George Russell und Lewis Hamilton beendeten das Rennen in Melbourne auf den Plätzen drei und vier. Doch nicht etwa eine überlegene Performance des W13 hat Russell ein Podium beschert, vielmehr waren einige glückliche Zufälle für das Mercedes-Glück verantwortlich. Wie kam es zum unerwarteten Podiums-Comeback?

Nach der Anfangsphase lagen Lewis Hamilton und George Russell auf den Plätzen vier und fünf. Hamilton war zwar am Start an Perez vorbeigegangen, konnte Position drei aber gegen den Red-Bull-Piloten nicht lange verteidigen. Immerhin Lando Norris, den beide Mercedes-Piloten am Start überholt hatten, stellte keine Gefahr mehr dar.

In Runde 23 sorgte der Abflug von Sebastian Vettel dafür, dass Russell während der Safety-Car-Phase ohne große Verluste einen ideal gelegenen Boxenstopp einlegen konnte. Russell kam dadurch nicht nur an Teamkollege Hamilton vorbei, sondern auch noch an Red-Bull-Pilot Sergio Perez. Beide hatten Pech, weil sie unmittelbar zuvor gestoppt hatten.

Russel und Perez im Zweikampf. -
Russel und Perez im Zweikampf. -Foto: LAT Images

Nachdem Russell in Runde 36 seine dritte Position an Red-Bull-Mann Sergio Perez verlor und eigentlich die Chance auf ein Podium vernichtend gering war, schlug in Runde 39 das Mercedes-Glück ein zweites Mal zu: Der Ausfall des zweitplatzierten Max Verstappen spülte das Mercedes-Duo schließlich auf die Positionen drei und vier. Da beide Piloten zu diesem Zeitpunkt auf der harten Reifenmischung unterwegs waren, konnten sie das Rennen auf diesen Positionen zu Ende fahren. Russell selbst bestreitet die Umstände nicht: "Offensichtlich hatten wir heute ein bisschen Glück, wahrscheinlich auch zwei Mal."

Formel 1: Mercedes plötzlich auf zwei

Trotz mäßig Saisonstarts liegt Mercedes weiterhin auf Rang zwei der Konstrukteurs-WM. Zu Beginn 2022 hätte das aufgrund der massiven Bouncing-Problematik und des mutmaßlich schwachen Motors niemand erwartet. Nach Melbourne liegt Russell sogar in der Fahrerweltmeisterschaft auf Rang zwei. "Das spiegelt definitiv nicht unsere Pace wieder, aber wir haben alle Ergebnisse maximiert", weiß Russell. "Solange die Performance so ist und wir weiterhin diese Ergebnisse holen, hält uns das im Titelkampf."

Doch was dem Motor an Leistung fehlt, macht die Zuverlässigkeit wieder wett. Während Red Bull performancetechnisch deutlich überlegen ist, bekommen sie ihr Zuverlässigkeitsprobleme nicht in den Griff. Währenddessen lieferte Mercedes seit dem ersten Rennen kontinuierlich kleinere Erfolge. "Wir sind zwar noch einen Schritt hinter Ferrari und Red Bull, wenn es um die Pace geht, aber du musst das Rennen zu Ende fahren, um Punkte zu holen und das haben wir nun bei einigen Gelegenheiten geschafft.", sagte Russell.

Mercedes: Aufholjagd zum WM-Titel?

Mercedes möchte die Hoffnung auf den WM-Titel noch nicht aufgeben. Es sind noch 20 Rennen zu fahren, damit also noch genug Zeit, um aufzuholen. Dass die Konkurrenz nicht schläft, weiß auch Russell: "Die Top-Teams entwickeln meist auf einem ähnlichen Niveau. Ob das bei den neuen Autos auch der Fall ist? Wer weiß das schon? Ich hoffe, wir können bald mitkämpfen."

Es wird also nicht einfach für die Truppe aus Brackley und Brixworth, um Siege zu fahren. An Vertrauen ins Team fehlt es bei Mercedes zumindest nicht. "Ich glaube es wird noch einige Zeit dauern, bis wir die Jungs in rot und blau angreifen können, sie sind im Moment ziemlich stark, aber wenn sie jemand schlagen kann, dann Mercedes", sagte Russell.

Durch Podium neue Hackordnung bei Mercedes?

Den siebenmaligen Weltmeister Hamilton bringt die unglückliche teaminterne Niederlage nicht aus der Ruhe, ganz im Gegenteil, er lobte die Leistung seines Kollegen: "Er hat heute überragende Arbeit geleistet, hatte eine super Pace, er hat in den ersten drei Rennen eine solide Leistung abgeliefert. Super Arbeit."

Der frühere Williams-Pilot Russell bleibt dennoch auf dem Boden der Tatsachen. Anders als bei Williams, sei es nicht mehr nur das Ziel den Teamkollegen zu schlagen, es gebe nun ein 'Großes und Ganzes', um das es sich zu kämpfen lohnt, so Russell. Das 'Große und Ganze', der WM-Titel. "Diese kleinen Dinge bedeuten nicht viel. Natürlich will jeder vor dem Teamkollegen sein, aber Lewis und ich haben kein Interesse daran, um P5 und P6 zu kämpfen. Wir wollen zusammenarbeiten, um die Lücke zu schließen."