Schon vor dem 1. Freien Training zum Australien GP gab es Version 2 der Pirelli-Vorschau. Das Dokument des Reifenherstellers geht an alle Teams und regelt die Einsatzparameter der Pneus. Grenzen für Luftdrücke, Sturzwinkel und Co werden darin definiert. Änderungen am Wochenende sind nicht unüblich - aber Änderungen bevor es überhaupt losgeht?
Eigentlich reagiert Pirelli, wenn es unvorhergesehene Belastungen gibt. Wenn die Autos zum Beispiel mehr Abtrieb als prognostiziert haben oder die Rundenzeiten zu schnell werden. Tatsächlich sind die Autos aber sogar langsamer als angenommen. Warum also die Änderungen?
Pirelli hat Angst vor Defekten an den Aktuatoren für die Flügelverstellung. 2026 dürfen die Flügel als Maßnahme zur Energieeinsparung immer aufgeklappt werden. In Melbourne gibt es fünf der sogenannten SM-Zonen (Straight-Mode), in denen die Flügel geklappt werden dürfen.
Reifendrücke in astronomischen Höhen
Durch geringeren Anpressdruck sinkt auch die Belastung auf die Reifen auf den Geraden. Rund 30 Prozent weniger Last müssen die Reifen dadurch auf den Geraden aufnehmen. Sollte der Verstellmechanismus aber aus irgendeinem Grund kaputtgehen, könnte das böse Folgen für die Reifen haben.
Aus diesem Grund hat Pirelli in Absprachen mit den Teams und der FIA die Reifendrücke nach oben geschraubt. Auf Vorder- und Hinterachse ging es um 1,5 PSI nach oben. Vorne sind nun mindestens 28,5 PSI vorgeschrieben, hinten 26 PSI.
Pirelli hat vor allem Angst vor Schäden am Frontflügel. "Wenn der Aktuator am Heckflügel ausfällt, ist das Performance-Defizit wohl so groß, dass man aufgeben muss", meint Pirellis Simone Berra. Ein kaputter Mechanismus am Frontflügel kostet zwar auch Performance, aber möglicherweise nicht so viel, dass man das Auto deshalb abstellt.
In der Formel 1 gab es seit Einführung des DRS immer wieder Mal Probleme mit dem Mechanismus, wirklich häufig traten sie aber nicht auf. Die Frontflügel sind allerdings anfälliger für kleinere Kollisionen. Bei manchen Teams befindet sich der Verstellmechanismus in der Nase, bei manchen direkt am Flügel.
Pirelli warnt: Luftdrücke können weiter steigen
Höhere Luftdrücke schützen die Konstruktion der Pneus. Es kommt zu weniger Deformation, die Konstruktion muss weniger arbeiten. Allerdings sorgen hohe Luftdrücke auch für weniger Auflagefläche und entsprechend für weniger Grip.
Obwohl die Mindestdrücke in Melbourne für Formel-1-Verhältnisse schon astronomisch hoch sind, ist der Sprung um 1,5 PSI noch verhältnismäßig gering, wie Berra meint. Auf Strecken, auf denen die Reifen stärker gefordert werden, könnten die Drücke als Sicherheitsmaßnahme um bis zu 3,0 PSI erhöht werden.



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