Im vergangenen Jahr noch die vielumjubelte Pole Position, diesmal nur die Plätze neun und zehn im Qualifying (acht und neun nach Cadillac-Disqualifikation): BMW hat mit seinen beiden stark besetzten LMDh-Prototypen keine allzu gute Ausgangslage für die 24 Stunden von Daytona 2026 (hier im kostenlosen Livestream schauen) geschaffen.

Zwar sind die Startpositionen beim Rennen zweimal rund um die Rolex-Uhr nicht entscheidend, aber, so meinte BMW-Werksfahrer Sheldon van der Linde zu Motorsport-Magazin.com: "Ich war überrascht, dass wir im Qualifying so weit weg waren. Wir haben uns zwar nie aufs Qualifying fokussiert, aber für die Schlussphase im Rennen brauchst zu trotzdem ein schnelles Auto auf einer Runde."

McLaren und Ford präsentieren Fahrer für Le Mans (09:20 Min.)

"Glaube nicht, dass wir durch unsere Pace gewinnen können"

Die ernüchternde Zwischenbilanz des DTM-Champions von 2022 vor dem Rennstart am Samstag, 19:40 Uhr deutscher Zeit (13:40 Uhr Ortszeit): "Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr das Rennen durch unsere Pace gewinnen können. Das Rennen ist aber noch nicht verloren, es kann alles passieren. Wir wissen, dass WRT bei der Ausführung der Rennen sehr stark ist und hoffen, dass uns das nach vorne bringen wird."

WRT, das ist das neue Einsatzteam von BMW in der IMSA-Serie, deren Saisonauftakt die 24 Stunden von Daytona bilden. Der belgische Rennstall von Vincent Vosse hat die Arbeit vom US-Team RLL übernommen und setzt die BMW-Prototypen nun sowohl in der WEC als auch in der IMSA-Meisterschaft ein. Dass der Aufbau eines neuen Teams in Übersee, noch dazu in der für WRT relativ unbekannten US-Serie, nicht von Beginn an reibungslos laufen würde, darüber war man sich von Beginn an im Klaren.

BMW-Boss Roos: "Man kann vieles kaufen - Zeit allerdings nicht"

Dazu kommt: BMW hat seinem M Hybrid V8 über den Winter ein Aero-Update inklusive einer kleineren Niere an der Front verpasst. Allzu viel Zeit und Gelegenheiten blieben aber nicht, um das Paket mit den neuen Michelin-Reifen auf Herz - und Niere - an der Strecke zu testen. So sieht sich die BMW-Mannschaft, die 2025 in der WEC und IMSA nach aussichtsreichen Starts in der Performance zunehmend abfiel, mit zahlreichen Unbekannten konfrontiert.

"WRT hat in all den Jahren bewiesen, dass sie in jeder Meisterschaft relativ schnell um Siege kämpfen können", stellte sich BMW-Motorsportchef Andreas Roos vor das frühere Audi-Team. "WRT arbeitet auf höchstem Level, aber der Wettbewerb ist stark und bei uns ist die Entscheidung (WRT statt RLL in der IMSA; d. Red.) relativ spät gefallen. Und wie es immer der Fall ist: Man kann vieles kaufen - Zeit allerdings nicht."

In Daytona erhält das IMSA-Team von WRT zusätzliche Unterstützung von der eingespielten WEC-Mannschaft, doch schon beim folgenden Rennen in Sebring ist das nicht mehr möglich, weil sich der 12-Stunden-Klassiker mit dem Prolog der WEC in Katar überschneidet. "WRT ist ein Weltklasse-Team", sagte der Österreicher Philipp Eng. "Ich würde sagen: eines der besten überhaupt im Sportwagenbereich. Sie kennen das Auto in- und auswendig. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, dass wir da groß Anlauf brauchen."

BMW in Daytona: Zuversicht nach Stolperstart

Dennoch war es ein Stolperstart mit dem auffallend schwachen Abschneiden im Qualifying: Dem sonst so pfeilschnellen Belgier Dries Vanthoor (vier IMSA-Poles 2025) fehlten im #24 BMW (D. Vanthoor, S. van der Linde, Frijns, Rast) 0,9 Sekunden zur Spitze, während Marco Wittmann im #25 Schwesterauto (Eng, Wittmann, Magnussen, Marciello) sogar 1,4 Sekunden hinterherfuhr.

Für den zweifachen DTM-Champion Wittmann war das Qualifying allerdings auch kein einfaches Unterfangen, weil er zuvor wegen eines Hybridproblems kein einzige Qualifying-Simulation abspulen konnte. "Und Dries sowie Marco waren mit der Balance im Qualifying nicht zufrieden. Vielleicht haben wir nicht richtig auf die Temperaturen und den Wind reagiert", räumte Motorsportchef Roos ein. "Wir haben im Anschluss Änderungen vorgenommen und im 3. Training war das Auto wesentlich besser."

Das 3. und letzte Freie Training am Freitag vor dem Rennen ließ die Zuversicht innerhalb der BMW-Truppe wieder ansteigen: die #24-Crew fuhr auf den dritten Platz, der Schwester-BMW landete auf P8. Im Nacht-Training am Donnerstag zuvor hatten die beiden Autos die Plätze fünf und sechs belegt. Roos' Zwischenbilanz nach den Testfahrten, Trainings und dem verpatzten Qualifying: "Wir wussten, dass es schwieriger werden würde als 2025, das war klar."