer Optimismus breit. Motorsport-Magazin.com-Redakteur Markus Steinrisser hat besonders bezüglich Qualifying und sportliche Ästhetik der neuen Formel 1 eine sehr harte Meinung:



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