Während im ersten freien Training Ferrari und Red Bull aufzeigten, meldete sich in der zweiten Session McLaren mit Oscar Piastri zurück. Vor gut gefüllten Tribünen im Albert Park markierte der Australier in 1:19,729 Minuten die schnellste Zeit, knapp dahinter landete das Mercedes-Duo Kimi Antonelli und George Russell. Weltmeister Lando Norris erlebte hingegen einen durchwachsenen Start in die Formel 1-Saison 2026.

Nach nur sechs Runden in FP1 meldete Lando Norris ruckartige Gangwechsel und bog in die Box ab. Kurz darauf kam er wieder auf die Strecke zurück, nur um nach einer Installationsrunde für den Rest der Session wieder in der Garage zu verschwinden. "Wir hatten bei Lando ein Problem mit der Kupplung", erklärte McLaren-CEO Zak Brown. Genauer gesagt war es ein Problem mit der Getriebesteuerung, die eine Reparatur des Getriebes notwendig machte. In FP2 kam er zwar auf 29 Runden, doch er war gezwungen, das Programm aus FP1 nachzuholen, und so spulte er zuerst einmal Qualifying-Simulationen ab.

F1-Weltmeister 1 Sekunde hinter Teamkollegen

Auffallend dabei: Norris kam nie bis auf unter eine Sekunde an Piastri heran. Er selbst führte seinen Rückstand auf die fehlenden Kilometer im ersten Training zurück: "Heute Morgen konnten wir aufgrund einiger Zuverlässigkeitsprobleme nicht so viel fahren, wie wir uns erhofft hatten. Deshalb liegen wir bei den abgespulten Kilometern und den gewonnenen Erkenntnissen ein wenig zurück. Unter diesen neuen Regeln ist die Zeit im Auto besonders wichtig, daher haben wir heute Abend noch einiges an Arbeit vor uns, um das aufzuholen." Gleichzeitig räumte er an, dass es ihm noch schwerfällt, seinen Ingenieuren präzise zu sagen, was er von dem MCL40 braucht.

"Das Auto ist so anders, dass es noch Adaption erfordert. Es wird wahrscheinlich ein Drittel des Jahres dauern – in der wir verschiedene Strecken, verschiedene Reifen, verschiedene Asphaltbeläge und verschiedene Wetterbedingungen gefahren sind - bis ich ein so präzises Feedback über das Auto geben kann, wie es letztes Jahr der Fall gewesen ist", meinte Norris. Auch Piastri blieb am Freitag von Problemen am MCL40 nicht verschont. In FP1 meinte er am Funk: "Irgendwas stimmt hier mit der Leistungsabgabe nicht."

Die Formel 1 ist 2026 komplett neu, und äußerst komplex. Was davon MUSS man in Qualifying und Rennen wirklich wissen? Die Basics erklärt, ohne komplexe kW-Formeln.

McLaren trotz Problemen optimistisch

Kurz zuvor rollte der McLaren-Pilot auf dem Albert Park Circuit im Leerlauf herum, erst nach einer halben Minute fand er wieder Vortrieb. Wie McLaren mitteilte, handelte es sich um Probleme mit der Kalibrierung der Power Unit, die im Verlauf der Session behoben werden konnten. "Der erste Tag ist geschafft", bilanzierte Piastri gewohnt nüchtern. "Wir haben viel gelernt. Insgesamt war es ein recht guter Tag. FP2 verlief reibungslos, das Auto verhielt sich mehr so, wie wir es erwartet hatten. Das war positiv."

Auch Rob Marshall beruhigte: "Es ist sehr schwierig, diese Autos und das Energiemanagement richtig hinzubekommen, aber wir sind in einer recht guten Position, was die Abstimmung des Autos angeht. Über Nacht werden wir nun prüfen, in welchen Bereichen wir weitere Fortschritte machen können." Zum Saisonauftakt in Australien reiste McLaren mit größeren Updates an. Die Geometrie des Heckflügels wurde überarbeitet. Der neue Hauptflügel und die Flap-Elemente sollen zusätzlichen aerodynamischen Abtrieb erzeugen, während die Effizienz erhalten bleibt.

McLaren-Heckflügel
Die Geometrie des Heckflügels wurde überarbeitet, Foto: IMAGO/PsnewZ
Unterboden am MCL26
Die Geometrie der Unterbodenkante wurde im Bereich der Hinterachse verändert, Foto: IMAGO/PsnewZ

Zusätzlich wurde auch die Geometrie der Unterbodenkante im Bereich der Hinterachse verändert. Das soll zu einer besseren Kontrolle der Strömung rund um die Hinterreifen führen und zielt darauf ab, den aerodynamischen Abtrieb des Unterbodens und des hinteren Fahrzeugbereichs zu verbessern. Ergänzt wurde es mit einer adaptierten Hinterachsverkleidung, die zu einer verbesserten Strömungsführung um die hintere Crashstruktur führt und dadurch die Performance des Diffusors verbessern soll.

Norris rechnet mit schwieriger F1-Saison

Auch wenn McLaren am Freitag nicht so konstant überzeugend wie Mercedes, Red Bull und Ferrari gewirkt hat, könnten sie dieses Wochenende ein Wort mitreden. "Es sehen dieselben vier Teams stark aus, die auch beim Wintertest stark ausgesehen haben. Ich glaube nicht, dass wir hier etwas gesehen haben, das uns glauben lässt, dass es anders wäre", meinte Marshall. Der Weltmeister sieht hingegen eine schwierige Saison und damit eine schwierige Titelverteidigung auf sich zukommen.

"Wir befinden uns in einer soliden Ausgangslage. Trotzdem wird es eine sehr lange Saison werden", so Norris. "Aber eine der wichtigsten Lektionen aus den letzten Jahren ist, dass wir uns von ein, zwei schlechten Rennen oder einem schlechten Start in die Saison nicht frustrieren lassen. Selbst, wenn wir nicht optimal starten, vertraue ich auf die Mannschaft, dass wir effizient weiterarbeiten und Verbesserungen erzielen werden, um später in der Saison Großes zu erreichen." 2023 gelang McLaren im ersten Halbjahr der Sprung vom Mittelfeld in die Spitzengruppe. 2024 war man ebenfalls mit Rückstand auf Red Bull und Ferrari gestartet, hatte aber ab der Sommerpause das wohl beste Auto.

F1 2026 Ausblick: Mercedes nicht überlegen - wer ist dran? (49:05 Min.)