Alles ist 2026 neu in der Formel 1, und das wirft vor dem Saisonstart besonders in einem Bereich viele unbeantwortete Fragen auf: Wie fahren sich die neuen Intermediates und Regenreifen? Die Test-Limits machen es für Einheitslieferant Pirelli stets schwierig, ihre Produkte im Nassen zu überprüfen. Das führt nun zu einem kühnen Plan.

Das Testen der Regenreifen ist durch zahlreiche Beschränkungen seit jeher ein großes Problem. Dabei geht es nicht nur um die Tatsache, dass das Reglement nur eine beschränkte Anzahl an Reifentests pro Jahr vorschreibt. Viel größer: Regen-Tests kann man nur auf Strecken planen, welche man auch effizient bewässern kann.

Da verbleibt man üblicherweise bei den französischen Ex-F1-Kursen Paul Ricard und Magny-Cours, oder der Ferrari-Teststrecke in Fiorano, erklärt Pirelli-Sportchef Mario Isola. Leider ist keine dieser Strecken aktuell im Kalender. Für Slick-Tests bleibt Pirelli zusammen mit ausgewählten Teams üblicherweise einfach in der Woche nach einem Grand Prix etwas länger. Für Regen-Tests müssen aber Teams mitten im dicht gedrängten Terminkalender Test-Mannschaften nach Frankreich verschiffen.

Bahrain verblüfft Pirelli mit Regen-Test-Vorschlag

Man würde also die neuen Produkte gerne mehr testen, aber wie? Die Teams bauten ihre Autos und reisten direkt zum Shakedown nach Barcelona. Dort regnete es an einem Tag sogar, aber die Daten bringen wegen der einstelligen Temperaturen wenig, fürchtet Isola: "Sie bekamen den Intermediate nicht ins Arbeitsfenster, aber ich denke, das lag am Wetter. In den Entwicklungstests hatten wir nie Aufwärm- oder Performance-Probleme."

Lewis Hamilton im Ferrari SF-26 in der Boxengasse beim Formel-1-Shakedown (Test) in Barcelona (Spanien)
Am zweiten Test-Tag in Barcelona war es nass, Foto: Scuderia Ferrari

Um mit den fertigen Inters und Regenreifen nun schnell noch an bessere Daten zu kommen, stellte Isola bei einem Telefongespräch mit Personal des mitten in der Wüsten liegenden Bahrain International Circuit daraufhin eine kurios anmutende Frage: "Ich sagte: Was wäre, wenn wir einen Regen-Test in Bahrain planen würden? Und sie meinten klar, sicher, können wir."

Und jetzt nimmt der Plan tatsächlich Form an, am letzten Februar-Wochenende vor dem Saisonstart auf einer bewässerten Strecke in Bahrain McLaren und Mercedes mit umgebauten Testträgern der Ground-Effect-Generation die neuen Regenreifen testen zu lassen. "Ich bin zuversichtlich, da die Strecke eine Idee hat, wie man den ganzen Kurs nass macht, nicht nur mit Tanklastern", meint Isola.

Stattdessen habe man "eine fantastische Idee mit Sprinklern und anderen Geräten." Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Strecke konstant nass ist und es auch bleibt: "Das Risiko ist ganz klar ein unausgeglichenes Wasser-Niveau, welches dann den Unterschied zwischen den Reifen übertünchen würde."

F1 2026 – Bahrain-Bilanz: Tops und Flops der Testwoche (48:53 Min.)

Bahrain-Test perfekt für Pirelli - wenn der Regen klappt

Für Pirelli wäre es ein Traum, möglichst bald noch mehr Daten zu den neuen Intermediates und Regenreifen zu bekommen. "Ich muss schon sagen, die Leute in Bahrain sind immer sehr entgegenkommend, wenn wir seltsame Bitten haben", meint Isola. "Wenn sie das ordentlich hinbekommen, haben wir die Chance auf einer die Reifen stark belastenden Strecke im Nassen zu testen. Das passiert nicht oft."

Denn insgesamt will Pirelli jeden Regen-Kilometer, den man kriegen kann. Im Vorjahr dachte man etwa eine dritte Version der Regen-Pneus an, eine Art "Super-Intermediate" mit einfachem Profil. Bei nur drei geplanten Regen-Tests im Jahr sind große Neuentwicklungen aber fast unmöglich: "Drei verschiedene Produkte in drei Sessions testen, das ist nicht viel Fahrtzeit. Und wir müssen die Richtung verstehen."

Auf dem Papier sollten die 2026er-Reifen jedenfalls ein Schritt vorwärts sein. Sie sind ohnehin schmaler, und auch weniger Abtrieb vom Unterboden hilft separat von den Reifen mit dem Reduzieren der Gischt. Außerdem versuchte Pirelli den Übergangs-Punkt zwischen Intermediate und Full Wet zu reduzieren, damit der Full Wet schon früher sinnvoll nutzbar wäre.

"Momentan kann aber niemand was sagen", weiß Isola. "Ich will jetzt nicht sagen, dass ich auf Regen in den ersten Rennen hoffe, aber es wäre interessant für uns, gleich Infos zu bekommen, um die Richtung für zukünftige Entwicklungen zu definieren."