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Formel 1, Aston Martin 2021: Vettel noch nicht auf Perez-Niveau

Aston Martin verlor in der Formel-1-Saison 2021 im Vergleich zum Vorjahr stark. Was ist für den Rückstand von Sebastian Vettel und Co verantwortlich?
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 ist in der Sommerpause: Nach 11 von 23 geplanten Rennen zieht Motorsport-Magazin.com eine erste Bilanz. Heute gibt es das Formel-1-Zwischenzeugnis für Aston Martin. Hat Sebastian Vettel mit dem Wechsel zu dem Team von Lawrence Stroll das richtige Los gezogen?

Ziel vs. Realität
Nachdem der im Vorjahr als pinker Mercedes verschriene Racing Point trotz des drittbesten Autos im Feld in der Konstrukteurs-WM nur auf Rang 4 landete, wurde als Zielsetzung für die F1-Saison 2021 der dritte Platz ausgegeben. Doch genauso wie der Name und die pinke Lackierung ist auch die Pace des Mercedes-Kundenteams über die Winterpause verschwunden.

Das ausgegebene Ziel Platz 3 ist gemessen an der tatsächlichen Performance bereits seit Saisonbeginn außer Reichweite. Aus eigener Kraft waren Sebastian Vettel und Lance Stroll nur selten in der Lage um mehr als die hinteren Punktepositionen mitzukämpfen. Lediglich bei den Stadtrennen in Monaco und Aserbaidschan war der AMR21 ein Top-5-Kandidat.

Formel 1 2021: Rückschlag für Aston Martin

Entwicklung:
Nachdem Racing Point in der vergangenen Saison das wohl beste Jahr der Team-Geschichte ablieferte (auch wenn man die Force-India-Jahre miteinrechnet) und mit Sergio Perez in Bahrein sogar den ersten Grand-Prix-Sieg einfuhr, ist Aston Martin 2021 wieder deutlich ins Hintertreffen geraten und liegt nur auf der siebten Position in der Konstrukteurs-WM. Nur 48 Punkte sammelten Vettel und Stroll in den ersten zehn Rennen. Zum Vergleich: 2020 waren es zum selben Zeitpunkt 119 Zähler. Teamchef Otmar Szafnauer machte die Regeländerungen am Unterboden für die Performance-Einbußen verantwortlich.

Anmerkungen
2020: Offiziell ging das Team nur mit 195 Punkten in die Wertung ein, da 15 Punkte aufgrund einer Strafe abgezogen wurden.
2018: Aufgrund der Änderung der Besitzverhältnisse zur Saisonmitte flossen nur die Punkte der 2. Saisonhälfte (52 Zähler) in die offizielle Wertung ein.
2016-2018: Das Team nahm noch als Force India an der Formel-1-WM teil und hatte einen anderen Eigentümer.

Der Höhepunkt:
Das Highlight der bisherigen Aston-Martin-Saison war selbstverständlich das einzige Podest-Resultat des Teams. Sebastian Vettels zweiter Platz beim Aserbaidschan-GP in Baku war ein klarere Ausreißer nach oben. Der AMR21 lieferte einerseits eine überzeugende Rennpace, andererseits setzte das Team auch strategisch auf das richtige Pferd und wurde dafür in einer chaotischen Schlussphase belohnt.

Der Tiefpunkt:
Der Österreich-Grand-Prix entwickelte sich für Aston Martin zu einer Pleiten-, Pech- und Pannenshow. Bereits im Qualifying erhielt Sebastian Vettel eine Strafe, für die er kaum etwas konnte. Für den Großteil des Rennens befanden sich dann beide Astons außerhalb der Punkte. Kurz vor Schluss wurde Vettel auch noch von Kimi Räikkönen abgeräumt und Lance Stroll erhielt eine 5-Sekunden-Srafe für Speeding in der Box. Alles in allem ein gebrauchtes Wochenende.

