"Ich wusste, dass eine Saison wie die letzte sehr unrealistisch sein würde, aber hatte ich das erwartet? Nicht wirklich", gesteht Max Verstappen vor dem Großen Preis von Italien in Monza. Seit einigen Rennen ist der RB20 nicht mehr das stärkste Auto im Feld, in Zandvoort wurde man vor einer Woche von Lando Norris und McLaren regelrecht vorgeführt.

"So wie wir die letzte Saison beendet und diese Saison begonnen haben, hätte ich das nicht erwartet", so Verstappen. Nach der absoluten Rekordsaison 2023 starten Verstappen und Red Bull sogar mit noch stärkerer Überlegenheit in die Formel-1-Saison 2024. Doch plötzlich war der Wurm drinnen.

Mit dem Imola-Update kam das Auto plötzlich - im wahrsten Sinne des Wortes - aus der Balance. Jedes Wochenende klagt Verstappen seither über die gleichen Probleme: Vorder- und Hinterachse passen nicht mehr zusammen. Das Setup soll daran nicht schuld sein: "Es liegt vor allem am Auto, bei den Möglichkeiten mit dem Setup sind wir eingeschränkt, das auszumerzen."

Doch auch ein Rückrüsten auf die alte, gute Variante ist nicht die Antwort auf Red Bulls Probleme, wie Verstappen glaubt: "Ich glaube nicht, dass wir dann schneller wären. Die anderen Teams haben ihre Autos sehr gut weiterentwickelt. Wenn wir unser Auto downgraden, um eine bessere Balance zu haben, wäre das nicht zwingend schneller über eine Runde."

Verstappen erwartet Singapur-Desaster 2.0 für Red Bull

Dabei schimpfte Verstappen in Imola noch vor allem über das Fahrverhalten über die Kerbs. Red Bull legte sogar extra einen TPC-Test mit dem 2022er Boliden ein, weil der Weltmeister schon beim damaligen Auto eine ähnliche Charakteristik erkannt haben will. "Aber das ist etwas anderes", erklärt Verstappen. Mit Balance und Fahrwerk hat Red Bull nun schon zwei Probleme, denn die Kerb-Thematik ist noch immer nicht gelöst.

Das könnte Red Bull vor allem in Singapur einholen. Dort waren die Bullen - trotz aller Dominanz auf den restliche Strecken - schon in der vergangenen Saison nicht konkurrenzfähig. "Wir haben jetzt schon auf normalen Strecken nicht das schnellste Auto, deshalb erwarte ich nicht, dass es in Singapur plötzlich fantastisch sein wird", fürchtet Verstappen.

Für Monza traut er sich keine Prognose abzugeben: "Durch den Umbau haben wir keine Referenzen mehr." Die Strecke wurde komplett neu asphaltiert und erhielt an einigen Stellen neue Kerbs, die die Streckencharakteristik stark beeinflussen dürften.

Angesichts des aktuellen Trends erscheint sogar die Weltmeisterschaft wieder spannend, obwohl der Niederländer auch nach Zandvoort noch satte 70 Punkte vor seinem ärgsten Rivalen Lando Norris liegt. "Es sind noch immer neun Rennen und ein paar Sprints", weiß Verstappen. "Das kann sich noch leicht drehen. Aber ich weiß auch, dass Lando dafür das perfekte Ende der Saison braucht. Und das ist ziemlich schwierig."

Max Verstappen über Red Bulls Probleme: Schwierig zu verstehen

Wie aber konnte Red Bull in verhältnismäßig kurzer Zeit so entthront werden? "Ich weiß es nicht und es ist schwierig zu verstehen, wo die Dinge falsch gelaufen sind", rätselt der 26-Jährige. Im Fahrerlager munkeln manche, es gäbe eine Korrelation mit dem bevorstehenden Abschied von Adrian Newey. Seit der Star-Designer seinen Abschied angekündigt hat, läuft es nicht mehr beim Weltmeisterteam.

Auch wenn Newey noch bis Anfang 2025 bei Red Bull ist, so wurde er von Teamchef Christian Horner schon vom Formel-1-Tagesgeschäft abgezogen. Verstappen widerspricht nur verhalten: "Normalerweise sollte das keinen Einfluss haben."

Pierre Wache ist bereits seit einigen Jahren Technischer Direktor bei Red Bull. Durch den Newey-Abschied rückt der Franzose aber verstärkt in den Fokus. In der Print-Ausgabe des Motorsport-Magazins spricht Wache ausführlich über seinen Werdegang und seine Bewunderung für Adrian Newey. Am besten schnell die neue Ausgabe bestellen, bevor sie ausverkauft ist!