Mercedes blieb am Trainingsfreitag der Formel 1 in Australien unauffällig. Die Bestzeiten gingen an Ferrari und McLaren, während sich die vermeintlichen Favoriten mit der Verfolgerrolle begnügten. Im FP1 wurden George Russell und Kimi Antonelli von unerwarteten Herausforderungen ausgebremst. Der altbekannte Albert Park Circuit bot wegen der neuen Autos plötzlich unbekanntes Terrain. Am Nachmittag fanden die Silberpfeile den Anschluss an Pace-Setter Oscar Piastri. George Russell entging dabei einer Strafe für eine unbeholfene Boxengassen-Kollision.

"Wir hatten eine knifflige erste Session mit einigen Aufgaben und Kinderkrankheiten", so Mercedes-Teamvertreter Bradley Lord. "Ein paar unerwartete Dinge haben uns aus der Bahn geworfen. Das zeigt einfach, wie viel Arbeit wir über den Winter hatten und was für ein großes Projekt das ist. Es ist eine enorme Aufgabe, mit all den Veränderungen."

Im ersten Training belegten George Russell und Kimi Antonelli die Plätze sieben und acht, über eine Sekunde hinter der Bestmarke von Charles Leclerc. "Wir haben uns mit dem Harvesting und dem Deployment der Batterie abgemüht. Das erforderte unsere ganze Aufmerksamkeit, sodass wir erst viel später mit unseren Setup-Arbeiten beginnen konnten. Und als wir das dann taten, hatte das Auto enormes Untersteuern und wir hatten auch nicht die Zeit für einen Longrun", sagt Russell.

Australien für Formel-1-Autos 2026 eine neue Challenge

Der 5,278 Kilometer lange Albert Park Circuit gehört seit 2026 zum Formel-1-Kalender und wurde in dieser Zeit nur einmal modifiziert, wobei der Charakter der Rennstrecke stets erhalten blieb. Trotz der umfangreichen Erfahrungswerte stellten die Formel-1-Autos der Generation 2026 die Teams an diesem ersten Wettkampftag des Jahres vor neue Herausforderungen.

"Wir hatten ein paar Konfigurationsprobleme auf der Seite der Power Unit, deren Behebung einige Runs erforderte. Darüber hinaus war die Balance für keinen der Fahrer gut. Das wirkt sich auf die Kurvengeschwindigkeiten aus, was wiederum das Deployment beeinflusst", erklärt Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin.

"George war [mit der Balance] wahrscheinlich etwas glücklicher als Kimi", sagt Bradley Lord. "Das wirkt sich auch auf das Energy-Management aus, wo das Deployment arbeitet und wo du in bestimmten Kurven Vollgas fahren kannst, und wo du in anderen vom Gas gehen musst. Das wirkt sich dieses Jahr alles aus. Wir mussten das auf diesem Kurs heute erst alles lernen, nachdem wir zuvor in Bahrain auf vertrautem Terrain waren."

Mercedes kriegt in Melbourne die Kurve, George Russell entgeht Strafe

Am Nachmittag fand das Team wieder in die Spur. Auf Platz zwei war Kimi Antonelli mit einem Rückstand von zwei Zehntelsekunden der erste Verfolger von Oscar Piastri. George Russell sortierte sich als Dritter ein. "Die Power Unit lief wie erhofft und das Auto sprach nach ein paar Setup-Änderungen deutlich besser an", so Shovlin. "Das Auto fühlte sich mehr beisammen an und wir haben ein gutes Pensum an einzelnen Runden und Longruns absolviert", bestätigt Russell. Der Brite geht davon aus, dass Mercedes damit wieder im Soll liegt: "Das hat uns für den Rest des Wochenendes in eine anständige Position gebracht."

Nicht sofort in die Spur kam im zweiten Training jedoch George Russell. Zu Beginn der Session wollte er sich zwischen die wartenden Autos in der Fast Lane der Boxengasse einfädeln. In der Annahme, Arvid Lindblad würde ihm Vorfahrt gewähren, rollte er los, doch der Racing-Bulls-Fahrer wurde seinerseits von seinem Ingenieur angewiesen, loszufahren. Dabei touchierte er Russells Frontflügel, der die Kollision unbeschadet überstand. Von der Rennleitung gab es für den Mercedes-Fahrer im Nachhinein dennoch eine Verwarnung, da er sich in eine nicht vorhandene Lücke einfädeln wollte und dadurch den Kontakt verursachte.

Vierkampf um den Formel-1-Sieg in Australien erwartet

Für den Samstag stehen den Teams nun erstmals an diesem Wochenende repräsentative Daten für die Simulatorarbeit zur Verfügung, um den Einsatz der Batterie weiter zu optimieren. Nachdem im FP2 die ersten vier Teams in rund einer halben Sekunde lagen, erwartet Mercedes im Kreis der Favoriten alles andere als klare Verhältnisse.

"Es sieht nach einem engen Kampf zwischen den Top-Teams aus. Es wird nicht einfach, Ferrari, McLaren und Red Bull sehen alle stark aus", so Kimi Antonelli. Der im Vorlauf des Saisonauftakts häufig als Favorit genannte George Russell hofft auf eine ertragreiche Simulatornacht beim Team in Brackley: "Wir müssen über Nacht noch einen Schritt machen, wenn wir im Kampf um die Pole Position sein wollen."