Seit Wochen hadert McLaren in der Formel 1 damit, in einem siegfähigen Auto keine Siege einzufahren. In Ungarn wird der Job schwerer. Die mit einem großen Update angetretene Red-Bull-Konkurrenz offenbart sich in der Trainings-Analyse von Motorsport-Magazin.com tatsächlich wieder als brandgefährlich.

So offenbart ein Check der Daten nicht nur, dass Max Verstappen nicht tatsächlich 0,243 Sekunden hinter dem FP2-Pacesetter Lando Norris zurückliegt. Es tut sich auch die Frage nach der McLaren-Strategie für das Rennen auf. Ja, sogar schon nach nur zwei Trainings am Freitag.

Die Formel 1 kennt in Ungarn wieder nur zwei Schwergewichte

Klar ist, dass Norris (Trainings-Schnellster) und Verstappen (Zweiter) allen anderen wieder davonfahren. Und Verstappen eigentlich keinen Rückstand haben sollte, so analysiert bereits Dr. Helmut Marko: "Er hatte fast einen Quersteher in der zweiten Kurve, und wir sind nicht mit voller Motorleistung gefahren. Da wären wir schon bei der McLaren-Zeit dabei."

Tatsächlich hatte Norris auf seiner Qualifying-Simulation in FP2 eine schwache erste Kurve, eine andere Linie kostete ihm minimal Zeit. Verstappen aber verschätzte sich in Kurve zwei deutlich schlimmer. Mit einem zu aggressiven Gasstoß am Ausgang besiegelte er sein Schicksal. Das Defizit des Querstehers schleppte er die ganze nächste Vollgas-Passage mit, hatte bei der ersten Zwischenzeit 0,265 Sekunden Rückstand.

Red Bull-Fahrer Max Verstappen
Verstappen streute auf seiner besten Runde noch einen Fehler ein, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Über den Rest der Runde hielten sich die beiden die Waage, Verstappen konnte sich nur 22 Tausendstel zurückkämpfen. Bereinigt man alle Faktoren, erscheinen sie fast gleich schnell. Beide beklagten auch nach dem Training noch eine zu unberechenbare Balance ihrer Autos. Sonst spielt niemand vorne mit. Carlos Sainz, in FP1 noch Schnellster, riss in FP2 vier Zehntel auf, obwohl er wohl mit mehr Motorleistung fuhr.

Red Bull feiert Update & Longrun: Kampfansage in Richtung McLaren

Auf der Red-Bull-Seite ist man zufrieden mit dem großen Update-Paket, selbst wenn es Verstappen nicht wieder in eine klare Favoritenrolle katapultiert, sondern er lediglich weiter auf dem Norris-Level bleibt. Alles funktioniert wie erwartet. Dass Verstappen wie auch in vergangenen Rennen Balance-Probleme hat, nimmt Marko mit Schmunzeln: "Jammern auf höherem Niveau."

Die Longruns stimmten erst recht positiv. Sergio Perez führt die Tabelle auf dem Medium-Reifen auch an, obwohl er einen Teil des Updates nicht am Auto hat. Dieser Teil ist im Übrigen aber streckenspezifisch. Die wesentlichen Komponenten, 90 Prozent des Gesamtpakets, seien auch am Perez-Auto zu finden, so Marko.

Verstappen liegt zwar im Medium-Longrun etwas zurück, aber mit Absicht. Er begann in tiefen 24er-Zeiten, und beendete in tiefen 24er-Zeiten, ohne jeglichen Einbruch. Perez testete eine höhere Schlagzahl, und blieb trotzdem vorne. Zwischen den beiden landete Norris. Auch hier wird man ihn trotz Update nicht los. Doch er fuhr seinen Longrun auf Hard. Bei den hohen Temperaturen sorgt diese Entscheidung bei Red Bull für Verwunderung.

McLarens Reifenstrategie in Ungarn: Fehler schon am Freitag?

Denn jeder Fahrer bekommt an einem Wochenende nur zwei Sätze der harten Reifen. Wer einen davon schon am Freitag für Longruns verwendet, der kann den danach wegwerfen. Nur: In Ungarn wird es brutal heiß. Im 1. Training hatte der Asphalt 58 Grad. "Das war unter den fünf höchsten Temperaturen, die wir in den letzten 13, 14 Jahren gemessen haben", sagt Pirelli-Chefingenieur Simone Berra.

