Am letzten Sonntag sorgte bei der Formel-1-Übertragung des österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF eine Aussage von Franz Tost für Wirbel. Der ehemalige Teamchef des zweiten Red-Bull-Teams lieferte eine persönlich angriffige Aussage in die Richtung der Familie von Gabriel Bortoleto, für die sich der ORF nun entschuldigt.
Bortoleto war am Sonntag auf der ersten Runde des Grand Prix im Duell mit Lance Stroll von der Strecke abgekommen und verunfallt. Es war sein zweiter Abflug des Wochenendes gewesen, nachdem er schon am Samstag im Sprint mit 57 g heftig gecrasht war. Der zweite Unfall am Sonntag war deutlich weniger schlimm, aber nichtsdestotrotz ein bitteres Aus bei seinem Debüt vor Heimpublikum.
So schnitt die internationale Regie am Sonntag direkt vom Unfall in den VIP-Bereich der Sauber-Box, wo sichtlich emotional gezeichnete Mitglieder von Bortoletos Familie standen. Ein Bild, welches Tost in der ORF-Übertragung knapp kommentierte: "Nach dem gestrigen Crash auch heute wieder. Er ist in der Lernphase. Da brauchen die Muttis gar nicht so deppert schauen, das ist ganz normal, diese Crash-Period."
ORF entschuldigt sich und kündigt Maßnahmen an
Am Mittwoch meldete sich bezüglich dieser Aussage nun der ORF zu Wort. "Bedauerlicherweise zu einer nicht akzeptablen Aussage" durch den Co-Kommentator sei es gekommen, heißt es, "für die wir uns höflichst entschuldigen wollen. Ausdrucksweise und Wortwahl waren völlig unangebracht und der ORF Sport wird entsprechend Vorsorge treffen, dass sich so etwas nicht wiederholt." Spezifiziert wird das nicht.
Tost war am Wochenende lediglich die Vertretung im Experten-Sessel des ORF. Üblicherweise sitzt der 69-fache GP-Starter Alex Wurz an der Seite von Kommentator Ernst Hausleitner. Wurz ist zugleich allerdings auch beim Sportwagen-Team von Toyota beschäftigt. Hierfür reist er zu sämtlichen WEC-Rennen, wie auch letzte Woche zum Saisonfinale der Serie in Bahrain. Überschneiden sich WEC-Rennen mit der Formel 1, greift der ORF auf andere Experten, darunter 2025 auch Tost, zurück.
Tost hatte schon bei seinem Debüt im April am Freitag beim Japan-GP mit Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Als der damalige Alpine-Pilot Jack Doohan zu Beginn des 2. Freien Trainings heftig verunfallte, übte Tost sofort harte Kritik, Doohan habe in der Formel 1 nichts verloren. Obwohl der nach dem schweren Einschlag noch im Auto saß. Einen diesbezüglich besorgten Einwand von Hausleitner tat Tost ab: "Da ist nichts passiert, der soll aussteigen."
Auch in seiner Zeit als Teamchef in der Formel 1 war Tost für seine schonungslose Natur bekannt. 18 Jahre lang führte er das erst als Toro Rosso, dann als AlphaTauri antretende B-Team von Red Bull an, ehe er sich Ende 2023 mit 67 Jahren in den Ruhestand verabschiedete.



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