Hinter dem Formel-1-Programm von Cadillac verbirgt sich das ehemalige Projekt von Michael Andretti, der schon 2021 seine ersten Versuche unternommen hatte, in die Königsklasse einzusteigen. Doch erst nach seinem Aus, der kompletten Umbenennung in den Namen der General-Motors-Marke und der Ankündigung eines eigenen Motorenprogrammes gab auch die Formel 1 ihnen Ende 2024 grünes Licht. Den Aufbau hatte das Team natürlich schon deutlich früher gestartet, um möglichst gut vorbereitet zu sein.
Ab 2029 wird Cadillac mit einem eigenen Motor als Werksteam an den Start gehen, bis dahin beziehen die US-Amerikaner ihre Antriebe von Ferrari aus Maranello. Doch auch ohne eigenen Motor steht dem ersten Formel-1-Neuling seit Haas 2016 in diesem Jahr eine große Herausforderung bevor. Die wichtigsten Fragen zu Cadillac sind hier beantwortet:
Cadillac F1 Team: Wo entstehen die Formel-1-Autos von GM?
Die Chefetage der Automarke Cadillac sitzt in der 'Motor City' Detroit. Genauer genommen in Warren, einer Vorstadt der Metropolregion Detroit, die de-facto mit der US-Metropole verwachsen ist. Das Formel-1-Team hat seinen Hauptsitz allerdings nahe des Indianapolis Motor Speedway in Fishers, Indiana. Die Anlage dort war ursprünglich als allgemeiner Hauptsitz für alle Motorsport-Aktivitäten von Andretti Global geplant gewesen, wird allerdings nun ausschließlich für die Formel 1 verwendet. Derzeit befindet sich die Anlage noch im Bau, soll allerdings noch im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt werden. Gebaut werden sollen alle F1-Autos hier. Das unterscheidet Cadillac vom anderen US-Team, Haas, deren Boliden in Europa entstehen.
Cadillac verfügt auch über einen europäischen Ableger mit einer Fabrik in Silverstone, wo sich das Team schon 2024 eingemietet hat. Dort wurde seitdem auf mehrere Gebäude verteilt ein großer Teil der Entwicklungsarbeit geleistet. Silverstone ist aber nicht nur ein vorübergehender Standort, sondern wird auch nach der Fertigstellung des Werkes Fishers in Betrieb bleiben. Und zwar mit dem Hauptziel, Teile zu entwickeln, die anschließend in den Windkanal gehen. Cadillac nutzt nämlich den Windkanal von Toyota in Köln.
Zudem baut GM für die neue Motorenschmiede noch ein eigenes Werk in der Nähe von Charlotte auf. Mit einer Fertigstellung des Baus wird 2027 gerechnet. Bis das Gebäude bezogen werden kann, nutzt das bereits angelaufene PU-Projekt Anlagen des eng mit GM verbundenen NASCAR-Teams Hendrick Motorsports.
Wer sind die wichtigsten Entscheidungsträger bei Cadillac?
Als Teamchef führt Graeme Lowdon Cadillac in die Formel 1. Lowdon war bis 2015 Teamchef von Virgin/Marussia und kennt somit diese Rolle in der Königsklasse bereits bestens. Ebenfalls mit seinem Posten schon aus einem anderen Dienstort gut vertraut sind der ehemalige Renault-Mann Nick Chester als Technik-Direktor und Chefdesigner John McQuilliam, der einst bei Marussia war.
Die Motorenabteilung, die den Werkseinstieg 2029 vorbereitet, wird von Russ O'Blenes geleitet. Er hat keine F1-Erfahrung, ist aber schon seit über 30 Jahren bei GM. Mit Adam Baker zog man außerdem den ehemaligen Boss des F1-Projekts von Audi als COO für die Power-Unit-Abteilung an Land.
Pat Symonds, der zuletzt bis 2024 im Dienst der Formel 1 mit technischen Belangen betraut war, ist als technischer Berater mit von der Partie. Dazu kommt Rob White als Chief Operations Officer und Peter Crolla (ehemals Haas), der als Sportdirektor bei den Amerikanern tätig sein wird. Chef-Renningenieur ist Xavier Marcos Pardos, der früher bei Charles Leclerc am Funk tätig war. John Howard (einst Alpine-Renningenieur bei Gasly) wurde als Renningenieur von Sergio Perez rekrutiert, Ex-Aston-Martin-Mann Carlo Pasetti wird am Funk von Valtteri Bottas zu hören sein.
