Die Upgrades von Red Bull Anfang Mai in Miami machten den Bullen Hoffnung, dass man sich auf dem besten Weg befindet, den Sprung zu den Spitzenteams in der Formel 1 hinzukriegen. Vor allem, nachdem Max Verstappen nur knapp an der Pole Position in Monaco gescheitert ist. Doch Barcelona ist nach drei Stadtkursen die erste klassische Rennstrecke seit dem Upgrade-Paket und diese legt die Schwächen des RB22 wieder schonungslos offen.

So zumindest das Bild am Trainingsfreitag, an dem sich Verstappen fast neun Zehntelsekunden hinter der Spitze einsortierte, die zwischen Mercedes und McLaren ausgefochten wurde. Der vierfache Formel-1-Weltmeister gab sich nach FP2 keinen Hoffnungen hin, dass man diese Lücke bis morgen schließen könnte.

Max Verstappen in Barcelona: Scheint uns im Moment nicht zu liegen

Verstappen geht davon aus, dass ihr Auto auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya einfach nicht zu mehr fähig ist. "Ich denke, wir haben einige Limitierungen mit dem Auto. Die Reifen werden hier sehr stark beansprucht, der Grip ist hier nicht sehr hoch. Das scheint uns im Moment nicht zu liegen", ist Verstappen überzeugt.

Pirelli hat an diesem Wochenende eine Stufe weichere Reifen an die katalanische Strecke geliefert als in den letzten Jahren. Anstatt C1 bis C3 stehen C2 bis C4 zur Auswahl. In Kombination mit den hohen Temperaturen sorgte das in den ersten Trainings querbeet durchs Feld für einen enormen Verschleiß an den Gummis. Damit steht Red Bull also nicht alleine da.

Das größere Problem ist, dass dem Boliden Verstappen und Isack Hadjar schlicht und ergreifend der Grip fehlt - und zwar in allen Bereichen. "Highspeed, mittlerer Speed, Lowspeed. Es fehlt uns überall. Wir sind einfach nicht dort, wo wir sein wollen", resümierte Verstappen. Gedämpft war auch die Stimmung bei Red-Bull-Chefingenieur Paul Monaghan: "Heute bekommen wir keine Eins mit Sternchen."

Die Bilanz des Ingenieurs fiel etwas optimistischer aus als jene von Verstappen: "Es fehlt uns ein bisschen Balance. Es fehlt uns ein bisschen Grip. Beides sollte nicht überraschend kommen. Ich vermute, dass das bei der Konkurrenz sehr ähnlich ist." In der Nacht auf Samstag und dann zwischen FP3 und dem Qualifying wird selbstverständlich noch viel am Setup getüftelt werden.

Hilfe vom Motor: Kann Red Bull beim Deployment noch zulegen?

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Red Bull nach einem schwachen Freitag in der Nacht vor FP3 wieder rettet. Eine Stellschraube, an der man möglicherweise Performance finden könnte, ist das Energie-Deployment. Dieses fiel am Red Bull viel ausgeglichener über die Runde aus als bei allen anderen Topteams.

Der Preis dafür ist, dass man auf der Start-Ziel-Gerade und auf der Gegengerade vor Kurve 10 deutlich an Speed einbüßt, wie etwa der Vergleich mit Lando Norris illustriert. Auf Start-Ziel betrug der Unterschied bis zu 16 km/h. Auf der Geraden vor Kurve 10 immerhin bis zu 7 km/h.

Ob dieser Faktor alleine ausreicht, um sich wieder zurück ins Spiel zu bringen, sei einmal dahingestellt. Max Verstappen bleibt dabei, dass es an diesem Wochenende nicht mehr bis ganz vorne gehen wird. Auch, was die zweite Startreihe angeht, zeigte er sich skeptisch: "[Wir werden dort sein], wo wir im Moment sind, schätze ich." Das wäre dann P6.

Keine großen Sprünge erwartet man sich bei Red Bull auch von einem neuen Frontflügel, den man in Barcelona an die Strecke brachte und von dem man sich ohnehin nur eine kleine Leistungssteigerung erhofft. Dieser lässt sich vor allem durch eine deutlichere Rundung am Übergang zur Endplate erkennen. Die alte und die neue Variante wurden im Laufe des Freitags ausgetestet. Ob man den neuen Flügel am Samstag einsetzen wird, ließ Monaghan offen: "Ihr könnt morgen ja schauen, ob er oben ist oder nicht."