Ein wenig kommt man sich in der Launch-Saison der Formel 1 vor wie bei X-Factor. Sie fragen sich, ob dieses Bild echt ist? Bei den Präsentationen kommen die Teams mit allerhand Fakes um die Ecke. Alpine machte sich die Mühe, das Standard-Showcar mit eigenen Elementen aufzuwerten, Audi zeigte nur das Showcar und im Hintergrund eigentlich unveröffentlichte Renderings.

Während manche Teams noch gar nichts gezeigt haben, gibt es aber schon die ersten Autos auf der Strecke. Weil Audi, Cadillac, die Racing Bulls, Alpine, Mercedes und Ferrari aber private Filmtage oder Shakedowns abhielten, gibt es nur sehr begrenztes Fotomaterial.

Trotzdem lassen sich schon ein paar interessante Trends erkennen. Zum Beispiel, dass der Pushrod an der Vorderachse zurückkommt. Im letzten Regelzyklus wechselten fast alle Teams aus aerodynamischen Gründen vorne auf Pullrods. Der Trend kehrt sich um. Von den bislang gezeigten Autos setzen nur der Cadillac und der Alpine auf Pullrods.

Seitenkästen auch 2026 Formel-1-Spielwiese?

2022, zu Beginn des letzten Reglements, unterschieden sich die Autos vor allem bei den Seitenkästen. Das könnte sich 2026 wiederholen. Bislang sind schon zwei unterschiedliche Philosophien zu erkennen.

Arvid Lindblad im VCARB 03 in Imola
Am Racing Bull führt der Seitenkasten ganz nach unten, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Der Racing Bulle, Alpine und Cadillac (und auf Renderings auch Red Bull und Haas) setzen auf Rampen. Dort wird die Luft an der Oberseite der Seitenkästen nach unten aufs Diffusor-Dach geführt. Bei Mercedes und Ferrari konnte man allerdings andere Lösungen sehen.

Rendering des W17
Auf den Renderings ging der Mercedes-Seitenkasten noch nach oben, Foto: Mercedes-AMG
Technik-Detail am Mercedes F1 W17 für die Formel-1-Saison 2026
Beim echten Auto führte der Seitenkasten nach unten - bis zum Undercut, Foto: Mercedes/Motorsport-Magazin.com

Besonders interessant ist Mercedes. Am Vormittag verschickte man Computer-animierte Bilder, am Abend kamen dann echte Fotos. Und die unterschieden sich an den Seitenkästen deutlich. Die Badewannen-Seitenkästen gab es nur virtuell, aber auch die echten Seitenkästen bildeten keine Rampe bis zum Unterboden.

Stattdessen sind die Seitenkästen von vorne bis hinten unterschnitten. Ganz ähnlich sieht es bei Ferrari aus. Der Clou scheint sich dahinter zu verbergen: Bei genauem Blick fällt ein Ausschnitt an der Seitenwand des Diffusors auf.

Technik-Detail am Ferrari-Formel-1-Auto SF-26 für die Saison 2026 am Diffusor
Die Seitenwand des Diffusors hat eine kleine Öffnung, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire/Motorsport-Magazin.com
Technik-Detail am Ferrari-Formel-1-Auto SF-26 für die Saison 2026
Die Luft wird zwischen Deflektor und Diffusor geleitet, Foto: Ferrari/Motorsport-Magazin.com

Eigentlich versuchen die Aerodynamiker diesen so sensiblen Bereich immer besonders gut von den Verwirbelungen der Hinterreifen abzuschirmen. Hier scheinen sie die Luft, die unter den Seitenkästen um das Auto herumgeleitet wird, explizit in den Diffusor zu leiten.

Abgase können nicht mehr für Aerodynamik genutzt werden

In den 2000er Jahren wurden Abgase gezielt genutzt, um die Luft im Diffusor zu beschleunigen und später, den Diffusor seitlich zu den Hinterreifen abzudichten. Seit der Einführung der V6-Motoren ist das auch über Tricks wie den Coanda-Auspuff nicht mehr möglich, weil es nur noch ein zentrales Auspuffrohr gibt, dessen Position genau definiert ist.

Für Detailaufnahmen des Diffusorbereichs ist wohl noch etwas Geduld gefordert. Beim Shakedown in Barcelona sind nur Team- und Formel-1-Fotografen zugelassen. Das Interesse an Technik-Fotos für die Öffentlichkeit ist bei denen eher begrenzt.

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