Williams hätte bei der Formel 1 in Imola sein bestes Einzel-Ergebnis seit dem Belgien-GP 2021 erzielen können. Kurz vor Rennende fand sich Alexander Albon – quasi unter Sprint-Bedingungen – im Kampf um Platz vier wieder. Sogar ein Podium war in Sichtweite, doch ein beinhartes Duell Charles Leclerc um Platz 4 ließ diesen Traum platzen.

Alex Albon vs. Charles Leclerc: Wenn zwei sich streiten, freut sich Lewis Hamilton

17 Runden vor Rennende befand sich Albon auf Position 4, Hamilton und Leclerc lauerten hinter dem Williams-Piloten. Da die Ferrari mit einigen Sekunden Abstand auf gleich alten Reifen wie Albon unterwegs fahren, schien das Endergebnis so gut wie festzustehen. Der Ausfall von Kimi Antonelli und das daraus resultierende Safety-Car mischten die Karten jedoch neu.

Albon und Hamilton nutzten die SC-Phase, um sich neue Pneus abzuholen, Leclerc blieb auf seinen etwa 15 Runden alten Reifen auf der Strecke – nicht ganz freiwillig. „Wir konnten keine anderen Reifen aufziehen, weil wir keine [geeigneten, Anm. d. Red.] mehr hatten“, erklärte der Monegasse. Vor dem Restart in Runde 54 fand sich Leclerc zwar vor Albon und seinem Teamkollegen auf P4 wieder. Trotz stumpfer Waffen kämpfte Leclerc mit allen Mitteln, um seine Position gegen Albon zu verteidigen.

Albon versuchte, sich auf der Außenbahn an dem Ferrari-Piloten vorbeizukämpfen. Leclerc hielt dagegen, Albon ging letztlich der Platz aus und er musste durchs Kiesbett ausweichen. Durch seinen Ausritt verlor er seine Position an Hamilton, der den Zweikampf auf frischen Reifen aus der Lauerstellung verfolgte und sich kurz darauf P4 unter den Nagel riss. Somit fand sich Albon abermals hinter Leclerc wieder.

Die beiden Ferrari Charles Leclerc und Lewis Hamilton vor Alexander Albon im Williams
Kurzzeitig lag Albon hinter beiden Ferrari, Foto: IMAGO / HochZwei

Charles Leclerc mit Mammutaufgabe in Schlusssprint: War am Limit

„Es war extrem schwer, die Autos hinter mir zu halten und im Zweikampf mit Alex war ich sehr am Limit – das war mir bewusst“, schilderte Leclerc. „Ich bin in die Kurve gefahren und wusste, dass es knifflig werden würde, aber sobald man seinen Bremspunkt festgelegt hat, gibt es kein Zurück mehr.“

Auf Schuldzuweisungen verzichtete der achtfache GP-Sieger. „Ich werde mir nochmal die Aufnahmen ansehen. Ich bin immer sehr ehrlich mit mir selbst: Wenn ich glaube, dass ich einen Fehler gemacht habe, werde ich Alex das auch sagen.“ Für ihn steht jedoch fest: „Ich habe bis zum Ende alles gegeben und das bereue ich nicht.“

Um dem Risiko einer Strafe zu entgehen und dadurch möglicherweise noch mehr Positionen zu verlieren, wies Ferrari Leclerc an, die Position gegen Albon zurückzugeben. So müssen sich die beiden letztlich mit den Rängen fünf und sechs begnügen.

„Der Vorfall wurde untersucht. Wir haben befürchtet, dass eine Strafe ausgesprochen werden würde - und mit einer Fünf-Sekunden-Strafe wäre Charles Zehnter oder Elfter geworden“, erklärte Ferrari-Teamchef Fred Vasseur, den Gedankengang am Kommandostand.

Alexander Albon: Hätte dasselbe gemacht!

„Ich hätte in Charles Position dasselbe getan“, sagte Albon über besagte Szene. „Ich glaube nicht, dass er irgendetwas Verrücktes gemacht hat.“ Dennoch wurmte es den Thailänder auch noch einen Platz gegen Hamilton verloren zu haben: „Vielleicht hätte ich etwas geduldiger mit dem Manöver gegen Charles sein können.“

Im Eifer des Gefechts hatte der 29-Jährige allerdings ein ganz anderes Ziel: „Ich habe mich so gut gefühlt, dass ich dachte, ich könnte Oscar [Piastri] auf den alten Reifen vor mir jagen und vielleicht P3 einfahren. So gut war die Pace in den neuen Reifen.“ Sein Fazit zum chaotischen Rennen in Imola: „Ich bin trotzdem sehr zufrieden mit dem Rennen. Vom Tempo her waren wir heute auf P4, P5 unterwegs.“

Für das Traditionsteam aus Grove ein großer Erfolg. Auch Carlos Sainz, dem der Rennverlauf nicht in die Karten spielte, gelang mit P8 ein weiteres Punkte-Ergebnis. Tatsächlich gelang es Williams in den letzten drei Grands Prix mit beiden Autos zu punkten. Mittlerweile beträgt der Abstand zum ärgsten Mittelfeld-Gegner Haas in der Teamwertung bereits 31 Punkte.

Um wirklich um ein Podest zu kämpfen, wäre die Zeit für Albon ohnehin knapp geworden. Die Safety-Car-Phase vor dem Schlussprint in Imola dauerte nämlich unverhältnismäßig lange. Warum? Das könnt ihr hier nachlesen: