Die Formel 1 fährt in der Wüste Nevadas, dennoch gibt es nur ein Thema: der Regen. Mit Regenschirm bewaffnet marschierten Lewis Hamilton, Nico Hülkenberg und die anderen Piloten am Donnerstag durch den Paddock in Las Vegas. Auch wenn die Schlagzeilen über das Wetterchaos und einen möglichen Las Vegas GP, der ins Wasser zu fallen droht, weit hergeholt sind, steht den Piloten zweifellos eine Herausforderung bevor. Die aktuellen Wetterprognosen sagen für das erste und zweite freie Training am Freitag Schauer voraus.

Eine Vorhersage, die bei Carlos Sainz Sorgenfalten auf die Stirn zaubert – und das hat einen ganz bestimmten Grund: die Sichtbarkeit. "Wir haben alle das Gefühl, dass es hier Abschnitte gibt, die ziemlich dunkel sind - dunkler als in Singapur oder bei anderen Nachtrennen, die wir fahren. Ich verstehe es nicht ganz, denn es sollte überall gleich sein. Aber wenn es hier regnet, könnte die Sichtbarkeit ein Problem werden", erklärte der Williams-Pilot. Das Thema Sichtbarkeit in Las Vegas ist allerdings nicht neu. "Wir hatten es schon einmal angesprochen. Keine Ahnung, ob auch gehandelt wurde", so Sainz.

Hinzu kommt, dass die Sessions in der Nacht und bei kühlen Temperaturen um 10 °C stattfinden. "Es wird interessant sein, wie lange die Strecke zum Auftrocknen braucht. Wir fahren nachts, es scheint also keine Sonne. Wird die Strecke überhaupt auftrocknen?", stellte Sainz die Frage in den Raum. Auch seine Fahrerkollegen blicken beunruhigt auf das bevorstehende Wochenende. Denn selbst in einem Training ist ein nasser Las Vegas Strip Circuit kein Spaß. "Das wird ziemlich ungemütlich", prognostizierte WM-Leader Lando Norris. Gerade Stadtkurse mit ihren Markierungen und weißen Linien bieten jede Menge Spielraum für Fehler.

Spaß für die Zuschauer, aber nicht die Piloten

"Es könnte Spaß machen zuzusehen, aber nicht, hier zu fahren, denn der Grip ist sowieso schon niedrig", erklärte Fernando Alonso. Auch George Russell geht davon aus, dass es im Nassen einige Zwischenfälle geben wird. "Das könnte so manchem zum Verhängnis werden. Man muss nur aufpassen, dass man nicht selbst dazugehört." Nico Hülkenberg beschreibt eine nasse Session in Las Vegas als "unberechenbar".

"Wir sind hier noch nie mit Intermediates oder Regenreifen gefahren, aber ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich rutschig sein wird. Ich würde nicht sagen, dass es dadurch gefährlicher wird, denn man passt die Geschwindigkeit den Bedingungen an. Aber es wird definitiv unberechenbarer. " Selbst Regenmeister Max Verstappen würde es bevorzugen, wenn es trocken bleibt. "Es ist schon so schwer genug, alles richtig hinzubekommen." Mit seiner trockenen Aussage "Wenn es regnet, ist die Strecke nass" lieferte der vierfache Champion ungewollt perfekten Stoff für Social Media.

Hamilton bereit für die Herausforderung

Lewis Hamilton hat gute Erinnerungen an Las Vegas. Vor einem Jahr kämpfte er sich von Startplatz zehn durch das Feld und auf das Podest. Seitdem wartet er auf eine weitere Top-3-Platzierung. Trotzdem ist er bereit für die Herausforderung einer nassen Las-Vegas-Session. "Unser Auto liebt den Regen nicht unbedingt. Aber es wird für alle eine Herausforderung sein. Die Reifen haben hier sowieso ein sehr enges Arbeitsfenster, und im Nassen bzw. auf Intermediates wird es noch schlimmer sein. Aber ich bin bereit für die Herausforderung, wenn wir damit konfrontiert werden."

Das letzte Mal sorgte das Wetter beim Qualifying zum Großen Preis von Aserbaidschan für chaotische Verhältnisse. Sechsmal wurde während der Session die rote Flagge geschwenkt – ein neuer Rekord in der Formel 1. Immerhin: Laut den Vorhersagen soll es am Samstag und Sonntag trocken bleiben.

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