Die Formel 1 startet in den Saisonauftakt in Australien und alle Augen sind auf die vier Topteams gerichtet. Wer setzt sich durch? Schon vor den Testfahrten hatten sowohl Wettbüros als auch Experten eine klare Antwort darauf: Mercedes. Die Silberpfeile und George Russell werden als die großen WM-Favoriten gehandelt. Doch die bemühten sich, die Aufmerksamkeit weg von sich und auf die Konkurrenz zu lenken – besonders auf Red Bull. Vor dem Wochenende in Melbourne schiebt Russell den Schwarzen Peter wieder seinem größten Rivalen zu.

"Von unserer Seite gab es kein strategisches Poker", verneinte Russell jegliches Performance-Versteckspiel bei den Bahrain-Tests. "Wir waren immer konstant mit unseren Plänen während der zwei Wochen, konstante Benzinmengen und Motoren-Level. Wir haben unsere Pläne nicht verändert, egal, ob wir stark oder schwach ausgesehen haben."

Ein Team hätte das jedoch sehr wohl gemacht. "Red Bull war verdächtig langsam beim zweiten Test. Wir hatten sie nach dem ersten Test als schnellstes Team im Verdacht. Doch laut unseren Daten waren sie beim zweiten Test sieben Zehntel langsamer als davor", merkte Russell an. "Ferrari und wir wurden mit einigen Upgrades ein paar Zehntel schneller. Ich verstehe nicht, wo sie in einer Woche sieben Zehntel verloren haben."

Wen sieht George Russell als seine größten WM-Rivalen?

Trotzdem sieht der Mercedes-Pilot Red Bull an der Spitze der Hackordnung – und damit auch Max Verstappen. Den vierfachen Weltmeister sowie Ferrari-Pilot Charles Leclerc schätzt Russell als seine größten Herausforderer für die kommende Saison ein. Seinen alten Teamkollegen Lewis Hamilton sowie die beiden McLaren-Fahrer hat er nicht auf der Rechnung. Er warnt aber auch vor Übermut und voreiligen Schlüssen, schließlich ist noch keiner einen Grand Prix gefahren.

"Wir werden als Favoriten gehandelt, weil alle vermuten, dass wir einen guten Motor haben. Aber McLaren hat den gleichen Motor und hat es dazu in den letzten Jahren besser hinbekommen, ein gutes Chassis zu bauen. Die Reglementänderung ist eine große Chance für alle", rief Russell in Erinnerung. Die gute Mercedes-Basis will sich der Brite nicht zu Kopf steigen lassen, er wolle nicht Ferraris 2022er Saison wiederholen. Die Roten galten nach den ersten Rennen als die Top-Anwärter für die Weltmeisterschaft, nach einem Performance-Abfall zur Saisonmitte war Red Bull mit beiden Titeln abgerissen.

Darum will er sich vom Resultat in Australien in keine Richtung ziehen lassen. "Ich glaube, wir werden in den ersten Rennen vorne dabei sein. Aber das Entwicklungstempo wird so schnell sein, dass ich es nicht darauf ankommen lasse, ob wir ein gutes oder ein schlechtes erstes Rennen haben. Es gibt 24 Rennen, da gibt es viele Möglichkeiten", so der WM-Favorit.

Moral hoch, Paket top: Mercedes versteht Auto endlich

Die Weichen für eine erfolgreiche Saison 2026 sind jedoch gestellt. Die Stimmung bei den Silberpfeilen scheint mehr als positiv. "Die Moral ist hoch, das hat aber nichts mit unseren Rundenzeiten zu tun, sondern damit, dass wir das Auto viel besser verstehen als in den letzten vier Jahren", erklärte Russell. Die letzten Mercedes-Boliden waren allesamt Überraschungseier, wie Teamchef Toto Wolff den letztjährigen W16 nannte. Oft verstand das Team selbst nicht, warum man gut oder schlecht war. Für jede Annahme, beispielsweise dass man gut bei kalten Temperaturen ist, gab es Ausnahmen.

"Upgrades haben nicht wirklich funktioniert, die Korrelation mit dem Simulator war nicht gut. Aber jetzt haben wir all diese Boxen abgehackt. Die Upgrades, die wir nach Bahrain gebracht haben, haben so funktioniert, wie wir es erwartet haben. Alles passt gut zusammen. Der Motor und das Auto sehen stark aus. Kimi [Antonelli, Anm. d. Red.] und ich sind sehr glücklich mit dem Handling", freute sich Russell.

Obwohl er der Titelfavorit ist, hat sich der 28-Jährige nicht anders auf die kommende Saison vorbereitet. "Ich werde es immer noch gleich wie in den letzten Jahren machen und das absolute Maximum aus unserem Paket herausholen", verkündete Russell. Ob er das schafft? Viele aus der Motorsport-Magazin.com-Redaktion trauen ihm den Titel zu. Alle Prognosen unserer Redakteure könnt ihr euch hier anschauen:

8 Brennpunkte F1 2026: Wer wird Weltmeister - und wer hört auf? (26:54 Min.)