Das Sprint-Qualifying für den Großen Preis von Österreich entwickelte sich für Charles Leclerc in der entscheidenden Phase zu einem handfesten Desaster. Noch in der Boxengasse machte der Ferrari-Motor des Monegassen kurz vor Beginn seines entscheidenden SQ3-Laufs plötzlich schlapp. Kein Geräusch war von der Power-Unit mehr zu vernehmen und Leclerc verlor den Vortrieb. Immerhin konnte Leclerc seinen Boliden noch auf der rechten Seite von der Fast-Lane manövrieren und behinderte damit die restlichen Piloten nicht.

"Was zum Teufel passiert hier?", fragte Leclerc seinen Renningenieur aus dem Cockpit. "Wir haben den Anti-Stall genommen", entgegnete dieser. Daraufhin wurde Leclerc sarkastisch-schnippisch: "Dankeschön, aber Anti-Stall kann den Motor nicht abschalten. Der Motor ist komplett aus!"

Anti-Stall-System schaltet Ferrari-Motor ab - Leclerc setzt keine Zeit

Wie Leclerc bereits sagte, soll das Anti-Stall-System eines Formel-1-Boliden eigentlich genau das Abwürgen verhindern. Warum es die Ferrari-Power-Unit dennoch tat, sich auch Leclerc nicht erklären. "Ich weiß nicht was passiert ist", sprach er nach dem Sprint-Qualifying. "Ich habe den Anti-Stall bekommen und dann hat sich auf einmal alles abgeschaltet. Das Team hat mir gesagt wir werden in der Garage darüber reden, aber ich bin direkt zu euch [Medienvertretern; d. Red.] gegangen, also weiß ich es noch nicht."

Es dauerte gut 16 handgestoppte Sekunden, ehe Leclerc seinen Motor wieder in Gang brachte und seine Outlap beginnen konnte. Doch da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Trotz einer Highspeed-Outlap schaffte es der Ferrari-Fahrer gerade so nicht rechtzeitig über den Strich und konnte keine gezeitete Runde setzen. Am Ende steht ein enttäuschender zehnter Platz für den Sprint am Samstag-Vormittag zu Buche.

Hinzu kommt, dass sich die ohnehin bereits prekäre Motorensituation bei Charles Leclerc nach dem Defekt in Spielberg weiter zuspitzen könnte. Der Ferrari-Fahrer war bereits auf der dritten von insgesamt vier erlaubten Power-Units unterwegs, bei seiner MGU-H sogar auf dem letzten Aggregat. Sollte Ferrari den kompletten Motor wechseln müssen, droht eine Startplatzstrafe. Dadurch dass Leclerc das Qualifying wieder aufnehmen konnte, gilt das derzeit allerdings eher als unwahrscheinlich. Gut möglich, dass es sich um nicht mehr als einen Glitch in der Software handelte.

Ferraris bitterer Reality-Check in Österreich: F1-Spitze wieder weit entfernt

Nicht ganz so schlimm, aber dennoch alles andere als zufriedenstellend lief es auf der anderen Seite der Ferrari-Garage. Carlos Sainz, der weiterhin noch keinen Arbeitgeber für die kommende Saison hat, kam beim Sprint-Qualifying von Spielberg nicht über den fünften Platz hinaus. Mal wieder zog die Scuderia, die nach zwei zuletzt eher enttäuschenden Vorstellungen in Österreich wieder zurückschlagen wollte, gegenüber der Konkurrenz den Kürzeren.

0,440 Sekunden fehlten Sainz auf Verstappen an der Spitze. Auf der kurzen Strecke in Spielberg entspricht das einem erheblichen Rückstand. Auch die beiden McLaren-Fahrer, sowie George Russell im wieder erstarkten Mercedes beendeten das Sprint-Qualifying vor dem Spanier. Anders als sein Teamkollege, hatte Sainz keinerlei Probleme am Motor zu beklagen. Ferrari scheint - zumindest bisher - auch in Spielberg nicht wieder an die Spitze aufschließen zu können.

Der Spanier versuchte dennoch nach dem Freitag in Spielberg positiv zu bleiben. "Ich hatte ein anständiges Sprint-Qualifying. Es waren drei sehr saubere Quali-Runden, aber leider scheint es so, als wären wir auf den Soft-Reifen etwas schlechter als auf den Mediums", sprach Sainz.

Einen Erfolg im Sprint hat er noch nicht abgeschrieben. "Wir werden sehen. Hoffentlich können wir einige Positionen gutmachen. Ich starte auf P5, also auf der sauberen Seite. Wir werden es auf jeden Fall versuchen und es riskieren, damit wir so viele Punkte wie möglich mitnehmen können. Und dann haben wir morgen noch ein Qualifying, da müssen wir beim Auto noch ein wenig nachjustieren", so Sainz.