Porsche nimmt die 24 Stunden von Daytona 2026 (24.-25. Januar) mit der Gelassenheit eines Rekordsiegers in Angriff. Die Zuffenhausener können an diesem Wochenende ihren 21. Gesamtsieg beim US-Klassiker in Florida einfahren und die einmalige Erfolgsbilanz weiter ausbauen.

Nach den Testfahrten am vergangenen Wochenende, den drei Freien Trainings seit Donnerstag und dem Qualifying deutet einiges darauf hin, dass sich Porsche sehr gute Chancen auf den dritten Daytona-Triumph in Folge nach 2024 und 2025 ausrechnen kann.

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Konkurrenz ehrt Porsche: "Die machen keine Fehler"

Die Ausgangslage sieht jedenfalls vielversprechend aus: Die beiden von Penske eingesetzten Werks-Porsche mit den Nummern #7 (Nasr, Andlauer, Heinrich) und #6 (L. Vanthoor, Estre, Campbell) starten von den Positionen drei und fünf. Auch das einzige Privat-Auto in der GTP-Klasse, der knallgelbe #85 Porsche von JDC-Miller Motorsports auf dem technischen Stand von 2025, wusste mit P7 im Qualifying zu überzeugen.

Unter Rennbedingungen gilt Porsche als perfekt geölte Maschine - der Gewinn von zwei IMSA-Meisterschaften in Folge ist der beste Beleg. "Porsche ist mittlerweile so stark, die machen keine Fehler und sind komplett eingespielt", zog BMW-Konkurrent Sheldon van der Linde die Kappe und schrieb den Zuffenhausenern die Favoritenrolle zu: "Das wird nicht einfach gegen die."

Mit der Gelassenheit eines Rekordsiegers

Was der Konkurrenz sicherlich Sorgen bereiten muss: Im Porsche-Lager herrscht angesichts der bisherigen Leistungen eine spürbare Gelassenheit. "Es läuft gut", bestätigte Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com, mahnte aber zur Vorsicht: "Die Vorbereitung war gut, aber über die Performance im Rennen können wir noch nichts sagen. Wir haben gesehen, dass beim einen oder anderen unglaubliche Sprünge zwischen den Testfahrten und dem Qualifying stattgefunden haben."

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach
Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach in Daytona, Foto: Porsche AG/Jürgen Tap

Die US-Lokalmatadore von Cadillac (Pole Position nachträglich verloren) und Hondas Edelmarke Acura (Pole Position nachträglich geerbt) gelten als schärfste Kontrahenten auf Porsches angepeiltem Weg, den Sieg-Hattrick in Daytona einzutüten. Die Eindrücke aus dem Qualifying seien für den Rennverlauf nicht entscheidend, sagte Laudenbach, und zählte auf: "Keine Fehler machen, keine Strafen kassieren, konstant schnell fahren, die Reifen im Griff haben, das wird das Rennen entscheiden, weil das Feld so eng beisammen liegt."

Die Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen endete für die Porsche-Truppe, wie sie bei den Testfahrten am Wochenende begonnen hatte: mit der Bestzeit im abschließenden Freien Training am Freitag. "Das Team befindet sich in seinem vierten Jahr, wir haben eine eingespielte Truppe", so Laudenbach. "Zwar muss man gerade wegen der vergangenen Erfolge den Fokus hochhalten, aber das bringt auch eine gewisse Ruhe, die Dinge ohne Hektik zu erledigen. Selbst wenn etwas Außergewöhnliches passiert, merkt man, wie ruhig alle bleiben."

Porsche-Ass Nasr vor Meilenstein bei 24h Daytona

Das schließt die Porsche-Werksfahrer ein, die zur Creme de la Creme des weltweiten Langstrecken-Sports zählen, darunter die Vorjahressieger Felipe Nasr und Laurens Vanthoor, ebenso Kevin Estre und Matt Campbell, die 2025 auf den dritten Platz fuhren.

Neu dabei sind jetzt Ex-WEC-Pilot Julien Andlauer und Laurin Heinrich, die sich den #7 Porsche mit dem zweifachen Daytona-Sieger Felipe Nasr teilen. Der brasilianische Ex-Formel-1-Fahrer könnte am Sonntag Historisches schaffen: Drei Siege in aufeinanderfolgenden Jahren gelangen bisher nur seinem Landsmann Helio Castroneves (2021-23 mit Acura) in der 60-jährigen Geschichte des 24-Stunden-Rennens.

Vom GT3-Porsche ins Hypercar - Heinrich: "Ich hatte Gänsehaut"

"Felipe weiß, wie man hier gewinnt", stellte sein deutscher Teamkollege Heinrich korrekterweise fest. Der 24-Jährige bestreitet sein erst zweites Rennen im Porsche-Hypercar nach dem Debüt beim letztjährigen WEC-Saisonfinale in Bahrain. "Und dann gleich das wichtigste des Jahres", fügte er ebenso korrekt an, nachdem Porsche 2026 in Folge des WEC-Ausstieges nicht mehr beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans antreten wird.

Heinrich, der 2024 und 2025 mit dem 'Rexy' Porsche 911 GT3 R in Daytona an den Start ging, über den Aufstieg ins rund 680 PS starke Hypercar: "Wenn man das Gaspedal durchdrückt, aus Turn 6 ins Banking hochfährt und die Gänge durchzieht, ist das noch mal eine andere Art von Power! Auf meiner ersten Runde hatte ich echt Gänsehaut. Wenn du mit kalten Reifen aus der Box kommst, spürst du jede Bodenwelle, setzt leicht auf, das ist sehr intensiv für einen Fahrer."

Laudenbach sieht Heinrich der Aufgabe gewachsen und sagte über den frischgebackenen Werksfahrer: "Er ist auf dem Level, um hier zu fahren. Ein sehr harter Arbeiter, sehr fokussiert. Das heißt nicht, dass er nicht auch mal den einen oder anderen Fehler machen wird. Das müssen wir dann akzeptieren, passiert den erfahrenen Piloten schließlich auch."