Cadillac verkündete am Dienstag offiziell seine Fahrerpaarung für den Formel-1-Einstieg 2026 und brach damit endgültig mit einem Versprechen, das das US-Team noch bis vor einem halben Jahr aufrechterhalten hatte. Nämlich jenem, dass der Einstieg mit einem jungen Fahrer erfolgen werde. Stattdessen setzt man nun mit Sergio Perez und Valtteri Bottas auf eine geballte Ladung F1-Erfahrung.

Auch nichts wird es somit aus dem einstigen Plan, dass ein US-Amerikaner mit Cadillac in die Formel 1 kommen werde. Teamchef Graeme Lowdon erklärte am Tag der Fahrer-Verkündung, warum man diese einstigen Pläne in den Wind geschlagen hat. "Wir haben im Moment viel zu tun. Deshalb müssen wir einen Schritt nach dem anderen machen."

Cadillac plant mit Formel-1-Nachwuchsprogramm, hat aber keine Eile

Die mittelmäßige Auswahl am Nachwuchsfahrer-Markt sowie die schwachen Optionen an US-Piloten trugen ihren Teil dazu bei, dass Erfahrung in den Vordergrund gestellt wurde. Doch das soll kein Dauerzustand sein. In Zukunft plant Cadillac auch mit einem Nachwuchs-Programm aktiv zu werden. "Sobald es an der Zeit ist", wie Lowdon es formulierte.

"Wir beabsichtigen, eine Art von Nachwuchsfahrer-Programm zu haben. Das ist etwas, woran wir glauben und worin wir investieren wollen", betonte der Brite. Doch im Vergleich zu der anstehenden Mammut-Aufgabe eines Formel-1-Einstiegs in nur wenigen Monaten stellt man diese Pläne wenig überraschend noch hinten an.

Cadillac F1: Erfahrung für Aufbau wichtig

Der ehemalige Marussia-Teamleiter betonte: "Ich hatte bereits das Glück, ein neues Team in die Formel 1 zu bringen, und ich weiß, dass es verschiedene Faktoren gibt, bei denen Fahrer wirklich einen Unterschied machen können, und dass unterschiedliche Eigenschaften der Fahrer einen Unterschied machen können. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir uns für Valtteri und Checo entschieden haben", betonte Lowdon die wertvolle Erfahrung als ausschlaggebenden Punkt.

Von den zehn F1-Teams können neun auf Nachwuchsteam zurückgreifen, wobei sich natürlich die zwei Red-Bull-Rennställe ein Programm teilen. Nur Haas kommt komplett ohne Junior-Programm aus, Sauber hat seine Academy auf ein Minimum geschrumpft. Für das Selbstverständnis eines Werksteams, wie es Cadillac sein wird, ist es also unumgänglich, dass man auch auf dem Nachwuchsmarkt seinen Hut in den Ring wirft.

Zumal das einstige Andretti-Team ja schon über eine gewisse Vorarbeit verfügt. In den USA betreibt Andretti ein Nachwuchs-Programm, das vor allem in Richtung Indycar ausgelegt ist. Mitglieder darin sind unter anderem die beiden Söhne des 2011 bei einem Unfall verstorbenen zweifachen Indy-500-Champions Dan Wheldon. Mit dem Cadillac-Programm aus der Formel 1 steht das Programm aber (noch) in keinem Zusammenhang.

Kein Formel-1-Cockpit nach Nationalität

Einen US-Fahrer in die Formel 1 zu bringen, wäre natürlich ein unschätzbarer kommerzieller Mehrwert für die nordamerikanische Automarke. Lowdon sagte: "Aus Sicht der Fans wissen wir aus deren Rückmeldungen, dass sie gerne einen amerikanischen Fahrer in einem amerikanischen Team mit einem amerikanischen Motor sehen würden. Das könnte durchaus passieren."

Allerdings soll diese Besetzung keinesfalls anhand des Reisepasses vorgenommen werden. "Wir haben immer wieder betont, dass jeder im Team, wirklich jeder, einschließlich der Fahrer, aufgrund seiner Leistungen ausgewählt wird", stellte Lowdon klar, "und wir sehen keinen Grund, warum in der Zukunft nicht ein US-Fahrer genauso aufgrund seiner Leistungen ausgewählt werden könnte."

Im Moment fehlen aber die aussichtsreichen Kandidaten dafür. Alle US-amerikanischen Fahrer in der Indycar-Serie können ohnehin keine Superlizenz vorweisen. In der Formel 2 hat Aston-Martin-Junior Jak Crawford als einziger Kandidat drei Jahre benötigt, ehe er sich in den Titelkampf fahren konnte.

Geht Mick Schumacher doch noch zu Cadillac? Teamchef: Ersatzfahrer offen

Auch die Wahl für den Ersatzpiloten ist noch nicht getroffen worden. Unbestätigte Gerüchte sehen dabei Mick Schumacher in einer guten Position. Der derzeitige WEC-Pilot von Alpine könnt gleichzeitig auch in das Sportwagen-Programm des GM-Herstellers wechseln, so die Spekulationen.

Lowdon will davon aber noch nichts wissen. "Wir haben nicht nur noch keine Reserve-Fahrer ausgewählt, sondern auch noch keine Simulator-Fahrer", stellte er klar. "Es gibt viele Rollen hinter den Kulissen, deren Besetzung noch im Gange ist", so Lowdon. "Wir können uns also alle auf weitere Fahrer-Ankündigungen des Formel-1-Teams von Cadillac freuen", verspricht er.