Eine Rolex-Sieger-Uhr hat Marvin Kirchhöfer schon, aber am anderen Handgelenk wäre sicherlich noch Platz für einen weiteren der begehrten Zeitmesser, die sämtliche Klassensieger bei den 24 Stunden von Daytona (24.-25. Januar 2026) erhalten. Der 31-Jährige kehrt nach seinem Vorjahressieg auf einer GT3-Corvette in der GTD-Klasse zurück und geht diesmal sogar in der höherklassigen GTD-Pro-Kategorie an den Start.

Kirchhöfer teilt sich dieses Jahr die #3 Corvette Z06 GT3.R von Pratt Miller Motorsports mit den Werksfahrern Alex Sims und Antonio Garcia. Der Brite Sims bescherte dem Trio am Donnerstag bereits die Pole Position in der GTD-Pro, in der fast ausschließlich professionelle GT3-Rennfahrer antreten. Corvette zählt zum engeren Kreis der Favoriten auf einen weiteren Klassensieg, ist man sich im Fahrerlager größtenteils einig.

Marvin Kirchhöfer: McLaren-Werkspilot fährt Corvette

Während Sims und Garcia die komplette IMSA-Saison auf der Pratt-Miller-Corvette bestreiten, stößt Kirchhöfer nur bei den langen Rennen in Daytona, Sebring und auf der Road America hinzu. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Situation, denn der frühere GP2-Pilot zählt seit 2022 zum Werksfahrer-Kader von Sportwagen-Konkurrent McLaren und ist inzwischen sogar der dienstälteste Pilot im Aufgebot der Briten.

Doppelt kurios: McLaren-Werksfahrer Kirchhöfer trifft mit der Corvette in Daytona sogar auf einen McLaren 720 S GT3 als direkten Konkurrenten in der GTD-Pro-Kategorie: Das frühere BMW-Werksteam RLL hat sich mit McLaren auf einen Einsatz in der IMSA inklusive Daytona geeinigt, allerdings ohne die Unterstützung durch Werkspiloten.

Kirchhöfer: "Timing hat mir in die Karten gespielt"

"Ich bin sehr froh, dass McLaren daraus kein Problem gemacht hat", sagte 'Doppelgänger' Kirchhöfer, dessen Vertragsverlängerung McLaren zu Beginn dieser Woche kommuniziert hatte, zu Motorsport-Magazin.com. "Ich habe da vollen Support und muss wirklich ein großes Dankeschön sagen. Am Ende waren es zwei Dinge: das Timing, das mir in die Karten gespielt hat - und das Verständnis beider Hersteller, dass es keine Diskussion und keine Probleme gibt."

Dazu muss man wissen: Zu der Zeit, als Kirchhöfer mit McLaren über das Corvette-Engagement in der IMSA sprach, stand der Start des RLL-McLaren noch nicht fest. In diesem Fall hätte es ohnehin keinen Interessenskonflikt gegeben. Außerdem war Kirchhöfers Vertrag bei den Briten ausgelaufen und zum damaligen Zeitpunkt war seine Zukunft noch nicht vollständig geklärt.

"Ich habe das bei McLaren offen kommuniziert, dass es großes Interesse gibt", sagte Kirchhöfer über den Ablauf der Gespräche und das Interesse seitens Corvette. "Zu dem Zeitpunkt, als ich den Vertrag auf dem Tisch hatte, war kein McLaren auf dem Grid. Ich habe dann quasi zugesagt - mit dem Verständnis und der Erlaubnis von McLaren."

Von Daytona nach Le Mans: Kirchhöfer gibt WEC-Debüt

So kann Kirchhöfer sowohl die GT3-Corvette in der IMSA-Serie steuern als auch das Programm, das McLaren 2026 für ihn vorgesehen hat - und das ist äußerst attraktiv: Der frühere Meister der Deutschen Formel 4 gibt dieses Jahr sein Debüt in der WEC und bei den 24 Stunden von Le Mans. Kirchhöfer startet für das Kundenteam Garage 59, das er seit vielen Jahren kennt und mit dem er letztes Jahr unter anderem die Pole Position beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps eroberte.

Dass Kirchhöfer ebenso eine Vorliebe für das Racing in der IMSA-Meisterschaft hat, daraus machte er keine Geheimnis. Nach seiner Saison 2024 bei Pfaff-McLaren hat er Geschmack gefunden an der US-Meisterschaft. Kirchhöfer: "Amerika war für mich immer ein Thema, wo ich gerne Fuß fassen wollte. 2024 mit Pfaff war vielleicht nicht mein erfolgreichstes Jahr, aber eines meiner schönsten im Motorsport. Deshalb war es für mich immer wichtig, dass es in den USA weitergeht."

Zukunft im brandneuen Hypercar von McLaren?

Bei McLaren winken Kirchhöfer aktuell weitere Top-Einsätze im GT3-McLaren und perspektivisch womöglich ein Platz im LMDh-Programm, mit dem die Briten 2027 zu den 24 Stunden von Le Mans zurückkehren. Die Mannschaft unter der Leitung von Teamchef James Barclay hat mit Ex-Peugeot-Fahrer Mikkel Jensen bislang nur einen Fahrer verkündet; übrigens wie Kirchhöfer ein früherer Meister der deutschen Formel-4-Meisterschaft.

Kirchhöfer hätte natürlich Interesse an einem Cockpit im baldigen McLaren-Prototypen: "Man sieht ja bei anderen Herstellern, dass es gut funktioniert hat, GT3-Fahrer in die Hypercars zu setzen. Ich habe außerdem aus früheren Single-Seater-Zeiten Erfahrung, was Downforce angeht - das ist mir also nichts Fremdes. Mehr kann ich aktuell allerdings nicht dazu sagen."