Sehr verhalten startet McLaren in die neue Formel-1-Saison. Die ersten Testfahrten waren zwar solide, aber man fürchtet zumindest zu Jahresbeginn ein kleines Defizit zu Mercedes und Ferrari. Titelverteidiger Lando Norris lässt in Australien am Donnerstag aber absolut nicht daran zweifeln, was seine Mission für das neue Jahr ist.

"Ist jetzt nicht so, dass ich mehr Party gemacht oder mich entspannt hätte", beschreibt Norris seine Winterpause. "Ganz im Gegenteil. Nein, ich habe immer noch den gleichen Hunger. Ich denke, jetzt will ich es sogar noch mehr. Wie wenn du erst einen Sieg hast. Du willst noch ein Rennen gewinnen."

Mit der Weltmeisterschaft sei es das gleiche Gefühl, sagt Norris: "Die erste ist Wahnsinn, aber dann willst du eine zweite." Deshalb hat er sich im Winter auch sofort wieder an die Arbeit gemacht: "Momentan könnte ich mir unmöglich vorstellen, wieder raus auf die Strecke zu gehen und etwas anderes tun zu wollen als alles, was geht, um zu gewinnen. Ich würde mich schämen, wenn das der Fall wäre."

"Wenn diese Zeit kommt, dann werde ich zurücktreten und mich aus der Formel 1 verabschieden", stellt Norris klar. Davon ist er heute noch weit weg: "Bis dann werde ich alles tun, was ich kann, um zu gewinnen. Und auf jeden Fall will ich das jetzt noch mehr, nachdem ich im Vorjahr den Titel geholt habe."

McLaren-Saisonstart mit Rückstand? Lando Norris vertraut aufs Team

Dass McLaren die Saison mit leichtem Rückstand beginnt, beunruhigt Norris auf seiner Mission da überhaupt nicht: "Ich denke nicht, dass wir auf dem falschen Fuß beginnen. Selbst wenn du Zweit-, Dritt- oder Viertschnellster bist, ist das nicht auf dem falschen Fuß. Das ist immer noch ein guter Startpunkt."

"In den letzten Jahren, als es schwieriger war, sich im Saisonverlauf zu verbessern, haben wir bewiesen, dass es ging", erinnert Norris. 2023 hatte McLaren im ersten Halbjahr sogar einen riesigen Schritt vom Mittelfeld in die Spitzengruppe geschafft. 2024 war man mit etwas Rückstand auf Red Bull und Ferrari gestartet, hatte aber ab der Sommerpause das wohl beste Auto.

2026 sollten solche Sprünge potenziell einfacher sein, weil die neuen Regeln noch nicht so ausgereift sind und Updates oft gigantisches Potenzial freisetzt. Die letzten Jahre haben Norris' Vertrauen ins Team da nur gefestigt: "Wenn wir nicht den bestmöglichen Start haben, dann werden wir trotzdem so effizient wie möglich arbeiten, um Upgrades und große Dinge später im Jahr zu liefern und die Wende zu schaffen."

F1 2026 Ausblick: Mercedes nicht überlegen - wer ist dran? (49:05 Min.)

Plan für Lando Norris? Messlatte unerreichbar hoch ansetzen

"Daran werde ich weiter glauben, und wenn ich aus dem letzten Jahr etwas gelernt habe, dann dass du wegen einem schlechten Rennen, zwei schlechten Rennen oder einem schlechten Saisonstart nicht zu frustriert sein solltest", streicht Norris hervor. Im Vorjahr hatte er auf dem Weg zum Titel innerhalb von fünf Rennen schließlich 34 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen Oscar Piastri aufgeholt.

Ist es in Sachen Mindset vielleicht sogar ein Vorteil, wenn man 2026 als Jäger eröffnet? "Ich denke, die Mentalität von uns als Team ist immer, dass wir die Jäger sind, um das Maximum rauszuholen", winkt Norris ab. "Das ist auch die beste Mentalität für mich selbst. Die Latte so hoch anzusetzen, dass du nie happy bist."

Pure Anspannung war in den letzten Tagen für Norris trotzdem nicht angesagt. Kurz ließ er sich doch auf etwas Spaß ein, besuchte seinen Freund - und Rallye-WM-Piloten - Oliver Solberg in Schweden und ließ es auf Schnee und Eis mit diversen Autos krachen, von Rallye-Boliden bis zu einem alten Volvo-Kombi: "Als ich aufgewachsen bin, vor der Formel 1, war auch Richard Burns [Rallye-Weltmeister 2001] mein Idol. Rallye. Subaru."

"Für Rallyeautos und Volvos brauchst du einen ganz anderen Fahrstil, aber hat richtig Spaß gemacht", so Norris. Unter seinen WM-Rivalen ist die Stimmung vor dem Auftakt in Australien aber allerorts gut. Lewis Hamilton ließ am Donnerstag wissen, er fühle sich wie 18. Mehr von Hamilton gibt es hier: