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Formel-1-Rekordrallye 2022 am Ende? Hamilton: Habe keine Angst!

Lewis Hamilton feierte in Sotschi seinen 100. Formel-1-Sieg. Wie viel mehr geht noch? Gegen Max Verstappen, George Russell & Co will es Lewis 2022 wissen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hat es geschafft. Mehr als zwei Monate musste der siebenmalige Formel-1-Weltmeister seit seinem Heimsieg in Silverstone warten, in Sotschi war es nun endlich so weit: Hamilton erreichte die magische Marke von 100 Siegen in der Königsklasse. 100 Siege, neun mehr als der vor 15 Jahren für unerreichbar erklärte Siegrekord eines gewissen Michael Schumacher. Dessen berühmte Ausbeute von 91 Siegen übertrumpfte Hamilton bereits im Vorjahr, nun feilt der Brite daran, seine eigene Bilanz auf eines neues - vielleicht wirklich - unerreichbares Maß aufzustocken.

Wie weit kann diese Rekordrallye noch gehen? "Wer weiß schon, wo das enden soll? Er ist mindestens noch ein paar Jahre bei uns - und er wird jedes Jahr Rennen gewinnen", schreibt Formel-1-Sportchef Ross Brawn voller Anerkennung für diese für unerreichbar gehaltene Leistung in seiner F1-Kolumne zum Russland-GP.

Lewis Hamilton: Ross Brawn erwartet 120 Siege

Ein weiteres Century könne man wohl kaum erwarten, so Brawn. "Aber ich denke, wir können sicherlich 20 weitere [Siege] erwarten, da er noch immer extrem konkurrenzfähig und motiviert ist", ergänzt der Brite. Bei durchschnittlich 10,4 Siegen pro vollständiger Saison seit Beginn der Hybridära anno 2014 und einem Mercedes-Vertrag für weitere zwei Jahre zunächst keine allzu abwegige Prognose.

Dass es schwieriger werden könnte, zeigt die bei diesem Durschnitt noch ausgeklammerte Saison 2021. Hamiltons Jubiläumssieg in Russland war sein fünfter Saisonsieg im 15. Saisonlauf. Bei sieben noch ausstehenden Grands Prix kommen statistisch also noch zwei bis drei weitere dazu. Egal, ob es am Ende sieben oder acht Saisonsiege sein werden sollten - so wenige Erfolge feierte der Brite in der Hybridära noch nie.

Hamilton-Siegesserie am Ende? Konkurrenz nimmt zu

Der Grund für diesen leichten Abwärtstrend ist offensichtlich. Mit Red Bull und Max Verstappen gibt es 2021 erstmals einen Gegner, der durchgängig mindestens auf Augenhöhe operiert. Ferrari und Sebastian Vettel fielen 2017 und 2018 ab Saisonmitte deutlich zurück. Die entscheidende Frage nun: Was passiert 2022? Dann greift in der Formel 1 die vielleicht größte Regel-Revolution ihrer gesamten Sportgeschichte. Denkbar ist alles. Einerseits gleich die nächste Mercedes-Dominanz - zumindest vorläufig. Andererseits das Gegenteil oder zumindest ein derart ausgeglichenes Feld, dass an zehn Saisonsiege und mehr nicht zu denken ist.

Fast schon sicher nimmt die fahrerseitige Konkurrenz zu. Mit Max Verstappen fordert ein Vertreter der nächsten goldenen Generation den Weltmeister längt. Dass auch Lando Norris und Charles Leclerc bei passendem Material dazu in der Lage sind, bewiesen der Brite und der Monegasse bereits. Und dann gibt es da noch George Russell. Der hochgejubelte Williams-Pilot nimmt es 2022 bei Mercedes direkt mit Hamilton auf.

