Besser hätte die Formel-1-Saison für George Russell kaum beginnen können. Auf die Pole Position folgte in Melbourne ein überlegener Sieg und gleichzeitig unvermeidbar auch endgültig die Favoritenstellung auf den WM-Titel. Doch ein Erfolg ist Russell trotzdem nicht vergönnt: Die Krone für den besten Fahrer des Wochenendes. Nicht nur sein größter Gegner vom Sonntag, sondern auch ein Rookie stürzen Russell im Fahrerranking von Motorsport-Magazin.com vom Thron.
Bester Formel-1-Fahrer in Australien: Arvid Lindblad stiehlt allen die Show
Der Titel für den besten Piloten des Wochenendes in Australien-GP geht an den einzigen Formel-1-Neueinsteiger der Saison. Arvid Lindblad überzeugte sowohl die Leser als auch die Redaktion mit einer beherzten Punktefahrt an seinem ersten Rennwochenende, nachdem er schon auf Anhieb bis in Q3 vorgedrungen war.
Dass er in Q3 dabei hinter Liam Lawson blieb, wurde ihm verziehen. Vor allem auch deshalb, da das Team ein Steuerungsproblem dafür verantwortlich machte. Die Leser schenkten ihm mit einem Notenschnitt von 1,43 das Vertrauen, aus der Redaktion gab es ausschließlich Bestnoten. Charles Leclerc und George Russell hatten trotz ihres spannenden Duells zu Rennbeginn das Nachsehen.
Ein doch eher knapper teaminterner Sieg gegen Lewis Hamilton wurde dabei dem einen, kleine Ungenauigkeiten im Training (Frontflügel-Schaden, Probestart) dem anderen zum Verhängnis. Den Unterschied machten dabei ausschließlich die Leser, denn aus der Redaktion erhielt das komplette Trio nur Einser.
| Fahrer | Note | ||
|---|---|---|---|
| 1 | Arvid Lindblad | 1,22 | Ranking-Sieg im ersten GP |
| 2 | Charles Leclerc | 1,27 | Beste Note seit Mexiko 2025 |
| 3 | George Russell | 1,32 | Beste Saisonauftakt-Note seiner F1-Karriere |
Ausschließlich Bestnoten aus dem MSM-Büro gab es zwar auch für Gabriel Bortoleto, aber die Leser sahen die Vorstellung des Brasilianers beim ersten Audi-Rennen kritischer und verhinderten somit eine Podestplatzierung. Oliver Bearman wurde mit P5 für den Spitzenplatz im Mittelfeld und den klaren Sieg über Teamkollege Esteban Ocon belohnt.
Interessant wurde es bei Red Bull. Denn Isack Hadjar bezwang Max Verstappen mit weniger als einer Zehntelnote Vorsprung. Die Leser honorierten die Aufholjagd des Vierfach-Weltmeisters noch höher als die Qualifying-Show seines neuen Teampartners (1,97 zu 2,13). Doch in der Redaktion schlug das Pendel in die Gegenrichtung aus. Für den Niederländer war es die erst dritte Niederlage gegen einen Teamkollegen in den letzten zwei Jahren. Lewis Hamilton, Pierre Gasly und Lando Norris sicherten sich die letzten Punktepositionen.
Bevor wir zum unteren Ende der Skala kommen, müssen wir zunächst einmal klarstellen, welche Fahrer komplett aus der Wertung gestrichen werden. Denn gleich eine Reihe von Piloten konnte aufgrund von technischen Problemen oder aufgrund der Unwägbarkeiten ihres Autos keine Performance abliefern, die auch nur im Ansatz repräsentativ wäre. Deshalb gibt es für Nico Hülkenberg (Auto vor dem Start defekt), Carlos Sainz (kaum Fahrtzeit in Training & Qualifying) und die beiden Aston-Martin-Fahrer keine Noten.
Schlechtester Formel-1-Fahrer in Australien: Oscar Piastris Trauerspiel
Oscar Piastri bleibt eine Benotung nicht erspart, auch wenn er sich das wohl gewünscht hätte. Denn nach seinem bitteren und peinlichen Unfall auf dem Weg in die Startaufstellung hagelt es für ihn schlechte Noten. In der Redaktion geht die Spannweite von 4 bis 6, wobei Markus Steinrisser zur Höchststrafe greift. Die Leser urteilen etwas gnädiger, doch auch bei ihnen fällt der McLaren-Pilot mit 4,74 durch.