Sebastian Vettel:
Sebastian Vettel konnte teamintern noch nicht die Nachfolge von Sergio Perez antreten. Während der Mexikaner in der letzten Saison Lance Stroll deutlich im Griff hatte, war Vettel in der ersten Saisonhälfte nur auf Augenhöhe mit dem Kanadier unterwegs oder allenfalls knapp besser. Die Entwicklung spricht allerdings eindeutig für Vettel, der sich in den letzten drei GPs vor der Sommerpause jeweils Q3 erreichte und insgesamt auf eine durchschnittliche Startposition von 11,5 kommt. Im Rennen mangelt es Vettel allerdings noch an der Konstanz. Nur bei drei Events platzierte sich Vettel in den Punkten (wenn man Ungarn mitrechnet vier), wovon er zwei (Monaco und Aserbaidschan) in den Top 5 beendete. Bei allen anderen GPs ging er leer aus. Seine Fahrfehler aus der letzten Saison konnte der Heppenheimer nach wie vor nicht ganz abstellen. In Großbritannien und Bahrain zerstörte er sich jeweils durch eigene Fahrfehler das Rennen, beim Frankreich-GP verunfallte er im Training.
Gesamtnote MSM-Fahrerranking: 2,98 (P10)

Sebastian Vettel und Lance Stroll im Statistik-Vergleich. - Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Lance Stroll:
Was das Punkte sammeln angeht, war Stroll der konstantere der beiden Aston-Piloten. Bei sechs verschiedenen Rennen erreichte er die Top-10. Doch im Gegensatz zu Vettel verzeichnete der Sohn von Teambesitzer Lawrence Stroll keine wesentlichen Ausreißer nach oben. Stroll gibt neben Vettel als Teamkollege ein deutlich besseres Bild ab als in der vergangenen Saison gegen Sergio Perez. Die Tendenz neigt sich allerdings eindeutig auf die andere Seite der Garage. Zu Saisonbeginn hatte Stroll den Aston-Martin-Neuzugang noch im Griff. Doch spätestens seit Monaco ist er vor allem im Qualifying klar hinter Vettel. Durchschnittlich beendet er den Samstag auf Platz 13,3. Genauso wie Vettel ließ sich Stroll in dieser Saison zu einigen Fehlern hinreißen. In Ungarn unterlief ihm in Kurve 1 ein Missgeschick, mit welchem er mehrere Fahrer aus dem Rennen riss, auch in Aserbaidschan versenkte er den AMR21 im Qualifying in der Streckenbegrenzung.
Gesamtnote MSM-Fahrerranking: 3,26 (P15)

Aston Martin: Kampf um Platz 5

Ausblick:
Dass der dritte Rang in der Weltmeisterschaft ein schwieriges Unterfangen wird, war bereits vor dem Saisonstart klar. Das höchste der Gefühle, das für die britischen Nobelmarke realistisch gesehen erreichbar ist, ist die fünfte Position in der Konstrukteurs-WM. Priorität hat dieser Kampf für das Team aber nicht mehr. Bereits im Winter wurde angekündigt, dass man die Saison 2021 vor allem als Übergangsjahr betrachtet. Im Juli gab man bekannt, dass man sich endgültig voll auf die Entwicklung des 2022er-Boliden konzentrieren werde. Das gilt allerdings auch für die direkte Konkurrenz bei AlphaTauri und Alpine. 20 Zähler fehlen im Moment auf das kleine Red-Bull-Schwesterteam, 29 Punkte auf Alpine. Eine Voraussetzung für Platz 5 wird aber sein, dass beide Fahrer ihre Fehlerquote in den Griff bekommen. Teamintern zeichnet sich die Tendenz ab, dass Sebastian Vettel zunehmend das Szepter als Teamleader übernimmt. Im Qualifying ist er bereits die klare Nummer 1, im Rennen gibt es bei dem Deutschen noch Luft nach oben.

Halbzeitfazit: Vettels Einstand bei Aston Martin in der Analyse: (17:16 Min.)


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