Allerdings die wohl wichtigste Person rund um das F1-Team von Cadillac ist Dan Towriss. Der US-amerikanische Unternehmer ist CEO des Rennstalles und hält somit alle Fäden in der Hand. Über TWG Motorsports ist er nicht nur für den Formel-1-Rennstall verantwortlich, sondern besitzt auch das Andretti-Team in der IndyCar, sowie Formel-E-, IMSA-, und NASCAR-Rennställe. Sein Geld verdient er als CEO von Group 1001 Insurance, ehe er sich (ursprünglich als Geschäftspartner von Michael Andretti) auch dem Motorsport zuwandte.
Cadillac-Fahrer: Müssen Perez und Bottas einen US-Amerikaner fürchten?
Mit Sergio Perez und Valtteri Bottas setzt Cadillac gleich doppelt auf Erfahrung. Der Ruf von Perez wurde nach seinem Red-Bull-Aus 2024 durch das krachende Scheitern seiner Red-Bull-Nachfolger etwas rehabilitiert, außerdem bringt der sechsfache Grand-Prix-Sieger auch einige Sponsoren mit zu dem US-Team.
Bottas, der nach 2024 bei Sauber bis zum Schluss auf eine Verlängerung drängte, und dann durch Gabriel Bortoleto ersetzt wurde, ist ebenfalls auf Revanche gesinnt. Beide wollen also beweisen, dass sie noch immer ihren Formel-1-Platz verdient haben. Das Teamduell kann auch deshalb wichtig sein, da im Hintergrund schon Colton Herta lauert.
Der ehemalige Indycar-Pilot wurde von Cadillac als Testfahrer unter Vertrag genommen und soll für einen zukünftigen F1-Aufstieg aufgebaut werden, wofür er auch in der Formel 2 an den Start geht. Die Superlizenz-Punkte sollten für den US-Amerikaner kein Problem sein. Falls Cadillac ihn 2027 unbedingt befördern will, dann reichen für die Superlizenz unter normalen Voraussetzungen sechs Trainingssessions. Vielmehr muss er in der F2 wohl beweisen, dass er für einen F1-Aufstieg bereit ist.
Mit Zhou Guanyu benannte Cadillac letzte Woche auch den Ersatzfahrer. Außerdem sind der ehemalige IndyCar-Champion Simon Pagenaud, Ex-Haas-Pilot Pietro Fittipaldi und Sportwagen-Routinier Charlie Eastwood als Simulator-Fahrer mit an Bord.
Welche Ziele verfolgt Cadillac in seiner ersten Formel-1-Saison?
Graeme Lowdon wollte im Vorfeld des Einstiegs kein konkretes Ziel festmachen. Er hielt sich bei der Zielsetzung deshalb allgemein: "Es ist sehr schwierig zu quantifizieren, wie Erfolg aussehen kann, außer dass wir einfach so gut wie möglich arbeiten und uns den Respekt der anderen Wettbewerber verdienen müssen."
"Ich denke, das ist immer das erste Ziel, denn wenn wir das schaffen, wissen wir, dass wir gute Arbeit leisten", so Lowdon weiter. Das kann viel bedeuten. Realistisch wird es Cadillac im ersten Jahr wohl auch mit den neuen Regeln schwer haben gegen die Konkurrenz. Der Motor-Regelumbruch macht diese Rechnung noch komplizierter, aber man kann wohl davon ausgehen, dass Cadillac sich am Ende des Feldes bewegen wird.
Regelmäßig ins Ziel zu kommen und dem restlichen Feld nicht zu weit hinterherzuhinken, klingt nach einer realistischen Zielsetzung. Punkte zu holen wäre wohl schon ein großer Erfolg für den Neueinsteiger. Aber wie gesagt: Das ist alles nur relativ. Angenommen, der Ferrari-Motor wäre überlegen, dann würde automatisch Cadillac auch besser aussehen. Umgekehrt gilt natürlich das Gegenteil, wenn der Scuderia-Antrieb hinterherhinkt.
Welche Ziele verfolgt Cadillac langfristig?
Bei den langfristigen Ansprüchen gibt sich das GM-Projekt deutlich selbstbewusster. Für das Formel-1-Team und zukünftige Werksteam eines der größten Autoproduzenten der Welt müssen natürlich auf Dauer Erfolge in Form von Siegen oder Titeln her. Doch dabei redet man aller Voraussicht nach schon von den 2030er-Jahren, denn zuvor müsste noch der Umstieg von einem Kunden- zu einem Werksteam gelingen. Mit einem entsprechend konkurrenzfähigen Motor. Allein dieser Punkt kann aufgrund des Entwicklungsrückstandes gegen die arrivierte Konkurrenz zu einem weiteren Rückschritt führen.
Cadillac ist einer von zwei Neulingen 2026 in der Formel 1. Was sonst alles dieses Jahr in der Königsklasse neu ist, könnt ihr in unserem Saisonausblick erfahren.



diese Formel 1 Nachricht