Vor dem Australier geht eine große Lücke auf, ehe Franco Colapinto und Valtteri Bottas mit Benotungen von 3,78 beziehungsweise 3,64 die Ränge 16 und 17 besetzen. Beiden wurden klare Niederlagen gegen ihre jeweiligen Teamkollegen zum Verhängnis, wobei Bottas im Rennen auch noch Pech hatte, als sein Cadillac einen Defekt erlitt.
| 16 | Valtteri Bottas | 3,64 | Unter dem Durchschnitt seiner letzten F1-Saison (3,39) |
|---|---|---|---|
| 17 | Franco Colapinto | 3,78 | Beste Note seit dem USA-GP 2025 |
| 18 | Oscar Piastri | 4,87 | Zweitschlechteste Note seiner F1-Karriere |
Härtefälle in Australien: Das sagen die Formel-1-Redakteure
Christian Menaths positiver Härtefall: Isack Hadjar
Das war ein toller Einstand für den Franzosen. Nach seinem Unfall beim Test hatte ich Angst, dass auch er schon früh in eine Negativspirale hineingeraten könnte. Aber er hat es geschafft, wie letztes Jahr nach seinem bitteren Abflug in der Einführungsrunde von Melbourne, einfach weiterzumachen. Mit Max Verstappen hat die Messlatte an diesem Wochenende gefehlt, aber Startplatz drei war eine Ansage.
Christian Menaths negativer Härtefall: Valtteri Bottas
Ja, es ist unfair. In diesem Cadillac kann man sicherlich nicht glänzen. Aber Sergio Perez war trotz mangelnder Vorbereitung in den Trainings trotzdem deutlich besser unterwegs. Waren es nur technische Probleme, die Valtteri Bottas im Qualifying und Rennen zurückhielten? Es ist schwer zu beurteilen, deswegen ist der Finne bei mir Härtefall auf Bewährung.
Florian Niedermairs positiver Härtefall: Arvid Lindblad
Was für ein Debüt! Wurde Arvid Lindblad vor seinem Formel-1-Einstieg noch ziemlich wenig Beachtung geschenkt, hat er diese spätestens jetzt schon verdient. Der 18-jährige Brite blieb bei seinem Einstand fehlerfrei und ohne Makel, was angesichts des teils chaotischen Getümmels keine Einfachheit darstellt. Schon in Training und Qualifying war er schneller als sein Teamkollege. Nur Q3 lief nicht nach Plan, was laut dem Team aber an einem Problem gelegen hat.
Florian Niedermairs negativer Härtefall: Liam Lawson
Normalerweise nehme ich nur ungern als Härtefälle zwei Teamkollegen, doch an diesem Wochenende mache ich eine Ausnahme. Einfach weil Liam Lawson nicht nur als Negativ zu Lindblad herhält, sondern vor allem weil er allgemein Rookie-würdig aufgetreten ist und scheinbar nicht dazulernt. Sich im Zweikampf gegen Sergio Perez in eine gute und sichere Position bringen beispielsweise würde zu den Lektionen dazugehören. Davor und danach hat er aber auch nichts getan, um sein Defizit des Starts auszugleichen.
Markus Steinrissers positiver Härtefall: Charles Leclerc
Das war wieder ein klassischer Leclerc. Wenn er einmal vorne ist, dann beißt er sich dort liebend gerne fest, und letztendlich ist es bloß Leclercs so schön grenzwertige Verteidigung gegen George Russell, die für die unterhaltsamen ersten Runden des Saisonauftakts verantwortlich war. Macht erst recht Laune, wenn sich der Hintermann gleich am Funk beschwert. Da kann sich Russell in einen Club aufnehmen lassen, in dem unter anderem auch schon Max Verstappen seit Silverstone 2019 Mitglied ist.
