Nach einer zweijährigen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie kehrt der Große Preis von Australien 2022 zurück in den Kalender der Formel 1. Seinen Status als Saisonstart hat das seit 1996 etablierte Rennen im Albert Park von Melbourne allerdings eingebüßt, stattdessen soll der Grand Prix nun als dritter Saisonlauf, vom 8. bis 10. April, über die Bühne gehen - wenn denn in diesem Jahr alles sauber über die Bühne geht und die Organisatoren keine erneute Absage kalt erwischt.

Dass der Schuss 2022 sitzen muss, hatte Andrew Westacott, CEO der verantwortlichen Australian Grand Prix Corporation (AGPC), bereits im Herbst vergangenen Jahres erklärt. Sonst drohe womöglich sogar endgültig das Aus des Australien-GP als Austragungsort der Formel 1. Scharfe Corona-Restriktionen der Regierung Down Under hatten das Rennen in Melbourne zuvor trotz einer Verschiebung in den Herbst platzen lassen. 2020 war die Absage nach einem Corona-Ausbruch im McLaren-Lager kurzfristig erfolgt - noch am Freitagmorgen des bereits gestarteten Rennwochenendes unmittelbar vor Beginn des ersten Trainings.

Australiens GP-Boss: Absage ausgeschlossen

Nicht nur finanziell und logistisch war das ein riesiger Schlag für alle Verantwortlichen und Beteiligten, sondern auch ein gewaltiger Imageschaden. 2022 dürfe und werde sich das allerdings nicht wiederholen, beteuert nun Westacott. Rund zweieinhalb Monate vor dem Renntermin am 10. April wagt es der GP-Boss sogar, eine Garantie abzugeben. "Ich gehe jetzt on record und sage: Null Chance, dass es abgesagt wird", wird Westacott von foxsports.com und anderen australischen Medien zitiert.

Die Fans könnten sich also sicher sein, nicht wieder vor verschlossenen Toren zu stehen, beruhigt Westacott und wirbt für Tickets. Die gingen im Vorverkauf bereits weg wie warme Semmeln, so der Australier. Fans auf den Rängen sind 2022 also auch längt wieder vorgesehen.

Melbourne plant mit vollem Haus im Albert Park

Daher denkt der Organisator erst recht nicht mehr an eine vollständige Absage, trotz aktuell auch in Australien rasant um sich greifender Infektionszahlen wegen der neuen Omikron-Variante des Coronavirus. "Wir sind zuversichtlich, dass wir liefern werden. Wir sehen ja, was in Australien passiert. Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt eine Großveranstaltung abgesagt wurde", sagt Westacott. "Wir tragen dieses Event aus, aber wir könnten es mit anderen Entschärfungsmaßnahmen abhalten müssen."

Damit zielt der Australier vor allem auf mögliche Zuschauerbeschränkungen. Bei den Australian Open etwa darf derzeit nur die Hälfte der Kapazität ausgeschöpft werden. Bis sie etwas anderes hören planen die Organisatoren jedoch mit vollen Rängen - und wollen dementsprechend ab Februar mit dem gewohnt aufwändigen Aufbau des Straßenkurses. Tribünen sind diesmal sogar mehr geplant denn je. "Wir bauen mehr Tribünen, wir verkauften neue Hospitality-Anlagen und erhöhen die Bereiche für General Admission", sagt Westacott.

2020 standen die Fans im Albert Park vor verschlossenen Toren -
2020 standen die Fans im Albert Park vor verschlossenen Toren -Foto: LAT Images

Die entscheidende Basis für all das: Eine vollständige Impfung für alle Teilnehmer des Events ist die absolute Voraussetzung, nicht nur für Fans, sondern auch für die Wettbewerber. Grundlegend gilt in Australien grundsätzlich ein Impfnachweis als Voraussetzung für die Einreise. Für jeden, wie jüngst auch Tennis-Star Novak Djokovic erfahren musste. Nach einem tagelangen Ringen um die Aufenthaltserlaubnis des Serben verwiesen die Behörden Djokovic in letzter Konsequenz des Landes.

