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Formel 1

Formel 1: Diese Abschiede erleben wir heute in Abu Dhabi

In Abu Dhabi endet heute die längste Formel-1-Saison der Geschichte - und bei Kimi Räikkönen auch die längste Karriere. Alle Abschiede beim Saisonfinale.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mit dem 22. Rennen endet heute in Abu Dhabi die längste Formel-1-Saison der bisherigen Sportgeschichte, ehe die F1-Bosse sich 2021 mit sogar 23 Grands Prix direkt selbst übertreffen wollen. Alle Jahre wieder heißt es beim großen Finale auf dem Yas Marina Circuit im Mittleren Osten auch am heutigen Sonntag wieder Abschiednehmen. Motorsport-Magazin.com liefert einen Überblick darüber, was wir 2022 nicht länger erleben werden.

Kimi Räikkönen

Allen voran ein Abschied überragt bereits das gesamte Rennwochenende, geht man nach den Social-Media-Accounts Ferraris sogar die gesamte Rennwoche: Kimi Räikkönen tritt heute nach seinem 349. GP-Start und 20 Jahren Formel 1 seit seinem Sauber-Debüt 2001 tatsächlich zurück. Bereits Anfang September kündigte der bis heute letzte Ferrari-Weltmeister sein Karriereende an. Der 42-jährige Iceman will ab sofort lieber sein Familienleben mit Ehefrau Minttu und den Kindern Robin und Rianna genießen. Da passt das Jetset-Leben in der Formel 1 nicht mehr ins Konzept. Ersetzt wird Räikkönen bei Alfa-Sauber ab 2022 durch Landsmann Valtteri Bottas.

Antonio Giovinazzi

Neben Räikkönen verabschiedet sich bei Alfa Romeo auch der zweite Fahrer. Anders als der Finne verlässt Antonio Giovinazzi den Sauber-Stall aus der Schweiz allerdings unfreiwillig. 2022 wird der Italiener durch den chinesischen Formel-2-Pilot Guanyu Zhou ersetzt. Seine Missbilligung drückte Giovinazzi deutlich aus: Geld gewinnt, hieß es. Dass der chinesische Markt nicht nur für Alfa Romeo, sondern auch für die Formel 1 hochgradig interessant ist, ist kein Geheimnis. Nach drei Jahren bei Alfa-Sauber heißt es für Giovinazzi nun also Abschied nehmen - 2022 startet er in der Formel E. An eine F1-Rückkehr glaubt der Italiener allerdings fest.

Valtteri Bottas bei Mercedes

Nach sogar fünf Jahren trennen sich die Wege von Valtteri Bottas und Mercedes. Der Nachfolger Nico Rosbergs wird zur kommenden Formel-1-Saison 2022 durch Mercedes-Nachwuchsfahrer George Russell ersetzt, der sich beim Hinterherfahrer Williams zuletzt von Jahr zu Jahr mehr aufdrängte. Bottas hat seine Ausbootung inzwischen verdaut und fuhr seit der Bekanntgabe zuletzt wie befreit auf. Trotz des verpassten Titeltraums in der Fahrerwertung bei Mercedes sieht der Finne seine Zeit insgesamt als Erfolg. Nun steht bei Sauber ein ganz anderes Projekt an: Aufbauarbeit und Teamleader.

Zehn Siege feierte Valtteri Bottas mit Mercedes - zuletzt in der Türkei - Foto: LAT Images

George Russell bei Williams

Trotz des Aufstiegs zum Top-Team von Mercedes verlässt George Russell das Williams-Team mit einem weinenden Auge. Drei Jahre lang ist der Brite mit seinem ersten F1-Team durch Dick und Dünn gegangen - mehr durch Dünn, am Ende des Feldes. Russell und Williams das passte einfach und war trotz unmöglicher Großerfolge eine Erfolgsgeschichte. Insbesondere im Qualifying setzte der Brite in den vergangen drei Jahren Ausrufezeichen, fuhr einen völlig unterlegenden Williams Anfang dieses Jahres plötzlich sogar regelmäßig ins Q3 und verlor erst beim Brasilien-GP 2021 zum ersten Mal ein teaminternes Duell bei Williams. 2022 wird das schwieriger - dann heißt der Gegner Lewis Hamilton statt Nicholas Latifi.

