Nach dem Formel-1-Launch von Ferrari in Maranello ging es am Freitag wie bei der Scuderia üblich direkt auf die Teststrecke in Fiorano für einen ersten kurzen Shakedown der roten Göttin. Für Lewis Hamilton begann damit sein zweites Jahr in Rot, nachdem er in seiner ersten Saison bei den Italienern eine emotionale Achterbahnfahrt mitgemacht hatte. Von einer Aufbruchsstimmung, über einen Sprint-Sieg bereits am zweiten Rennwochenende, bis hin zu einem nahezu besorgniserregenden Tief am Saisonende, bei dem die Winterpause für ihn nicht schnell genug kommen konnte.

In nur etwas mehr als einem Monat seit dem Ende der abgelaufenen Saison scheint Hamilton aber wieder ausreichend Energie und Zuversicht getankt zu haben. Denn nach der ersten Ausfahrt mit dem SF-26 am Nachmittag in Fiorano wirkte der Brite wie ausgewechselt und konnte seine Vorfreude, dass es endlich wieder losgeht, kaum im Zaun halten.

Vorfreude auf Ferrari-Shakedown: Lewis Hamilton erlebt schlaflose Nacht

"Ich finde ehrlich gesagt keine Worte, um meine Begeisterung auszudrücken", sagte Hamilton. "Ich konnte letzte Nacht nicht einmal schlafen, weil ich wusste, dass heute der Tag gekommen ist. Die letzten Tage waren so aufregend, zu sehen, wie das Auto entsteht, in der Garage zu sein und die ganze harte Arbeit zu sehen, die da hineinfließt", erklärte er weiter.

Für Hamilton ist es nicht nur der Start in ein neues Jahr mit Ferrari, es ist auch der Start in eine komplett neue Ära in der Formel 1. In dieser wird der Rekord-Weltmeister endlich die ihm so verhassten Ground-Effect-Autos los, mit denen er sich in den vergangenen vier Jahren abplagte und mit denen er nur selten für Glanzmomente sorgte, dafür aber zeitweise umso mehr mit seinem Rücken an ihnen litt.

Hamilton war auch der erste Fahrer, der den SF-26 in Fiorano steuern durfte, was er als eine große Ehre empfand. An ein Gefühl hat sich der 104-fache Grand-Prix-Sieger jedenfalls noch nicht gewöhnt. "Wenn die Tür aufgeht und man zum ersten Mal runter in Richtung Kurve 1 fährt, dann sieht man die ganzen Tifosi. Das ist ein sehr emotionales Erlebnis", staunte er und betonte die Bedeutung dieses Moments: "Alles fühlt sich so neu an. Es ist ein richtiger Neuanfang."

Kein Defekt bei Ferrari-Shakedown: Deshalb blieb das Auto stehen

Dabei lief für Ferrari alles nach Plan. Auch wenn das von außen für einige Beobachter rund um die Teststrecke der Scuderia vielleicht nicht so aussah. Denn nach Hamiltons Run blieb der Ferrari SF-26 einfach mitten auf der Strecke stehen, weshalb viele Ferrari-Anhänger schon einen Defekt befürchteten. Insbesondere in den sozialen Medien, wo Aufnahmen des Vorfalls häufig in diesen Kontext gesetzt wurden.

Die Befürchtungen kamen zu Unrecht, denn dieser Stopp war von vornherein geplant gewesen, um beim Fahrerwechsel von Hamilton zu Charles Leclerc keine Test-Meter zu verschenken. Bei einem Demonstrational Event, als welches der Shakedown klassifiziert ist, ist nämlich nur eine Maximal-Distanz von 15 Kilometern erlaubt. Die Pista di Fiorano ist minimal kürzer als drei Kilometer, weshalb man nur auf diese Art fünf Runden absolvieren konnte.

Lewis Hamilton bekommt neuen Ferrari-Renningenieur

Von irgendwelchen Differenzen mit Ferrari, die sich im Herbst der letzten Formel-1-Saison abgezeichnet hatten, spürte man bei Hamilton in Fiorano nichts. Stattdessen betonte er seine Liebe zu der italienischen Mannschaft. "Ich liebe, was ich tue, mehr als alles andere und ich liebe dieses Team. Ich liebe die Fans, die wir haben. Dass ich immer noch diesen Sport ausüben kann, ist für mich ein sehr hohes Privileg", so Hamilton.

Was den Ausblick auf seine zweite Scuderia-Saison angeht, sei er noch einmal zuversichtlicher als im vergangenen Jahr, ließ der Rekordsieger durchklingen: "Ich denke das Team ist in der besten Position, seitdem ich hier bin." Wie gut der Ferrari tatsächlich ist, werden wir erst im nächsten Monat abschätzen können, denn beim Shakedown in Barcelona in der kommenden Woche bringt Ferrari nur eine Basisversion seines Autos an die Strecke – ein sogenanntes A-Spec.

Was sich allerdings schon vorher klären sollte, ist, welchen Renningenieur Hamilton in der Formel-1-Saison 2026 haben wird. Denn am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass Riccardo Adami auf einen anderen Posten innerhalb des Teams wechseln wird und somit nicht mehr die Rennen des ehemaligen Mercedes-Fahrers am Funk begleiten wird. Bislang wurde noch kein Nachfolger benannt.