Die Hitze machte den Reifen durchwegs Probleme. Schon auf eine Runde. Zu leicht überhitzt man die Hinterreifen, was große Probleme mit Rutschphasen im letzten Sektor mit sich bringt. Im Longrun leiden die Hinterreifen genauso unter der Hitze. Auch Berra beobachtet daher interessiert, dass nur drei Teams - McLaren, Ferrari und Aston Martin - freiwillig einen der zwei Hard-Reifen verheizten. Der Rest sparte beide Sätze, um sich eine Medium-Hard-Hard-Strategie für das Rennen zu ermöglichen.

Ein klarer Fehler ist Medium-Hard-Medium für Berra aber nicht: "Ich denke, es könnte Sinn machen. Es hängt stark vom Team ab, was du im Rennen fährst. Letztes Jahr fuhren glaube ich die ersten vier oder fünf Medium-Hard-Medium. Der Medium war der bevorzugte Reifen. Und wir hatten da Streckentemperaturen von ungefähr 50 Grad." Dass der McLaren reifenschonend ist, haben die letzten Rennen gezeigt. Red Bull sparte sich übrigens als einziges Team zwei Hard und zwei Medium. Damit hat man noch beide Strategie-Optionen offen.

Ferrari & Mercedes hadern in Ungarn: Konkurrenz eine Nummer zu groß?

Die Verfolger von McLaren und Red Bull zweifeln, dass sie eine Rolle spielen. Carlos Sainz entwertete wie bereits angemerkt seinen dritten Platz selbst: "Wir sehen, dass die anderen in Q3 immer noch mehr aufdrehen als wir." Sein Teamkollege Charles Leclerc versenkte seinen SF-24 obendrauf in FP2 in der Leitplanke.

Im Dauerlauf war Sainz auf Medium nur unwesentlich schneller als Lewis Hamilton, obwohl der mit Soft fuhr und deutlich mehr Reifen-Management betreiben musste. Ferrari hatte einiges an Hoffnung in einen teilmodifizierten Unterboden gesetzt, sieht aber bisweilen eher bescheiden aus.

Charles Leclerc (Ferrari) nach dem Crash am Haken vom Abschleppwagen
Charles Leclerc flog im 2. Training ab, Foto: LAT Images

Mercedes gewann die letzten beiden Rennen, doch eines war Glück, und beim anderen half wohl das Wetter. Das scheint der Ungarn-Freitag zu beweisen: Der W15 hätte es lieber kühl. In der Hitze fehlte auf eine Runde eine halbe Sekunde. George Russells Longrun war nur zwei Zehntel von Verstappen weg, aber der fuhr wie gesagt sehr passiv. Bei Russell hingegen zeichnet sich im Trend bereits ein Einbruch ab.

Wirklich gut dabei ist also auch Mercedes nicht. Lewis Hamilton schränkt ein: "Es gab da ein spezifisches Ding, das wir für dieses Wochenende geändert haben, wo wir wohl zurückgehen müssen. Abgesehen davon war es recht eng. Die Pace der anderen Jungs konnte ich nicht gehen, aber die Longrun-Pace war recht solide."

Wie sieht es in Ungarn im Mittelfeld aus?

Auffällig weit vorne taucht in der Longrun-Tabelle in Ungarn das Mittelfeld auf. Pierre Gasly, Alex Albon und Valtteri Bottas schummeln sich hier trotz gleicher Reifen vor Ferrari. Das sollte aber nicht überbewertet werden. Wie Red Bull zeigte, experimentierten viele Teams heute mit den Reifen-Taktiken, schickten Fahrer auf unterschiedliche Programme, um die präzisen Auswirkungen der Hitze wirklich zu verstehen.

Das würfelt das Ergebnis etwas durch. Die vordere Mittelfeld-Gruppe dürfte wohl diese Pace nicht über einen echten Renn-Stint gehen können. Die passiveren Zeiten am Ende der Tabelle dürften repräsentativer sein.

Dort am Ende findet sich auch Oscar Piastri wieder. Er erlebte einen gebrauchten Tag: "Wir müssen einfach verstehen, was das Problem war." Er war weder im Longrun noch auf eine Runde dabei. Der Verdacht eines Fahrer-unabhängigen Problems drängt sich auf.