Für Ferrari erwies sich das Formel-1-Qualifying in Baku als kompletter Reinfall. Nach einem hoffnungsvollen Freitag, bei dem man zumindest auf dem Zeitentableau den besten Eindruck hinterließ, rasselte Lewis Hamilton am Samstag am Q3-Einzug vorbei, Charles Leclerc versenkte seinen Boliden im entscheidenden Segment in der Wand.
Doch auch schon davor haderte der Monegasse, der in den letzten Jahren in Baku das Maß aller Dinge gewesen war, mit der Performance seines Boliden. Dabei kristallisierte sich ein paradoxes Bild zwischen den beiden Scuderia-Piloten heraus: Leclerc hatte im Training alle drei Medium-Reifen für das Qualifying gespart, dort kam er mit diesen aber nicht zurecht. Hamilton hatte diese Sparmaßnahme nicht vorgenommen, und beklagte, dass er schließlich am Samstagnachmittag mit eben jenem C5-Reifen gar nicht erst eine Chance bekam.
"Medium-Reifen viel schneller": Trotzdem bekommt Hamilton sie im Qualifying nie
"Der Medium-Reifen war einfach viel schneller", gab sich der Brite überzeugt und schob den schwarzen Peter seiner Mannschaft zu: "Das Team hat entschieden, dass ich in FP2 auf dem Medium fahren würde." Gleichzeitig sparten sich nicht nur Leclerc, sondern auch der Großteil der Spitzenfahrer diese Ausfahrt und wählten dafür Soft.
"Wir wussten, dass der Medium etwa drei Zehntel schneller war. Er hat sich großartig angefühlt und wir hätten ihn in Q2 fahren sollen", ärgerte Hamilton sich rückblickend betrachtet. Denn für die Qualifikation sparte sich Ferrari jene Mischung bei Hamilton für Q3 auf. Nur mit dem Problem, dass Hamilton auf angefahrenen Softs - auf seinen ersten Runden kamen ihm äußere Umstände in den Weg - den Sprung erst gar nicht schaffte.
Der Rekord-Weltmeister ist sich sicher, dass ihm diese Risikovariante nicht nur Q3 kostete, sondern um einen Kampf ganz vorne brachte. "Ich dachte ehrlich, dass ich heute um die Top-3 mitfahren könnte", sagte Hamilton und setzte noch einen drauf: "Ich dachte, ich könnte in der Lage sein, die Pole zu holen. Das habe ich in diesem Jahr noch nie so empfunden."
"Ich denke nicht, dass es an meinem Fahrerischen lag, [dass ich nur auf P12 landete]. Die Ausführung ["execution"] hätte besser sein müssen", deutete Hamilton erneut Unzufriedenheit mit der Entscheidung seines Teams an. Doch ob die Reifenkalkulation des ehemaligen Mercedes-Piloten tatsächlich zutrifft, kann dieser nach dem Qualifying eigentlich kaum beurteilen. Denn Hamilton bekam die C5 ja überhaupt nie aufgesteckt. Auch Leclerc war davon ausgegangen, dass diese die bessere Wahl wären. Der Monegasse konnte schließlich jedoch aus erster Hand feststellen, dass dies in seinem Fall ein Trugschluss war, Hamilton erhielt diese Möglichkeit erst gar nicht.
Prinzip Hoffnung bei Ferrari: Was geht von Startplatz 12?
Die Hoffnung stirbt aber auch im Falle von Lewis Hamilton zuletzt. P12 im Baku-Qualifying ist kein Todesurteil, denn der Straßenkurs in der Kaukasus-Metropole ist dafür bekannt, dass er gute Überholgelegenheiten bietet. Die wild durcheinandergewürfelte Startaufstellung an der Spitze bietet zusätzliches Potenzial für einen ereignisreichen Grand Prix.
"Meine Pace [im Longrun] im FP2 war ordentlich. Deshalb hoffe ich sehr darauf, dass wir morgen auch eine ordentliche Pace haben werden", so Hamilton. "Wir sind auf der Geraden schnell und hier kann ohnehin so viel passieren mit Safety Cars. Da kann die Strategie ins Spiel kommen", prognostiziert er. Ersteres stimmt auf jeden Fall. Im Qualifying bewegten sich die beiden Maranello-Piloten bei den Topspeed-Messungen durchwegs im oberen Drittel.



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