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Formel 1

Räikkönen muss Adrenalin-Kick nicht ersetzen: F1 wie Autofahren

Kimi Räikkönen feiert heute seinen 42. Geburtstag. Ende dieser Formel-1-Saison geht der Finne in Rente. Ersatz für den Nervenkitzel F1? Völlig unnötig!
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Immer näher rückt das Karriereende der lebenden Formel-1-Legende Kimi Räikkönen. Nur noch sechs Grands Prix sind 2021 zu fahren, dann sind für den Finnen, der am heutigen 17. Oktober seinen 42. Geburtstag feiert, 19 Jahre Königsklasse ein für alle Mal vorbei. Mit einem Rekord von 349 Rennstarts wird sich Räikkönen bei regulärem Verlauf der letzten Saisonrennen in den Ruhestand verabschieden.

Angesichts dieser Zahl und dieser langen Zeit im schnellsten Sport der Welt könnte man erwarten, dass dem Iceman in der F1-Rente sehr schnell etwas fehlen wird. Räikkönen sieht das allerdings anders. Den Speed und den Adrenalinkick der schnellsten Rennserie des Planenten werde er wohl kaum vermissen oder einen Ersatz dafür finden müssen, so der Alfa-Romeo-Pilot.

Formel 1 für Räikkönen eine 'normale Sache'

"Ich denke nicht, dass ich es ersetzen muss", sagt Räikkönen. "Auf vielerlei Weise ist es hier für uns eine sehr normale Sache. Zumindest für mich", sagt Räikkönen über die Formel 1. "Ich habe es viele Jahre gemacht. Es ist nicht so, dass es ganz anders wäre als Autofahren", ergänzt der Finne in seiner typisch trocken-humorigen Art.

"Wenn du mal eine lange Pause gemacht hast [etwa in der Winterpause] und dann wieder das erste Mal ein F1-Auto fährst, dann fühlt es sich schnell an", schildert der Finne seine Eindrücke. "Aber dann wird es wieder eine sehr normale Sache. Außer du hast ein paar Kämpfe oder fliegst an der falschen Stelle raus, dann fühlst du den Speed natürlich! Aber viele andere Dinge, die ich so treibe fühlen sich beängstigender an", sagt der Finne.

Kimi Räikkönen: Motocross & Kids aufregend genug

Bestes Beispiel: Räikkönens größte Leidenschaft - Motocross. "Ich versuche Motocross zu fahren, wann immer ich kann", sagt Räikkönen. Die Instagram-Kanäle des Finnen und seiner Ehefrau Minttu bestätigen dies deutlich. "Und da habe ich sehr viel öfter mehr Angst als hier!" Die Formel 1 hingegen fühle sich nach all den Jahren normal für ihn. Da gehe es selbst Zuhause schonmal heikler zu. "Mit den Kids kann es Zuhause natürlich schonmal ziemlich aufregend sein", sagt Räikkönen. "Da weißt du nie!"

Etwas ernstere Gedanken um seine Zukunft nach der Formel 1 will sich der Finne weiterhin noch nicht gemacht haben. Kurz nach der Verkündung seines bevorstehenden Karriereendes hatte Räikkönen angegeben, nun erst einmal völlig ohne Pläne zu leben. Die habe es in 20 Jahren professionellem Motorsport mehr als genug gegeben. Räikkönen will erst einmal abschalten und seine Zeit seiner noch jungen Familie widmen.

Alfa Romeo will Räikkönen behalten - als Berater?

Interesse am Finnen mit der etwas anderen Strahl- und Zugkraft dürfte es jedenfalls ausreichend geben, etwa aus der Rallyeweltmeisterschaft. "Ich habe schon gesehen, dass er ein paar Vorschläge von anderen Serien oder Dingen hatte", sagt Alfa-Teamchef Frédéric Vasseur auf Nachfrage, ob er den Finnen gerne als Berater an Bord behielte.

Das würde der Franzose tatsächlich sehr begrüßen. So sei Räikkönen bereits in den vergangenen drei Jahren essenziell für Alfa Romeos Entwicklung gewesen. "Kimi hat eine gewaltige Erfahrung eingebracht. Er ist 20 Jahre in Siegerteams gefahren, die immer um die WM gekämpft haben", sagt Vasseur. "Ich spreche dabei nicht von Ergebnissen, sondern von der mittelfristigen Entwicklung und dem Projekt. Er weiß perfekt, woher die Performance kommt und war auch noch für das Image des Teams ein großer Push."

Frédéric Vasseur adelt Räikkönen: Gewaltige Hilfe

Insgesamt sei Räikkönens Unterstützung einfach nur gewaltig gewesen, so der Franzose. Diese Hilfe würde Vasseur gerne in einer gewissen Weise weiter anzapfen. Doch trotz der Nähe von Räikkönens Wahlheimat Baar in der Schweiz und Sauber-Sitz Hinwil will Vasseur dem Finnen nun erst einmal dringend die gewünschte Ruhepause zugestehen. "Ich denke es ist viel besser, dass er erst einmal zur Ruhe kommt, und dann haben wir schon noch Zeit darüber zu reden. Ich wäre mehr als erfreut, Kimi irgendwo an Bord zu haben. Aber ich denke, er muss sich Zeit nehmen."

Räikkönen selbst sieht das ganz genauso. Zumindest eine Rolle schließt der Finne allerdings aus. Die eines immer mitreisenden Beraters. "Ich kann mir so eine Rolle nicht vorstellen. Denn am Ende wäre das exakt dasselbe Programm mit derselben Notwendigkeit, zu reisen", sagt der Finne im neuen Buch "Suomalaisten F1-ajajien matkassa [Die Geschichte finnischer F1-Fahrer" des finnischen Kult-Reporters Heikki Kulta.

Räikkönens Bedingung für Alfa-Job: Keine Reiserei

Mehrfach hatte Räikkönen zuletzt betont, wie sehr ihn die dauernden Reisen rund um die Welt stören würden. "Und in diesem Fall, wenn ich jedes Mal da sein muss, dann fahre ich lieber weiter. Das würde keinen Sinn ergeben", sagt der heute 42-Jährige.


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