Keine Frage, der sechste Platz in Baku ist das bei weitem beste Ergebnis von Yuki Tsunoda seit seinem Wechsel zu Red Bull. Zum ersten Mal fuhr er beim Aserbaidschan-GP durchwegs in der Spitzengruppe der Formel 1 mit. Trotzdem landet er wieder hinter einem Racing Bull. Denn der Angriff auf Liam Lawson wird ihm zu haarig.
"Es ist absolut sein bestes Rennen mit uns", lobt Teamchef Laurent Mekies erst einmal, auch wenn Tsunoda im Qualifying und im Rennen immer noch weit von Polesetter und Sieger Max Verstappen weg war. "Er war stark gestern im Qualifying, er war sehr stark im Rennen. Manchmal zwei, drei, kaum vier Zehntel weg von Max, und Max ist allen davongefahren."
"Wir dachten, er würde sich hart gegen McLaren und Ferrari wehren müssen, um Max beim Sieg zu helfen, aber er musste sich gar nicht verteidigen, er war verdient vor ihnen", urteilt Mekies. Tsunoda kämpfte zu Beginn des Rennens schon mit den Mercedes, überholte beim Restart auch kurz einmal George Russell. Den letztendlichen Zweiten konnte er jedoch nicht halten.
Yuki Tsunoda im Lawson-Fight passiv: Will Norris nicht die Tür öffnen
Danach fuhr Tsunoda mit Hard-Medium ein solides Rennen. Erst hielt er Charles Leclerc hinter sich, dann Lando Norris auf Abstand, dann kam er zum Stopp - doch der Overcut ging nicht ganz auf. Neben Liam Lawson aus dem Schwesterteam kehrte er zurück auf die Strecke, aber mit wärmeren Reifen konnte sich der Racing-Bulls-Pilot sofort hin zu Kurve 3 am Red Bull vorbeischieben.


"Wäre ich etwas schneller wieder rausgekommen, hätte ich Liam hinter mir halten können", meint Tsunoda. Auf dem Papier hatte er aber in einem besseren Auto mit 18 Runden frischeren Reifen immer noch gute Karten, um Lawson zu überholen. Und er blieb auch bis ins Ziel stets im DRS-Fenster und war mehrmals knapp dran, scherte aber nie ernsthaft aus. Mehr zu Lawsons Rennen gibt es hier:
"Es gab wohl ein paar Chancen, wenn ich zurückblicke, aber es ist ein Stadtkurs, und die Innenbahn ist schmutzig", verteidigt sich Tsunoda. Und in seinem Rückspiegel lauerte der McLaren von Lando Norris: "Ich kann kein aggressives Manöver machen, wegen dem wir dann womöglich beide unsere Plätze an Lando verlieren. Das würde Red Bull insgesamt schaden, einen McLaren durchzulassen. Zwei Autos vor McLaren ist das Wichtigste für die Red-Bull-Familie."
"Ich hatte viele Emotionen, wollte ihn überholen, irgendwas Heroisches machen, aber nicht jetzt", hält sich Tsunoda im Zaum. So blieb es bei Platz sechs mit 33 Sekunden Rückstand auf den Sieger Verstappen. Hätte er einen Angriff gewagt und geschafft, so hätte er womöglich sogar noch die Lücke zum ebenfalls auf viel älteren Reifen fahrenden Kimi Antonelli 12 Sekunden vor ihm zufahren können.
Yuki Tsunoda sieht Durchbruch bestätigt: Endlich auch im Rennen stark
Doch letztendlich sind diese 8 Punkte ein echter Etappensieg für Tsunoda und auch für ihn selbst viel zu wertvoll, um sie zu riskieren. Zum ersten Mal seit Monaten schien er den Red Bull im Renn-Trimm im Griff zu haben. "Besonders im Longrun konnte ich mich dieses Wochenende massiv verbessern. Auch intern wurde ich vom Team unterstützt, um Änderungen am Auto vorzunehmen, welche den Longrun heute stark beeinflusst haben."
Nachdem er wochenlang in diesem Bereich gehadert hatte, stellte Tsunoda hierfür bis Baku einiges um: "Ich habe diesen neuen Ansatz erst begonnen, die Qualität ist noch nicht auf dem Level von Max, aber Schritt für Schritt kommt es. Ich war nicht so weit weg wie in den letzten Wochen. Definitiv positiv, und ich habe mich auch selbst verbessert, mit mehr Simulator-Arbeit. Das macht sich denke ich bezahlt."
Teamchef Mekies unterstreicht: "Ich freue mich sehr für ihn. Er arbeitet sehr hart, hat nie nachgelassen. Nach Budapest ist er direkt in den Simulator anstatt in den Urlaub, am nächsten Tag. Das ist sein Ansatz. An jedem Wochenende, an dem er nicht fährt, arbeitet er mit seinen Ingenieuren, arbeitet er am Auto."
Der Aufschwung muss jetzt auch anhalten, wenn Tsunoda für 2026 in der Formel 1 bleiben will. "Dieser Sport dreht sich ums Selbstvertrauen, und das von Yuki war heute sicher höher", meint Mekies. "Wir haben Zeit. Wir werden nicht bis Abu Dhabi warten, aber es sind noch ein paar Rennen."



diese Formel 1 Nachricht