Markus Steinrissers negativer Härtefall: Oscar Piastri
Meine Kollegen haben Oscar Piastri teilweise entlastet, weil das Team einen ungewöhnlich starken Drehmoment-Schub eingestand, und so weiter, und so weiter. Dem halte ich noch einmal unmissverständlich entgegen: Nur ein anderer Fahrer crashte an diesem Wochenende, und Kimi Antonelli tat es auf einer Push-Runde. 20 andere Fahrer schafften es am Sonntag durch die Sichtungsrunden. Die Note Sechs gibt es deshalb, weil es für mich absolut unverzeihlich ist, es bei trockenen Bedingungen nicht einmal durch die erste dieser Sichtungsrunden zu schaffen. Das entwertet alles, was man an dem Wochenende sonst erreicht hat.
Alle Noten der F1-Redakteure zur Formel 1 in Australien
| Rennen | Fahrer | Menath | Niedermair | Steinrisser |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Russell | 1 | 1 | 1 |
| 2 | Antonelli | 3 | 3 | 3 |
| 3 | Leclerc | 1 | 1 | 1 |
| 4 | Hamilton | 2 | 2 | 2 |
| 5 | Norris | 2 | 2 | 2 |
| 6 | Verstappen | 2 | 1 | 2 |
| 7 | Bearman | 1 | 1 | 2 |
| 8 | Lindblad | 1 | 1 | 1 |
| 9 | Bortoleto | 1 | 1 | 1 |
| 10 | Gasly | 2 | 2 | 2 |
| 11 | Ocon | 3 | 4 | 3 |
| 12 | Albon | 3 | 2 | 3 |
| 13 | Lawson | 3 | 3 | 3 |
| 14 | Colapinto | 3 | 4 | 4 |
| 15 | Perez | 2 | 2 | 2 |
| 16 | Hadjar | 1 | 1 | 2 |
| 17 | Bottas | 4 | 3 | 3 |
| 18 | Piastri | 4 | 5 | 6 |
Wie gut war das Rennen der Formel 1 in Australien?
Über das Racing beim ersten Rennen der neuen Formel-1-Autogeneration scheiden sich die Geister. Nur wenigen Fahrern machte es in Melbourne Spaß, bei den Zuschauern vor den TV-Geräten kam der GP mit dem abwechslungsreichen ersten Stint hingegen gut an. Die Redaktion ging deutlich härter mit dem ersten GP der Saison ins Gericht, mit der Begründung, dass der Kampf um den Sieg nach der ersten VSC-Phase doch relativ schnell abflachte.
- Lesernote Rennen: 2,44
- MSM-Note Rennen: 3,33
- Gesamtnote Rennen: 2,89
So funktioniert das MSM-Fahrerranking
In der Formel 1 ist alles neu. Beim Fahrerranking bei Motorsport-Magazin.com bleibt hingegen alles beim Alten. Wie immer rufen wir euch direkt nach dem Zieleinlauf jedes Rennens im Formel-1-Liveticker dazu auf, eure Meinung zum Rennwochenende aller 22 Fahrer kundzutun und diese gemäß dem deutschen Notensystem (1 = Bestnote; 6 = schlechteste Note) zu bewerten und auch das Rennen zu benoten. Bis Montagmittag (bei nächtlichen Übersee-Rennen sogar länger) könnt ihr anschließend benoten.
Aus dem Mittelwert eurer Noten ergibt sich für jeden Fahrer eine Lesernote. Parallel zu euch benotet auch das Formel-1-Team mit Christian Menath, Florian Niedermair und Markus Steinrisser, die Leistungen aller Fahrer. Auch aus unseren Urteilen bilden wir einen Mittelwert - die MSM-Note. Die Gesamtnote entsteht im letzten Schritt durch den Mittelwert aus User- und MSM-Note zu gleichen Teilen. Bei Gleichstand im finalen Ranking entscheidet die beste Einzelnote.
Als kleines Extra liefert jeder Redakteur seine persönlichen Härtefälle des Wochenendes, indem er wählt und erklärt, welcher Fahrer ihm besonders aufgefallen ist. Einmal im positiven und einmal im negativen Sinn. Online geht das Gesamtergebnis immer um 18:00 Uhr am Tag nach dem Rennen.

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