Nach wie vor geht es bei Alpine im Management des Formel-1-Teams hin und her. Nachdem man sich zu Jahresbeginn vom leitenden Direktor Marcin Budkowski getrennt hatte, stellt man nun die Technik-Abteilung neu auf. Hier geht es nicht um Personal, aber um eine neue Führungsstruktur.

Am obersten Management des im englischen Enstone beheimateten Rennteams ändert sich vorerst nichts. Nach wie vor steht Alpine-CEO Laurent Rossi durch Budkowskis Abgang bedingt auch dem Formel-1-Projekt vor. Der im Vorjahr angeheuerte Davide Brivio fungiert als Rennleiter. Wann ein dezidierter Teamchef kommt, wurde noch nicht kommuniziert.

Alpine baut erneut Technik-Abteilung um

Neu ist, dass es nun einen Chief Technical Officer (CTO) gibt. Diesen Posten übernimmt der bisherige Technische Direktor Pat Fry, während Ingenieurs-Direktor Matt Harman zum Technischen Direktor befördert wird.

Pat Fry ist ehemaliger McLaren-Ingenieursdirektor -
Pat Fry ist ehemaliger McLaren-Ingenieursdirektor -Foto: LAT Images

Pat Fry soll von nun an alle technischen Aktivitäten des Teams in der Enstone-Fabrik übersehen. Er soll, so heißt es von Alpine, die Performance-Ziele für das Auto festlegen, die notwendigen Ressourcen koordinieren und Zukunfts-Planung betreiben. Sein CTO-Posten ist damit ein primär strategischer.

Matt Harman übernimmt das Tagesgeschäft der Technik-Abteilung. Das beinhaltet sowohl die Performance auf der Strecke als auch die konkrete Organisation der Technik-Abteilung und der Fahrzeugentwicklung. Alpine hofft auch, dass Harman, der mehrere Jahre lang bei Mercedes für die Motor-Chassis-Integration zuständig gewesen war und 2018 von dort abgeworben wurde, bei der Zusammenarbeit zwischen Motor- und Chassis-Abteilung helfen kann. Schließlich arbeitet Alpine von zwei weit entfernten Orten aus: Das Chassis- und Rennteam sind in Enstone beheimatet, die Motorabteilung jedoch im französischen Viry.

Turbulente Management-Zeiten bei Alpine

Damit gehen die schon seit mehreren Jahren andauernden Personal-Rochaden im Team in die nächste Runde. Begonnen hatten die schon 2018, damals noch unter dem alten Teamchef Cyril Abiteboul. Erst hatte man Marcin Budkowski als leitenden Direktor der Enstone-Basis verpflichtet. 2019 wurde die nach einem enttäuschenden Saisonstart aufgeräumt. Man trennte sich unter anderem von Nick Chester, der erst ein Jahr davor die Chassis-Verantwortung vom ehemaligen Cheftechniker Bob Bell übernommen hatte.

Chester wurde damals durch Pat Fry ersetzt, der lange bei McLaren und später auch bei Ferrari in Ingenieurs- und Chassis-Rollen Karriere gemacht hatte. Die nächste Rochade-Runde folgte ein Jahr später, als sich das Team kurz nach der Umbenennung von Renault in Alpine vom langjährigen Teamchef Cyril Abiteboul trennte. Erst wenige Monate davor war Abiteboul in einer Doppelrolle zusätzlich noch zum neuen Alpine-CEO ernannt worden, plötzlich übernahm Laurent Rossi.

Sowohl Cyril Abiteboul (links) als auch Marcin Budkowski (rechts) sind inzwischen weg -
Sowohl Cyril Abiteboul (links) als auch Marcin Budkowski (rechts) sind inzwischen weg -Foto: LAT Images

2021 startete das Team also mit Rossi als Geschäftsführer und Marcin Budkowski als leitenden Direktor. Zusätzlich wurde der ehemalige Suzuki-MotoGP-Teamchef Davide Brivio als Rennleiter verpflichtet. Die Umbrüche gingen allerdings schon im Sommer weiter, als man sich vom langjährigen Motorenchef Remi Taffin trennte. Taffins Posten wurde nicht nachbesetzt, sondern intern auf mehrere Personen verteilt.

Vollends klar schien die Management-Struktur nach außen hin nie. Budkowski nahm meist jene Medienauftritte wahr, die bei anderen Teams die Teamchefs erledigten. Im Herbst kamen Gerüchte auf, wonach Brivio sich nach nicht einmal einem Jahr wieder verabschieden würde und Otmar Szafnauer - da noch Aston-Martin-Teamchef - an Bord kommen könnte.

Stattdessen war es aber Budkowski, der im Januar 2022 ging. Alpine-CEO Rossi übernahm vorerst dessen Rolle, was aber eine temporäre Lösung sein soll. Nach wie vor geistert Szafnauers Name durch den Raum, nachdem er bei Aston Martin abgetreten ist. Zur gleichen Zeit verließ auch Alain Prost seinen Posten als Berater.

In all dem unterstreicht Alpine übrigens wieder: Man will 100 Rennen nach dem Alpine-Einstieg um die WM kämpfen. Als das Team ursprünglich 2016 unter dem Namen Renault zurückgekommen war, hatte man 2020 als Ziel angegeben.