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Formel 1

Kimi Räikkönen erlebt bitteres Formel-1-Ende: Jetzt auch egal

In Abu Dhabi fällt Kimi Räikkönen bei seinem letzten Formel-1-Rennen aus. Für den Finnen spielt das keine Rolle mehr - fast wie die unzähligen Ehrungen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Im Scheinwerferlicht stand Kimi Räikkönen nie sonderlich gern. Auch am Tag seines großen Abschieds nach 20 - unterbrochenen - Jahren Formel 1 waren dem Finnen die zahlreichen Ehrungen von Alfa Romeo, Ferrari & Co beim Großen Preis von Abu Dhabi 2021, dem 349. und letzten F1-Start des 42-Jährigen Rekordstarters, eher ein wenig unangenehm als großer Grund zur Freude.

"Viele gute Wünsche und dies und das. Ich bin kein großer Fan davon", sagt Räikkönen als Teil seiner letzten Abschiedsworte von der Formel 1 über die verschiedenen Abschiedsgrüße und Aktionen langjähriger Wegbegleiter. Undankbar? Mitnichten. Schlicht ehrlich. Und eine gewisse Rührung ist dem Iceman schließlich doch anzumerken. "Es ist klasse, den ganzen Support zu sehen", schiebt Räikkönen hinterher.

Kiitos Kimi: So verabschiedete die Formel 1 den Iceman

Wie die Formel 1 Räikkönen verabschiedete? Die meisten Fahrerkollegen mit unzähligen Handshakes, Schulterklopfern und guten Wünschen während der Fahrerparade oder noch in der Startaufstellung. Die Formel 1 mit einem eigenen Zeremoniell vor Rennbeginn. Ross Brawn und Stefano Domenicali, im WM-Jahr 2007 noch Räikkönens Teamchef bei Ferrari, überreichten ein riesiges Gemälde. Ferrari mit einem kurzen Empfang der wichtigsten Verantwortlichen samt Mattia Binotto, Charles Leclerc und Carlos Sainz, inklusive Ferrari-Modell als Geschenk.

Alfa Romeo mit nahezu unzählbaren Aktionen wie Aufklebern in der Hospitality, einem "Walk of Honour", auch für Antonio Giovinazzi, von Hospitality zu Garage vor dem Rennen, Abschieds-T-Shirts und einer besonderen Lackierung für den C41. "Dear Kimi, we will leave you alone now", ein Verweis auf Räikkönens legendären Funkspruch, zierte die Motorabdeckung des C41. Giovinazzi fuhr mit dem Helmdesign Räikkönens aus 2007, sogar Räikkönen selbst kehrte hier zu seinem ersten, blauen Look aus der Saison 2001 zurück.

Kimi Räikkönen: 20 Jahre voller Erinnerungen

Angesichts all dieser Aktionen weiß der Sauber-, McLaren-, Ferrari- und Lotus-Fahrer letztlich doch ganz genau um die Bedeutung: "Natürlich werde ich jede Menge tolle Leute vermissen, die ich über die Jahre getroffen habe. 20 Jahre gingen so schnell vorbei, ich habe viele Erinnerungen gesammelt. Ein paar gute und ein paar schlechte und die werde ich alle behalten. [...] Ich bin froh, dass ich das alles erlebt habe. Aber jetzt bin ich auch froh, abzuhauen und normale Dinge zu machen."

Alfa Romeo verabschiedete Kimi Räikkönen schon in der Hospi - Foto: Motorsport-Magazin.com

Eine der schlechteren Erfahrungen kam ausgerechnet an Räikkönens letztem Rennsonntag hinzu. In Runde 25 musste der Finne seinen Alfa Romeo C41 wegen eines Defekts vorzeitig abstellen. Bremsversagen, so schien es zunächst. "Die Bremse hat verdammt nochmal versagt", funkte Räikkönen nach einem dazu passend unvermitteltem Abflug auf der Bremse.

Räikkönen lässt Ausfall zum Abschied kalt

Tatsächlich steckte da hinter offenbar eher ein Montageproblem beim Boxenstopp vier Runden zuvor. "Wir hatten ein Problem mit der Radmutter. Ich hatte schon auf der Runde davor in kurve fünf einen kleinen Moment, ehe es dann in Kurve sieben einfach wegging", schildert der Finne. Nach einem kurzen Funkverkehr mit Renningenieur Julien Simon-Chautemps zu erfolglosen Klärung, ob die Bremsen nun funktionierten oder nicht, einigte man sich darauf, an der Box aufzugeben.

Noch dazu war Räikkönen da längst von allen überholt worden und aussichtlos zurückgefallen. "Wir werden sowieso nichts holen und nur rumfahren", funkte der Finne. "Manchmal läuft es im Sport leider so. Das ist aber Teil des Spiels. Das Ergebnis spielte sowieso keine Rolle mehr, nachdem sie mich überholt hatten", erklärt Räikkönen später. Heartbreak zum Abschied, wie Alfa Romeo nach dem Rennen formulierte - immerhin schied acht Runden später auch noch Teamkollege Antonio Giovinazzi aus.

Für Räikkönen war es halb so wild. "Das Endergebnis spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Es ist egal, wie es endet. Es ist jetzt das Ende und ich freue mich darauf", kommentiert der bislang letzte Ferrari-Weltmeister eine Nachfrage zu seinem unwürdigen letzten Rennen. "Das ist Racing. Manchmal gehen Dinge daneben, aber das heutige Ergebnis beeinflusst nicht, wie ich über meine Karriere denke. Jetzt freue ich mich auf das normale Leben, das wir abseits der Rennwochenenden kennen."

Jetzt hat Kimi Räikkönen endlich unendlich viel Zeit für seine Familie - Foto: LAT Images

Kimi Räikkönen freut sich auf seine neue Freiheit

Mehr Pläne geschmiedet als einen Montag am Hotel-Pool in Abu Dhabi hat der Finne noch nicht. Doch genau das kann Räikkönen nun nach 20 Jahren erstmals vollkommen selbstbestimmt. Genau darauf freut sich der zum Abschied mit 42,8 Prozent zum Fahrer des Tages gewählte Finne ganz besonders.

"Ich kann immer zuhause sein, Zeit mit der Familie verbringen und wir können nun wirklich mal etwas planen. Es ist schwer etwas zu planen, für jeden, der diese Arbeit hier macht. Denn hier ändern sich die Dinge schnell und wenn du etwas geplant hast, dann kannst du alles vergessen", schildert Räikkönen. "Es ist klasse, jetzt diese Freiheit zu haben und zuhause bei den Kids zu sein. Sie werden schnell groß. Ich freue mich darauf!"

Kimi Räikkönen verabschiedet sich aus der Formel 1 - Foto: LAT Images


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