Platz 5 - Ein Ferrari sendet Rauchsignale
Das kannten deutsche Formel-1-Fans aus den 1990ern. Doch während zu Michael Schumachers Zeiten Motorschäden noch zur Tagesordnung zählten, war das Bild in Bahrain 2016 ein einzigartiges der letzten beiden Jahrzehnte. Dass aus Sebastian Vettels Sebastian Vettel SF-16H schon in der Einführungsrunde wie bei der Papstwahl der weiße Rauch aufsteigt, war so nicht im Drehbuch festgehalten. Noch dazu handelte es sich erst um den zweiten Grand Prix der Saison.
Eigentlich würde man so etwas gegen Ende des Jahres erwarten, wenn die Motoren ans Ende ihrer Laufzeit kommen. Tatsächlich hatte Vettel danach aber keinen einzigen technischen Ausfall mehr zu beklagen. Für den vierfachen Weltmeister blieb es das erste und einzige Mal in seiner Karriere, dass er einen Grand Prix nicht starten konnte. Besonders bitter: Er blieb am Ende bei 299 Rennen hängen. Hätte der Motor wenigstens bis zum Start durchgehalten, stünde da die schöne Zahl 300.
Platz 4 - Der Monaco-Fluch schlägt zu
Zum Glück hat Charles Leclerc seinen Heimfluch mit dem Sieg beim Monaco Grand Prix 2024 beenden können. Das hilft dem Monegassen vielleicht, etwas gelassener auf die tragischen Momente der Vergangenheit zu blicken. Da war der im Leitplankentunnel des Fürstentums wie verhext. Den Höhepunkt stellte das Jahr 2021 dar. Ferrari stellte in dieser Saison kein Spitzenauto, doch Leclerc fuhr den Wagen im Qualifying trotzdem auf die Pole-Position. Nur kam er auf dieser am Sonntag nicht an.
Nach seiner schnellsten Runde in der Zeitenjagd hatte er nochmal nachlegen wollen, verunfallte dabei aber in der Schikane beim Swimming Pool. Die Scuderia musste den Wagen reparieren - und versagte. Auf dem Weg in die Startaufstellung wurde ein Defekt der linken Antriebswelle festgestellt. Damit ließ sich nicht fahren und Zeit für eine Reparatur bestand auch nicht mehr. Das Rennen fand ohne seinen am Boden zerstörten Lokalmatadoren statt.
Platz 3 - Wenn ein Minardi einen Ferrari überholen will
Das konnte eigentlich nur in der Runde in die Startaufstellung passieren. Ansonsten sahen sich Christijan Albers und Superstar Michael Schumacher auf der Strecke nur, wenn der Deutsche den Niederländer überrundete. Hier sollte die Konstellation andersherum sein - vielleicht ging es deshalb so kolossal schief. Beim China Grand Prix 2005 fuhren der Ferrari und der Minardi knapp hintereinander aus der Box heraus. Der Titelverteidiger ging es auf dem Weg zum Grid gemütlich an, Albers hingegen gaste an. Schumacher hatte das nicht auf dem Schirm und machte eine zuckende Bewegung nach links, direkt in Albers Weg. Beide Autos wurden zu Schrott kaltverformt.
Zum Glück gab es damals noch ein Ersatzauto, doch mit dem T-Car musste per Reglement aus der Boxengasse gestartet werden. Leider war das nicht das Ende der Peinlichkeiten an diesem Tag. Schumacher drehte sich im Rennen unter Safety-Car ins Kiesbett und blieb stecken. Albers hingegen konnte nichts für seinen Ausfall, bei ihm flog eine Radmutter ab.
Platz 2 - Beim Aufbocken verbockt
Wir müssen zugeben, hier ein bisschen zu schummeln, denn das Folgende ereignete sich erst vor dem zweiten Start des Belgien Grand Prix 2001. Ein schwerer Unfall von Luciano Burti im Jaguar hatte für einen Abbruch gesorgt und nun trafen die Teams die Vorbereitung für den Neustart des Rennens. So weit so gut, nur hätte sich ein Team dabei die Frage stellen sollen: Haben wir da nicht irgendetwas vergessen? Leider nein. Und so saß ein entsetzter Ralf Schumacher in seinem aufgebockten Williams FW23, während die anderen an ihm vorbeifuhren und die Aufwärmrunde begannen.
Seine Jungs waren zu sehr damit beschäftigt gewesen, den Beamwing zu tauschen, da dieser bei Teamkollege Juan Pablo Montoya gebrochen war. Das Auto dann wieder hinunterzulassen, war offenbar keine Priorität. So startete Schumacher nicht von Rang zwei ins Rennen, sondern musste sich ganz hinten anstellen. Seine Aufholjagd brachte ihn immerhin noch auf Rang sieben, aber einen Platz am letzten Punkt vorbei.
Platz 1 - Red Bulls Mechaniker in Höchstform
Nach Pleiten, Pech und Pannen wollen wir zum Schluss eine Meisterleistung würdigen. Diese machte Max Verstappen beim Ungarn Grand Prix 2020 nötig. Auf nasser Piste flog der Niederländer schon auf dem Weg in die Startaufstellung ab und schlug in der Bande ein. Er konnte sich befreien und schleppte seinen RB16 zurück. Der abgebrochene Frontflügel war kein Problem, aber die linke Front-Aufhängung war abgeknickt. Eigentlich wäre da ein Start aus der Box nötig, doch wurde er kurz vor Einfahrt angewiesen, doch in die Startaufstellung zu fahren. Red Bull wagte die Reparatur dort.
Was sich wahnsinnig anhört, war ein Geniestreich. Unter enormem Zeitdruck orchestrierte das Team eine nie zuvor gesehene Schraubersymphonie. "Fantastische Arbeit, das ist nicht zu glauben. Ich danke euch so sehr", funkte Verstappen nach der fertigen Heldentat. Und er dankte es seinen Jungs auch mit Leistung. Vom hart erarbeiteten siebten Startplatz aus fuhr er als Zweiter auf das Podium.
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