In seiner Zeit bei Red Bull Racing schaffte es Yuki Tsunoda erst fünfmal ins dritte Qualifying. Ausgerechnet bei seinem finalen Formel-1-Rennen in Abu Dhabi fuhr er ein sechstes Mal unter die Top-10. Seinen zehnten Startplatz will der Japaner aber nicht für ein letztes Ausrufezeichen nutzen. Er will beim Saisonfinale der ultimative Team-Player sein.
"Mein Hauptfokus ist, Max [Verstappen, Anm. d. Red.] zu helfen. Das ist mein Ziel und ich werde alles dafür tun", gab er am Samstagabend in Abu Dhabi unmissverständlich zu verstehen. Sein Teamkollege wird am Sonntag von der Pole Position ins Rennen gehen. Um sich seinen fünften WM-Titel in Folge zu holen, braucht Verstappen aber mehr als bloß den Sieg auf dem Yas Marina Circuit. Sein größter Rivale, Lando Norris, wird von Platz zwei starten. Sollte er das Rennen auf dem Podium beenden, hat Verstappen selbst bei einem Sieg verloren.
Um Norris von den Podestplätzen fernzuhalten, ist Tsunoda bereit, sein finales Rennen in der Formel 1 herzuschenken. "Es wird keine direkte Strategie für mich werden, aber wenn ich Max helfen kann, die Fahrer-WM zu gewinnen, werde ich das machen. Mit seiner Position hat er immer noch eine Chance und ich werde so viel tun, wie ich kann", zeigte sich Tsunoda entschlossen. Er könnte beispielsweise seinen ersten Stint in die Länge ziehen oder alternativ sehr früh an die Box kommen, um Norris im späteren Rennverlauf aufzuhalten. Ähnliches tat auch Sergio Perez beim Saisonfinale 2021.
Ultimative Team-Strategie: So verhalf Tsunoda Verstappen zur Pole Position
Bereits im Qualifying trug Tsunoda einen Beitrag zu Verstappens Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung bei. Er verhalf seinem Teamkollegen zumindest in Teilen zur Pole Position. Trotz des sehr engen Felds in allen Qualifying-Segmenten schaffte es Tsunoda zum ersten Mal seit Mexiko unter die Top-10. Ab dort war seine Aufgabe klar, wie er verrät: "Es war immer der Plan, ins Q3 zu kommen und Max zu helfen."
Sein Aufstieg war aber nicht sicher, denn im dritten Freien Training musste das Team nach einem Crash mit Kimi Antonelli in der Boxengasse einen Unterboden nach alter Spezifikation einbauen. "Das hat das Auto viel Performance gekostet. Ich habe ein schlechtes Qualifying erwartet und mir Sorgen gemacht", gab der Japaner zu. Zweimal schaffte er den Aufstieg um Haaresbreite: In Q1 trennten ihn auf P15 0,008 Sekunden von Lewis Hamilton in P16, in Q2 waren es 0,007 Sekunden zwischen ihm auf P10 und Oliver Bearman auf P11.
Im dritten Qualifying-Abschnitt fuhr Tsunoda das erste Mal nur aus der Box, um seinem Teamkollegen Windschatten zu geben. Als die Red-Bull-Piloten gemeinsam zu Verstappens schneller Runde ansetzten, war Tsunoda elf Sekunden vorne – nicht der ideale Windschatten-Abstand. In Kurve fünf wurde er deshalb langsamer und verringerte die Lücke auf sechs Sekunden. Auf der langen Geraden vor Kurve acht funkte sein Renningenieur: "Gib ihm hier einen sehr guten Windschatten." In der Kurve ließ Tsunoda seinen Teamkollegen dann ziehen, denn im langsamen und technischen letzten Sektor wird ein Windschatten nicht mehr benötigt.
Helmut Marko lobt Yuki Tsunoda: Toll gemacht!
Nur wenige Sekunden vor seinem Teamkollegen herzufahren und den Abstand dabei perfekt abzustimmen, ist keine leichte Aufgabe. "Wir hatten das vorher überhaupt nicht geübt. Ich hatte Momente, in denen ich mehr unter Druck stand, aber das war sehr stressig", beschrieb der Red-Bull-Pilot. Auch wenn der Windschatten nicht ideal war, reichte Verstappens erste Q3-Runde bereits für die Pole Position. "Es hat ihm für seinen zweiten Run mehr Selbstvertrauen gegeben. Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit", so Tsunoda.
Dr. Helmut Marko lobte seinen zweiten Fahrer gegenüber ServusTV: "Yuki hat das mit dem Windschatten toll gemacht, das hat gut funktioniert." Das Lob nimmt der von Marko oft kritisierte Tsunoda dankend an: "Ich habe den Windschatten gut hingekriegt und sie haben mir ein paar Komplimente gemacht. Das nehme ich mit." Leider funktionierte es mit einer eigenen Runde für den Japaner nicht. Sein einziger schneller Anlauf in Q3 wurde wegen eines Track-Limits-Verstoßes in Kurve eins gestrichen. Seine Zeit von 1:23.083 Minuten hätte ohnehin nur für Platz zehn gereicht.
Den ganzen Bericht zum finalen Formel-1-Qualifying in Abu Dhabi gibt es hier:



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