Jean Todt

Seinen letzten Besuch stattete der scheidende FIA-Präsident der Formel 1 zwar schon in Saudi-Arabien ab, doch heute steigt das letzte Rennen während Jean Todt tatsächlich noch im Amt ist. Kommende Woche wird bereits sein Nachfolger gewählt. Nach mehr als zehn Jahren - seit 2009 war Todt im Amt - endet mit dieser Saison also auch die Ägide des Franzosen. Wie es für den 75-Jährigen weitergeht? Nicht bei der FIA, wie er bereits selbst erklärte. Eine Rückkehr zu Ferrari dementierte Teamchef Binotto nach Gerüchten erst am Freitag.

Aktuelle Boliden-Generation

Nicht nur von Fahrern heißt es Abschied nehmen, auch von Autos. Die aktuellen Formel-1-Boliden waren die schnellsten der Geschichte - trotz nahezu jährlicher Restriktionen im Lauf der vergangenen Jahre seit der letzten größeren Überholung des Technischen Reglements im Jahr 2017. Mal für Mal entwickelten die Ingenieure gegen Einschränkungen wie vereinfachte Frontflügel und beschnittene Unterböden an, mit Erfolg. Doch Hinterherfahren und Überholen blieb immer ein großer Makel. Deshalb folgt 2022 nun die vielleicht größte Novelle der gesamten F1-Geschichte. Etwas langsamer sollen die Autos damit erst einmal wieder werden, dafür sehr viel Racing- und überholfreundlicher.

2022 sieht die Formel 1 anders aus - Foto: LAT Images

13 Zoll Felgen

Damit einher gehen ab der kommenden Saison erneut neue Reifen. Nein, diesmal werden nicht nur die Konstruktionen verstärkt oder die Mischungen optimiert. Stattdessen geht die Formel 1 einen völlig neuen Weg, der sogar die seit 2017 deutlich breiteren Walzen toppt: Mit dem Rennen in Abu Dhabi verabschieden wir uns von den seit Jahrzehnten gewohnten 13-Zoll-Felgen. Ab 2022 - oder besser gesagt schon ab den Testfahrten kommende Woche in Abu Dhabi - sehen wir 18-Zöller in der Formel 1.

2022 regieren 18-Zöller (rechts) in der Formel 1 - Foto: LAT Images

Honda

Keine Änderungen gibt es im Zuge der neuen Regeln in Sachen Power Units. Die grundlegende Architektur bleibt bis mindestens und einschließlich 2024 gleich. Einen Abschied gibt es dennoch: Honda verlässt nach sechs Jahren die Formel 1 als Motorenlieferant - und das, obwohl es zuletzt mit Red Bull sehr viel besser lief als zu Beginn mit McLaren. Der Konzern sieht andere Prioritäten. Völlig verschwunden sind die Japaner aus der Formel 1 allerdings auch künftig nicht. Red Bull sicherte sich das geistige Eigentum und fährt zunächst weiter mit Honda-Motoren - nur selbst eingesetzt von der neu gegründeten Division Red Bull Powertrains.

Honda zieht sich 2022 offiziell aus der Formel 1 zurück - Foto: LAT Images

Rekordweltmeister Michael Schumacher?!

Der Abschied von diesem für uns sehr geläufigen Terminus ist dagegen noch offen. Behauptet Max Verstappen in Abu Dhabi heute seine WM-Führung vor Lewis Hamilton, bleibt Michael Schumacher Rekordweltmeister. Setzt sich hingegen der Brite durch, zieht Hamilton mit dann acht WM-Titeln in der ewigen Bestliste vorbei am siebenmaligen Weltmeister aus Kerpen.

Michael Schumacher ist mit sieben WM-Titeln Formel-1-Rekordweltmeister - noch - Foto: Sutton