2019 wurde zum letzten Mal ein Großer Preis von Deutschland ausgetragen, durch die Corona-Pandemie gab es als Eifel GP ein außergewöhnliches Comeback auf dem Nürburgring. Von der Landkarte der Formel 1 ist Deutschland seither verschwunden. Das könnte sich nun ändern.
F1-Boss Stefano Domenicali sprach vor dem GP in Monza mit italienischen Medienvertretern über mögliche Austragungsorte und verriet: "Portugal, Türkei und kürzlich auch Hockenheim - das neue Besitzer hat - zeigen Interesse."
Erst im Juni wurde der Deal zwischen der Stadt Hockenheim und einer Investorengruppe notariell beglaubigt. Seither hält die emodrom Gruppe drei Viertel am Hockenheimring. Offenbar haben sich dadurch die Chancen für die deutschen Formel-1-Fans auf einen Heim-GP vergrößert.
"Mit unserer neuen Struktur gibt es sicherlich etwas andere Möglichkeiten und das Thema kann neu aufgerollt werden", bestätigte Hockenheimring-Geschäftsführer Jorn Teske im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Die Gesellschafter haben Benzin im Blut und Interesse am Thema Formel 1 - grundsätzlich gilt aber weiterhin, dass eine Austragung wirtschaftlich leistbar und sinnvoll sein müsste."
Damit hat sich eine grundsätzliche Prämisse bei den Verhandlungen nicht geändert. Doch der Hockenheimring scheint nun etwas mehr Spielraum zu haben. "Möglicherweise kann man mit der Formel 1 auch über eine Risikoteilung sprechen oder weitere Parteien mit ins Boot holen. Stefano Domenicali sagte erst kürzlich selbst, dass Geld zweitrangig ist", so Teske.
Auch für den Hockenheimring ist die finanzielle Bilanz nicht der einzige Parameter: "Für uns muss das Verhältnis passen. Am Ende muss nicht zwangsläufig ein Gewinn stehen, denn ein Formel-1-Rennen hat auch globale Abstrahleffekte und wirkt sich positiv auf das Image aus."

Wer steckt hinter den Hockenheim-Investoren?
Hinter emodrom stecken fünf mittelständische Unternehmen aus Süddeutschland, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt Geschäfte am Hockenheimring betreiben: Paravan (Autonomes Fahren, behindertengerechte Fahrzeugumbauten), Assenheimer (Mercedes-Autohäuser), Wirth (Immobilien), Dünkel (Kieswerket) und Timbra (Immobilien-Projektentwicklung) sind nicht nur mittelständische Unternehmen, sondern auch Motorsport-Ehtusiasten. Patrick Assenheimer, einer der Geschäftsführer, ist sogar selbst Rennfahrer.
Ob das reicht, die recht großen finanziellen Differenzen mit der Formel 1 zu überbrücken, ist fraglich. Aber der Kontakt scheint sich wieder etwas zu intensivieren, zuletzt wurde zu Beginn des Jahres ernsthaft zwischen Hockenheim und Formel 1 gesprochen. Nun kommt erneut Bewegung rein.
Deutsche Politik zeigt wieder Interesse an Formel 1
Aber nicht nur auf Seiten des Hockenheimrings haben sich die Dinge zuletzt zum Positiven gewandelt. Schien die Formel 1 vor einigen Jahren noch nicht mehr dem Zeitgeist in Deutschland zu entsprechen, stehen die Vorzeichen nun etwas anders.
"Politisch sind wieder positivere Signale zu vernehmen", spürt auch Teske, der aber keine Wunder erwartet: "Trotzdem ist es derzeit schwer vorstellbar, dass man hier nennenswerte finanzielle Unterstützung erwarten kann, schließlich gibt es auf politischer Ebene vielschichtige andere Probleme."
Sollten sich Hockenheim und Formel 1 finanziell einig werden, steht einem Comeback der Königsklasse im Mutterland des Automobils nichts mehr im Weg. "Wir könnten einen Grand Prix recht schnell austragen, die Rennstrecke ist bereit dafür und verfügt nach wie vor über eine Grade 1 Lizenz der FIA", so Teske.
Außerdem wollen die neuen Gesellschafter in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro in die Anlage am Hockenheimring investieren. Die Strecke könnte dadurch an Attraktivität für Liberty Media gewinnen. Der Trend ging zuletzt immer weiter in Richtung Stadtkursen, wo Fans und VIPs neben Rennaction auch Millionenmetropolen genießen können. Die große Kreisstadt Hockenheim kann hier nur bedingt mit Las Vegas, Madrid und Co. konkurrieren.



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