Hamilton hofft auf Antwort gegen 'herausragende Talente'

"In der neuen Generation gibt es herausragende Talente", sagt Hamilton anlässlich seines 100. GP-Siegs in einem großen Interview mit Sky Italia. Das Generationenduell dieser Fahrer mit ihm selbst oder Sebastian Vettel und Valtteri Bottas hält Hamilton für aufregend für die Formel 1, aber auch für sich selbst. Hamilton: "Für mich ist es fantastisch. Es bewegt sich etwas und ich kann mich selbst fragen, wie ich mit der Herausforderung dieser Leute umgehen kann."

Sorgen, dieser Herausforderung im Alter von inzwischen 36 Jahren nicht mehr gewachsen zu sein, macht sich der siebenmalige Weltmeister nicht. "Ja, ich bin viel älter ... Und sie fürchten nichts. Aber ich bin in großartiger Form, sehe ihnen gerne zu, und hoffe, dass ich noch in der Lage sein werde, mir meinen Platz hier zu verdienen und eine Antwort auf sie zu haben, so effektiv wie nur möglich. Darauf bin ich fokussiert", sagt Hamilton.

Neue Regeln Vorteil für junge Fahrer? Hamilton widerspricht

Damit zielt der Brite auch auf seinen Erfahrungsvorsprung. Doch zählt der 2022 vielleicht gar nicht einmal mehr so viel. Weil eine völlig neue Generation von Fahrzeugen kommt? Weil jüngere Fahrer sich darauf vielleicht schneller einstellen können? "Ehrlich, davor habe ich keine Angst", winkt Hamilton ab. Der Weltmeister verlässt sich ganz auf seine Fähigkeiten. "Die Performance der Autos sollte enger zusammenliegen. Die Rennen werden intensiver sein, also können die Fahr-Skills jede Menge bedeuten. Und genau deshalb will ich in der F1 bleiben, denn es wird wirklich eine Gelegenheit sein, meine Fähigkeiten zu zeigen", sagt Hamilton

Noch immer lastet dem Briten - zumindest für manch einen - der Makel an, er habe seine Erfolge nur dem seit Jahren enorm überlegenen Mercedes-Paket zu verdanken. 2021 beweist, dass Hamilton auch ohne das klar beste Paket liefern kann. Für 2022 sieht Hamilton ohnehin seine Erfahrung als Vorteil, nicht sein Alter als Nachteil. "Ich denke, dass mein Spirit dem Team helfen kann, Fortschritte zu machen. Denn ich weiß, was ich vom Auto brauche und wohin die Performance gehen muss", sagt Hamilton. Da hoffe er, auch Russell helfen zu kommen.

"Ich habe keine Angst, ich will einfach gewinnen."

"Er ist schon sehr schnell, aber er wird sicher von mir lernen, denn ich bin am längsten in der F1", sagt Hamilton. Gleichzeitig könne allerdings auch er von Russell lernen. "Ich habe keine Skrupel von einem Jüngeren zu lernen", sagt Hamilton. "Ich habe keine Angst, ich will einfach gewinnen."

Natürlich, so Hamilton, müsse er mit fortschreitendem Alter aber körperlich härter arbeiten, um seinen Fitnesslevel zu halten. Dazu ist der Weltmeister allerdings weiter bereit. "Ich bin noch immer hungrig", sagt Hamilton. "Wenn ich finde, dass ich langsamer bin, keine Stärke habe, zu trainieren und unmotiviert bin, dann weiß ich, dass es an der Zeit ist, aufzuhören."

Soweit ist es allerdings noch längst nicht. "Ich versuche jedes Wochenende, der Beste zu sein. Es ist niemals leicht. Ich versuche immer, das Setup des Autos zu verfeinern und kreativ dabei zu sein, jedes Wochenende, jedes Rennen, jede Saison", sagt der Mercedes-Star. Über die Jahre werde es schwieriger, gesteht Hamilton. "Ich weiß das ... Aber ich suche immer nach neuen Herausforderungen, das ist der Schlüssel. Wenn du immer auf demselben Level bleibst, langweilst du dich nach einer Weile."


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