Die beiden McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri wurden im Formel-1-Grand-Prix von Las Vegas aufgrund einer zu hohen Abnutzung der Unterbodenplatten an ihren Autos disqualifiziert. Für Norris ist das ein herber Rückschlag in der Fahrer-Weltmeisterschaft, denn Max Verstappen verringerte mit seinem Sieg in Sin City seinen Rückstand auf 24 Punkte. F1-Experte Christian Danner übt in der neuesten Folge des AvD-Motorsport-Magazins scharfe Kritik am gravierenden Patzer des Weltmeisterteams.
McLaren-Disqualifikation Folge einer Kette an Problemen
McLaren hätte laut Christian Danner zwei eindeutige Fehler im Rennen vermeiden können. "Erster Fehler, das Auto zu tief einzustellen und zweiter Fehler, die Daten, die man bekommt, nicht zu verwenden", kritisiert er scharf. Denn jedes Team arbeitet mit mathematischen Modellen, mit denen sie berechnen können, ab wann ein Problem auftreten wird. "Wenn ich als Dateningenieur sehe, dass ich mit der Abnutzung der Unterbodenplatte in den kritischen Bereich komme, dann muss ich mich sofort an der Boxenmauer melden und sagen: 'Leute, ab jetzt Lift and Coast, sonst fliegen wir hinterher raus.'"
Das Problem bei McLaren sei für Danner eindeutig tiefer begraben und die Disqualifikation der beiden Piloten nur die Folge einer langen Kette an Fehlern. Laut dem ehemaligen Rennfahrer hätte das Team zu lange gewartet, um die Fahrer über die Probleme zu informieren. "Sie haben mehr oder weniger acht Runden vor Schluss gesagt, dass sie Lift and Coast machen sollen", ist Danner empört. "Für mich sieht das nach einem eindeutigen Kommunikationsproblem im Team aus. Das ist ein Schwachpunkt, der weit größer ist als nur dieser eine Fehler."
Wobei ein Blick auf das Funkprotokoll zeigt, dass sich McLaren doch relativ früh im Rennen der Problematik bewusst war und auch kommuniziert hat. In Runde 8 wurde Norris von seinem Renningenieur Will Joseph angewiesen, in den Kurven 5, 12 und 17 kurz vom Gas zu gehen. Piastri wurde in Runde 19 von Tom Stallard angewiesen, "Lift and Coast" in den Kurven 5 und 11 zu machen. Die komplette Analyse des Funkverkehrs und der Daten gibt es hier:
WM-Gegner Max Verstappen eine Nummer zu groß für McLaren?
Die Disqualifikation des WM-Leaders und des WM-Zweiten kam vor allem Max Verstappen zugute, denn somit konnte er seinen Rückstand in der Fahrer-Weltmeisterschaft auf 24 Zähler reduzieren. Der Red-Bull-Pilot ist damit vor den letzten beiden Saisonrennen punktegleich mit Oscar Piastri - bei einem Sieg weniger. Die Abgebrühtheit, die der vierfache Champion zutage legt, fehlt laut Danner sowohl den McLaren-Fahrern als auch dem Team selbst.
"Die Situation um McLaren herum, das darf nicht passieren. Wenn dich der Gegner in ein Risiko reindrängen kann, hast du schon verloren", so der Experte. McLaren lässt Norris und Piastri frei fahren, solange sie noch eine realistische Chance auf den Weltmeistertitel haben. Einen Nummer-1-Fahrer gibt es nicht. "Zak Brown hat einmal gesagt, es ist ihm egal, wer Weltmeister wird. Er würde es gerne schaffen, aber wenn Verstappen besser ist, dann soll er gewinnen", zitiert Danner den Amerikaner. "So etwas habe ich von einem CEO in der Formel 1 noch nie gehört!"
Daher rät er Brown, seine Einstellung vor den letzten beiden Saisonrennen in Katar und Abu Dhabi noch einmal zu überdenken. Vor allem auch deshalb, weil Norris immer noch eine gute Chance hat, den Titel nachhause zu bringen. "Ich würde mich als Team sehr konservativ einstellen. Immerhin haben sie noch 24 Punkte Vorsprung", meint der Experte.
Rückendeckung von Piastri hält er nach wie vor für unrealistisch. Das sollte jedoch kein großes Problem darstellen. Der Fokus des Teams sollte sowieso vorwiegend auf dem Red-Bull-Pilot liegen. "Verstappen ist ein ausgesprochen unangenehmer Gegner und ich kann mir vorstellen, dass er sowohl in Katar als auch in Abu Dhabi nochmal die absolute Verstappen-Keule rausholt", prophezeit Danner. "Aber wenn sie cool bleiben, dann müssten sie das Ding nach Hause schaukeln können."
Bereits Anfang Oktober, sechs Rennen vor Saisonende krönte sich McLaren zum Konstrukteurs-Weltmeister in der Formel 1. Welche Teams in der Historie der Königsklasse noch früher dran waren, erfahrt ihr hier:



diese Formel 1 Nachricht