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Formel 1, Williams-Bruchpiloten retten Giovinazzi: Glück gehabt

Antonio Giovinazzi war im Zandvoort-Qualifying der heimliche Held. Alfa Romeo beinahe vor Ferrari. Unfälle von Russell und Latifi machen es möglich.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Antonio Giovinazzi muss nach dem positiven Coronatest von Kimi Räikkönen für Alfa Romeo in Zandvoort die Fahne hochhalten. Im Qualifying für das Formel-1-Rennen am Sonntag sorgte er glatt für eine mittlere Sensation. Als Siebter knackte er beinahe die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz. Für den besten Startplatz der Saison musste der Italiener ziemlich schwitzen. Die Unfälle der Williams-Piloten retteten ihm sein Q3-Ticket.

"Die Runde im Q3 war einfach mega", freut sich Giovinazzi nach seinem zweiten Top-10-Qualifying der Saison. Bisher hatte es für ihn nur in Monaco geklappt, wo er als Zehnter das Schlusslicht im Q3 bildete. In Zandvoort hingegen hätte es für ihn sogar noch weiter nach vorne gehen können. Nur sechs Hundertstelsekunden trennten ihn von Position fünf vor dem Ferrari-Duo.

Die Teilnahme am Showdown wäre ihm allerdings fast durch die Lappen gegangen. Im Q2 lag er auf Platz zehn, als der Rest des Feldes für den finalen Run die Boxengasse verließ. Giovinazzis Alfa Romeo hingegen stand aufgebockt in der Garage und wurde von den Mechanikern belagert, die vergeblich versuchten, das rechte Vorderrad zu lösen. "Das Qualifying war eine Achterbahn. Wir hatten im Q2 ein Problem mit dem Rad", erklärt der 27-Jährige.

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Williams crasht und löst Giovinazzis Probleme

In den verbleibenden fünf Minuten hätte er nicht mehr eingreifen können, doch dann kamen ihm ausgerechnet die Erzrivalen von Williams zur Hilfe. Vier Minuten vor Schluss flog George Russell ab und sorgte für eine rote Flagge. Bei Freigabe der Session nach der Unterbrechung war Giovinazzi immer noch an die Garage gefesselt, doch dann crashte auch Nicholas Latifi im anderen Williams.

Der Kanadier verhagelte Giovinazzis Konkurrenten im Kampf um die Top-10 nicht nur die Chance auf eine Verbesserung. Er sorgte auch für das vorzeitige Ende des Q2, was für Giovinazzi die Rettung bedeutete. "Wir hatten mit der roten Flagge ein bisschen Glück", sagt der ehemalige Ferrari-Junior. Bei einem normalen Verlauf der Schlussminuten hätte er seinen Platz im Q3 mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.

Giovinazzi fürchtete Valtteri Bottas' Monaco-Schicksal. Der Finne hatte in Monaco einen Horror-Boxenstopp erlebt, bei dem das rechte Vorderrad nicht mehr abmontiert werden konnte. Die Mercedes-Mechaniker schafften es erst einen Tag später in der Fabrik, das Rad zu lösen. "Ehrlich gesagt war das meine Sorge", so Giovinazzi. "Aber die Mechaniker haben einfach nicht aufgegeben. Sie haben alles versucht."

Da der Unfall von Latifi einige Reparaturarbeiten an den Streckenbegrenzungen nach sich zog, wurde seiner Crew noch mehr Zeit verschafft, das Problem zu lösen. Als das Q3 gestartet wurde, war Giovinazzi wieder einsatzbereit. "Als ich gesehen habe, dass sie es geschafft haben, war mein oberstes Ziel, für die Jungs eine tolle Runde zu fahren, nachdem sie ihren Job so gut gemacht hatten."

Giovinazzi will Form im Rennen bestätigen

Mit Platz sieben enttäuschte er sein Team nicht. "Antonio hat eine wirklich gute Performance gezeigt. Die Truppe hat in einem schwierigen Moment zusammengehalten und ihren Teamgeist bewiesen", so Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur. Sein Fahrer hatte insgeheim mit der kleinen Sensation gerechnet: "Wir hatten gestern schon gezeigt, dass wir eine gute Pace für die Top-10 haben", sagt Giovinazzi. "Das Auto hat sich super angefühlt. Ein großes Dankeschön an die Jungs dafür und für ihren Einsatz im Q2, als wir das Problem hatten."

Nach dem erfolgreichen Qualifying ist ein Punkteresultat für Alfa Romeo fast schon Pflicht. In der Gesamtwertung wurde das Team bei den vorangegangenen Rennen erst von Williams überholt und dann abgehängt. 17 Zähler beträgt der Rückstand auf die Rivalen im Kampf um Platz acht in der Konstrukteurswertung. "Das Ziel ist, die Position zu halten. Wenn wir Plätze gutmachen können, wäre das natürlich großartig", so Giovinazzi.


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