Yuki Tsunoda läuft in dieser Saison langsam die Zeit davon, sich für eine Vertragsverlängerung bei Red Bull oder überhaupt ein Formel-1-Cockpit zu empfehlen. Das Rennwochenende in Brasilien verschaffte in dieser Hinsicht wenig Abhilfe. Denn schon am Freitag und Samstag fehlte ihm die Pace, seine Setup-Experimente für Max Verstappen im Sprintrennen verliefen bestenfalls ertragslos. Der Niederländer musste das 'Tsunoda-Setup' erst in Parc Ferme abstreifen, um im Rennen den Qualifying-Schaden bravourös zu glätten.
Für Tsunoda setzte das Rennen am Sonntag einem ohnehin durchwachsenen Wochenende schließlich die Krone auf und ließ den Japaner frustriert zurück. "Für mich hat dieses Wochenende überhaupt nichts funktioniert", bilanzierte er nach dem Grand Prix in Sao Paulo. Dabei gingen die Probleme für Tsunoda schon nach wenigen Runden los, wobei der Fahrer, der auf P17 in den Grand Prix gestartet war, alles andere als unschuldig daran war.
Tsunoda kassiert Strafe nach Stroll-Dreher: Habe Kontakt nicht wahrgenommen
Denn nach dem Safety-Car-Restart in Runde 6 verlor Tsunoda vor Turn 8 kurz die Kontrolle über seinen RB21, schlitterte innen an seinem Vordermann Franco Colapinto vorbei und traf anschließend Lance Stroll am Heck, der sich rausdrehte. Eine leichte Berührung hatte genügt. "Ich habe den Kontakt nicht einmal wahrgenommen", gestand Tsunoda.
Die Folge war eine 10-Sekunden-Zeitstrafe für ihn. Diese war wie üblich direkt vor dem nächsten Boxenstopp abzugelten. Doch als Tsunoda die Strafe in Runde 24 antrat, schraubte ein Mechaniker schon das linke Hinterrad ab. Klarer Regelverstoß - eine weitere 10-Sekunden-Strafe war die Folge.
Spätestens mit diesen beiden Strafen war Tsunoda, der davor boxenstoppbereinigt ohnehin nur auf P14 (und somit weit außerhalb der Punkte) unterwegs war, endgültig aus dem Kampf um etwas Zählbares und fuhr einsam am Ende des Feldes weiter. Das Endresultat war P17 und somit der letzte Rang. Nach einem Nuller im Sprint und zwei Q1-Ausfällen. Wenig überraschend also, dass Tsunoda nach dem Rennen davon sprach, dass es "eines der schlimmsten Wochenenden" seiner Karriere war.
Yuki Tsunoda sieht einen positiven Aspekt an seinem Formel-1-Rennen
Dennoch gelang es ihm, dem Formel-1-Rennen in Interlagos etwas Positives abzugewinnen. "Die Pace nachher [nach den Strafe, d. Red] war okay, vor allem im letzten Stint", sagte er. Eine Feststellung, der auch Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies zustimmte: "Sein letzter Stint in freier Fahrt war stark. Man kann ja selbst nachrechnen. Wenn man das Ergebnis nimmt und zweimal zehn Sekunden rausrechnet, dann landet man in einem guten Kampf um die Punkte."
Tsunoda kam mit 1:09,176 Minuten Rückstand auf Rennsieger Lando Norris ins Ziel. Minus zwanzig Sekunden, also 49,176 Sekunden. Das wäre in der Theorie P7 vor Liam Lawson. Aber natürlich ist das nur blanke Theorie und Mekies selbst ist wohl bewusst, dass solch eine Berechnung keine Aussagekraft besitzt. Denn Tsunoda befand sich am Ende des Feldes logischerweise in einer verkehrsbefreiten Zone, fuhr dementsprechend nie in verwirbelter Luft und war in keine Zweikämpfe involviert.
Der Stint lässt sich in nackten Zahlen mit jenem von Esteban Ocon vergleichen, der genauso wie Yuki Tsunoda in Runde 47 zum letzten Mal stoppte, ebenfalls Medium-Reifen aufgesteckt bekam und bis Runde 65 ebenfalls keinen Verkehr hatte - also eine ideale Referenz bildet.
Tsunoda nahm dem Franzosen in diesem Zeitraum durchschnittlich 0,149 Sekunden pro Umlauf ab. Wie sehr der langsamere Haas-Pilot eine Messlatte für den Red-Bull-Fahrer darstellt, steht auf einem anderen Blatt Papier.
Yuki Tsunoda bleiben noch drei Rennen, um sich für einen Formel-1-Verbleib zu empfehlen. Nach dem Rennen in Abu Dhabi soll innerhalb der Red-Bull-Führungsebene die Entscheidung fallen, wer im kommenden Jahr den zweiten Sitz bei Red Bull Racing und die beiden Cockpits bei den Racing Bulls bekommt. Vier Kandidaten stehen zur Auswahl - darunter auch Tsunoda. Hier könnt ihr mehr zu diesen erfahren:



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