Kein zweiter Djokovic-Fall: Impfpflicht seitens Formel 1

Eine ähnliche Posse rund um das Formel-1-Rennen schließt Westcott praktisch aus. Dafür habe man bereits zuvor zu strikte Regeln gefasst. "Unsere Abkommen waren bereits lange vor den aktuellen Geschehnissen bei den Australian Open in Kraft", berichtet der Australier von bilateralen Gesprächen des Veranstalters mit der Regierung, dem zuständigen Bundestaat Victoria, der Formel 1 und der FIA. Kurzum besagen diese: Es herrscht eine Impfpflicht für jeden, der das Fahrerlager betreten will - vom F1-Piloten bis zum Journalisten.

"Die Regeln, ins Land zu kommen und die Regeln, in der Formel 1 zu arbeiten, sind einfach. Um an dem Event teilnehmen zu können, musst du 100 Prozent geimpft sein und es wird keine Ausnahme angedacht sein - für niemanden, von niemandem", betont Westacott. Das werde auch ins Sportliche Reglement geschrieben. Veröffentlich ist dieses allerdings noch nicht. Zuletzt gab im Dezember der Weltmotorsportrat seinen Segen. Eine derartige Eigenverpflichtung bestand im Tennissport nicht.

2022 fährt die Formel 1 in Melbourne auf einem erneuerten Kurs -
2022 fährt die Formel 1 in Melbourne auf einem erneuerten Kurs -Foto: Australian Grand Prix Corporation

Westacott über Impffplicht: Ausnahmen für niemanden

Deshalb geht Westacott von einem entspannten Ablauf aus. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es nur noch eine Durchgangszeremonie sein wird, ins Land zu kommen", sagt der Chef des Australien-GP. Also schlichte Überprüfungen des Impfstatus' und zusätzlich die in der Formel 1 ohnehin schon seit dem Vorjahr regelmäßigen Testungen. Generell habe sich die Formel 1 bei ihren Aufritten seit der Absage des Australien-GP 2020 im Hinblick auf die Pandemie bewährt und stets an geltendes Recht aller Austragungsorte gehalten. "Sie kennen die Regeln und wir fühlen uns damit sehr, sehr wohl. Es steht außer Frage, dass es eine hundertprozentige Impfquote und Einhaltung der Gesetzte geben wird", betont Westacott.

Für mögliche Nachahmer Djokovics fügt Westacott unmissverständlich an: "Es gibt null Toleranz. Ob du Lewis Hamilton bist oder Valentino Rossi in der MotoGP, wenn du dich positiv testest, fährst du an diesem Wochenende nicht." Zumindest der Formel-1-Fahrer gelten weithin als durchgeimpft, erst Ende des Vorjahres warb ein großer Teil der Piloten in einer F1-Kamagne für Impfungen.

Albert Park Circuit: Großer Umbau abgeschlossen

Der neue Albert Park Circuit selbst ist unterdessen bereit für sein Formel-1-Comeback. Die lange Rennpause Down Under nutzen die Organisatoren für einen umfangreichen Umbau der seit 1996 im Kalender befindlichen Strecke. Dieser ist nun mehr als rechtzeitig für sein Debüt im April abgeschlossen. Neben einer vollständigen Neuasphaltierung und einer um zwei Meter breiteren Boxengassengasse wurden gleich mehrere Kurven teilweise größer umgebaut.

Formel 1 Australien 2021: Neues Layout für Rennen in Melbourne: (01:18 Min.)

Heraus sticht dabei vor allem der Wegfall der Schikane (Kurven 9 und 10) vor der langgezogenen Vollgas-Linkskurve im zweiten Sektor. Daraus resultiert nun ein deutlich längerer Vollgasabschnitt samt DRS-Zone vor der beibehaltenen Mut-Schikane (jetzt Kurven 10 und 11), die den letzten Sektor einleitet und nun auch einen Überholpunkt darstellen soll.

Generell dienen alle Umbaumaßnahmen dem Zweck, besseres Racing und mehr Überholmanöver zu liefern. Die weiteren Umbauten erstrecken sich vor allem auf verbreiterte Kurven - in den Kurven eins, drei, sechs, 12 und 14, wobei Kurve zwölf besonders umfangreich neu gestaltet wurde. Insgesamt sollen die Rundenzeiten mit dem neuen Layout um fünf Sekunden fallen. Auf dem Youtube-Kanal des Australien-GP ist beginnend diesem Montag eine wöchentliche Reihe zur Evoluton der Strecke zu sehen.

Formel 1 Australien: Die Verwandlung des Albert Park - Teil 1: (06:31 Min.)