Max Verstappen ist nicht nur der derzeit beste Formel-1-Fahrer im Feld, er ist auch ein echter Motorsport-Enthusiast. Das ist nicht erst bekannt, seitdem er in diesem Jahr seinen Schritt auf die Nürburgring-Nordschleife gewagt hat, aber sein NLS-Abenteuer unterstreicht es nochmal. Nachdem er zwischen Italien und Baku mit einem Start in einem GT4-Auto seine Permit erreicht hat, geht er heute erstmals unter Rennbedingungen mit einem GT3-Ferrari an den Start.

Der Niederländer macht das zwar nur als Hobby, wie er selbst betont, er ist sich aber sicher der Signalwirkung über die Motorsport-Welt hinaus bewusst: Rennfahren ist nicht nur Formel 1, sondern hat viel mehr zu bieten. Beim GP-Wochenende in Aserbaidschan riet er deshalb jungen Rennfahrern, dass sie sich nicht nur auf die Königsklasse fixieren sollen.

Max Verstappens Tipp an den Formel-1-Nachwuchs: Hält euch alle Türen offen

"Einigen Fahrern, die ich kenne, und die alle von der Formel 1 träumen, gebe ich immer einen Tipp auf den Weg: Hält euch eure Optionen offen, nur für den Fall", so Verstappen. "Denn es funktioniert nicht immer und nicht jeder bekommt die Möglichkeit, auch wenn man vielleicht gut genug wäre, und im Langstrecken-Rennsport gibt es auch viele Möglichkeiten eine gute Karriere zu haben", erklärt er.

Ein weiser Ratschlag des vierfachen Weltmeisters, der in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade auf der Nordschleife unterwegs ist oder eines seiner GT3-Autos auf einer anderen Strecke testet, immer noch leidenschaftlich gerne Simracing betreibt. In der aktuellen Motorsport-Generation ist der Tipp erst recht gut, denn mit der boomenden Langstreckenszene oder der Formel E gibt es derzeit deutlich mehr Möglichkeiten für Rennfahrer nach dem Ende ihrer Nachwuchs-Karriere professionell mit Motorsport Geld zu verdienen. Vor 15 bis 20 Jahren existierten noch weniger Alternativen und damit weniger Cockpits.

Junioren auf Formel 1 fixiert? Verstappen: Als würde man gegen eine Wand reden

Dennoch ist es kein Geheimnis, dass vielfach bei Formel-2- oder Formel-3-Piloten das Motto lautet: Königsklasse oder nichts. Verstappen gefällt diese Einstellung nicht, aber er glaubt, dass es häufig zwecklos sei, junge Piloten davon abzubringen. "Wenn das Mindset auf die Formel 1 gerichtet ist und jemand diese Fixierung nicht ändern will, dann ist es, als ob man gegen eine Wand reden würde", so der Red-Bull-Fahrer.

"Blind nur auf die Formel 1 zu starren kann manchmal eine Gefahr sein", warnt er. Finanziell ohnehin. Cockpits in der Formel 2 kosten in der Regel mehrere Millionen Euro pro Saison, auch in der Formel 3 sind siebenstellige Beträge pro Jahr inzwischen Standard. Dagegen wirken die Preisgelder, welche die Top-5 in der Formel 3 ab 2025 für einen F2-Aufstieg erhalten, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Sogar ein Jahr im internationalen Kartsport kann Kosten von mehreren Hunderttausend Euro verursachen. Im Kartsport war Verstappen in seiner Jugend viele Jahre selbst aktiv, ehe er 2014 im Alter von 16 Jahren sein erstes Formelrennen fuhr und im Schnelldurchlauf nach nur einer Saison in der europäischen Formel 3 direkt in die Formel 1 aufstieg.

Auch wenn das inzwischen über zehn Jaher her ist, kann Verstappen gut nachvollziehen, wie es Nachwuchspiloten ergeht. Dennoch sollten diese auch ihren Horizont erweitern und andere Disziplinen ausprobieren, rät Verstappen, der einen GT3-Rennstall besitzt: "Ich weiß, dass viele Fahrer davon träumen hier [in der Formel 1] zu sein und es ist nicht so einfach seinen Traum aufzugeben. Aber ich habe immer das Gefühl, sobald ein Fahrer realisiert, dass er es womöglich nicht in die Formel 1 schafft und dann ein GT3-Auto, ein Hypercar oder etwas ähnliches ausprobiert, dann können sie sich auch darin verlieben."