Bislang ist die Haas-Saison 2025 eine dramatische. Beim Saisonauftakt der Formel 1 in Australien ging es völlig daneben für die Mannschaft von Teamchef Ayao Komatsu, mit mehreren Zehnteln Rückstand waren sie Letzter. Dass sie in China plötzlich mit 14 Punkten dick absahnten, trug überhaupt nicht zur Entspannung bei. Es ist eine technische Krise - welche das Team mit Hochrisiko-Strategie schon in Japan entschärfen will.

Hochrisiko bedeutet konkret, dass Haas für das dritte Rennen bereits eine Ausbaustufe des Unterbodens im Gepäck hat. Es ist eine Evolution des bisherigen Designs. Besonders daran: Sie ist nicht geplant. Als das Team in Melbourne in massive Probleme mit einem in schnellen Kurven hüpfenden Auto geriet, war man nämlich völlig überrascht.

"Wir mussten irgendetwas bringen", erklärt Teamchef Komatsu. "Hier einfach mit dem gleichen Auto anzukommen wie in Melbourne und das Beste hoffen geht nicht." Denn die Rennstrecke in Suzuka ist voll mit schnellen Kurven. Wenn hier die gleichen Probleme auftreten wie in Kurve 10 in Australien - wo das Team schätzte, dass man pro Runde selbst mit dem bestmöglichen Setup vier Zehntel verlor - ist man geliefert.

Haas entwickelt Japan-Update-Schnellschuss ohne Beweise

"Es ist eine Ermessensentscheidung in Sachen Risikomanagement, denn den Prozess so zu verkürzen kann schrecklich schiefgehen", erklärt Komatsu. Das Team folgte nicht dem üblichen Prozess der Entwicklung: "Mit unserem besten Verständnis wählten wir zuerst die Richtung. Dann haben wir es rückblickend im Windkanal getestet und bestätigt, dass die Richtung stimmt."

"Wir haben uns einfach auf unsere Aero-Jungs, auf unsere Designer verlassen", lobt Komatsu seine Mannschaft. "Jeder hat sein jüngstes Verständnis eingebracht, ohne Beweise. Wir mussten es sofort designen, sonst hätten wir es nicht rechtzeitig hergebracht."

Ausfall von Oliver Bearman im Haas
Der Haas war für seine Fahrer in Australien sehr schwer fahrbar, Foto: IMAGO / Xinhua

Erster Etappensieg war, dass der Windkanal-Test erfolgreich war. Aber zwischen Windkanal, Simulationen und Realität kann erst recht bei so einem Schnellschuss leicht etwas verschüttgehen. "Es kann auch totaler Mist sein, aber ich hoffe nicht!", so Komatsu. "Ob es ein Prozent oder 15 Prozent besser sein wird, kann ich nicht sagen. Es kann hier so schlimm sein wie in Melbourne, oder noch besser als in Shanghai! Was richtig Sorgen macht, ist, dass wir es wissen, sobald wir durch Sektor 1 fahren."

Haas räumt ein: Unsere Prozesse waren nicht ausreichend

Das Problem des Haas VF-25 ist im Detail, dass er in schnellen Passagen zu hüpfen beginnt. Das berüchtigte Bouncing-Phänomen, wie es die Formel 1 seit 2022 in der Ground-Effect-Ära eigentlich kennt - aber immer noch nicht verlässlich vorhersagen kann. "Ich dachte, wir hätten einen guten Prozess eingerichtet, aber Melbourne zeigte, dass wir das nicht haben", räumt Komatsu ein. "Das Auto ist verglichen mit dem Vorjahr kein anderes Konzept, aber sobald du es über einen gewissen Punkt in einen nicht zu 100 Prozent verstandenen Bereich hineinentwickelst, kann dir genau das passieren."

Tatsächlich ging das Team rückblickend noch einmal alle Daten des VF-25 durch. "Vielleicht haben wir Anzeichen in Kurve 12 von Bahrain gesehen, aber weil die locker voll geht, hat es keine Rundenzeit gekostet", erklärt Komatsu. Das Problem mit dem Bouncing ist, dass es nur bei spezifischen Bedingungen tatsächlich auch so auftritt, dass es das Auto destabilisiert und dem Fahrer damit Vertrauen und Zeit kostet.

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In China ermöglichte der ebene Asphalt Haas es, das Auto so abzustimmen, dass man das Problem dort in den Highspeed-Passagen umgehen konnte: "Wenn wir das Auto so abstimmen können, wie wir wollen, dann haben wir Unmengen an Abtrieb in schnellen Kurven." In Australien ging das nicht. In Japan hätte es wahrscheinlich ohne das Update auch nicht geklappt.

Hätte Haas viel Zeit und Ressourcen, so wäre die beste Lösung wohl ein komplett neuer Unterboden, meint Komatsu. Aber in diesem kurzen Zeitrahmen ist das natürlich unmöglich. Wie auch die Vorhersagen. Zusätzlich wurde in Japan der entscheidende Sektor noch neu asphaltiert: "Alle kleinen Unterschiede können entscheiden. Und auch eine Katastrophe sein."